Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 3 (20.1.1928)
- Date
- 1928-01-20
- Page
- Seite 45 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Das jüdische Echo / Blätter für die jüdische Frau 45 Sprache. Da Tausende von Kindergartenkindern aus Kreisen stammen, die daheim Jiddisch oder Arabisch oder eine andere orientalische Sprache sprechen, würden die ersten Volksschulklassen ein Sprachenbabel beherbergen, das den Unterricht außerordentlich behindern müßte, wenn nicht die Mehrzahl der Kinder bereits im Kindergarten spielend im wahren Sinne des Wortes die hebräische Sprache erlernt hätte. Es ist interessant, sich ins Gedächtnis zurückzurufen, daß bereits der Hilfsverein der deutschen Juden — nach den Bne Brith- Logen die erste Instanz, die in Palästina Kindergärten einrichtete — hier durchaus das Hebräische zur herrschenden Sprache machte. Und gerade in den Kindergärten hat die hebräische Sprache manche Bereicherung erfahren, entstanden doch hier eine Reihe von Worten, die Begriffe aus der Welt de$ Kindes bezeichnen, in einem Akt unbewußter, naiver Sprachschöpfung. Auch die hebräische Literatur hat hier einen Wurzelboden gefunden: beim Beginn der Kindergartenarbeit fehlte es noch vollständig an literarischem Material: die Geschichten und Märchen, die man den Kindern erzählte, waren Übersetzungen aus fremden Sprachen; Reime und Rhythmen irgendwelcher Eigenart des Volkes und der Sprache gab es überhaupt nicht. Im Laufe der Jahre entstand dann eine ganze Literatur von Kindererzählungen mit Lokal-Kolorit und eine Anzahl charakteristischer Spiel- und Tanzlieder für kleine Kinder. Der kürzlich verstorbene Komponist Engel hat eine ganze Sammlung von Kinderliedern in jüdischen Weisen vertont. In diesem Zusammenhang mag erwähnt werden, daß auch in der Erziehung des Kleinkindes neue Wege gesucht und gefunden wurden. Anfangs hatte man — in mechanischer Übertragung europäischer Vorbilder — die Kindergärten nach dem Froebel-System eingerichtet; später begann man, Anregungen, die das Montessori-System bot, zu verwerten und gelangte schließlich zu einem aus beiden Vorbildern zusammengesetzten, mit eignen, der besonderen Art des Landes und Volkes entsprechenden Zügen vermischten System. Abgesehen von der sprachlich-nationalen Bedeutung der Kindergärten sind sie in volkshygienischer Beziehung eine unentbehrliche Ergänzung der Schulen. Statt daß die Kinder erst mit sechs Jahren, wenn schon vieles an ihrer körperlichen Entwicklung verdorben sein kann, unter die Aufsicht des Schularztes kommen, gelangen sie durch den Besuch der Kindergärten schon vom dritten Lebensjahr ab in schulärztliche Pflege: Augenkrankheiten werden behandelt, die Sauberkeit des Körpers und Kopfes wird zur Forderung erhoben, die Zähne werden untersucht — und das Resultat ist eine bedeutende Hebung des Gesundheitszustandes schon vor dem Eintritt in die Volksschule. In den letzten Jahren haben die Kindergärten noch ein besonders wichtiges Feld der Volkswohlfahrt dadurch bearbeitet, daß sie den Kindern, die vorher fast nur mit Brot, Oliven, Gurken und Zuckerzeug ernährt wurden, kräftige, angemessene Mahlzeiten verabreichten, wofür die, welche es irgend konnten 1/^ Piaster pro Mahlzeit bezahlten, während den Allerärmsten die „Junior Hadassah“ zu kostenlosen Mahlzeiten verhalf. Abgesehen von der nationalen, pädagogischen und hygienischen Bedeutung erfüllen die Kindergärten eine eminent wichtige soziale Aufgabe. Es gibt in Palästina Tausende von Familien, die ganz oder teilweise auf den Erwerb der Mutter angewiesen sind. Alle diese Witwen oder Ehefrauen von kranken, blinden, arbeitsunfähigen oder arbeitslosen Männern, die in Läden, als Wasch- und Scheuerfrauen, aber auch in gehobenen Berufen, als Lehrerinnen, Ärztinnen usw. tätig sind, brauchen unbedingt den Kindergarten als die Einrichtung, die sie von der fortwährenden Beschäftigung mit den Kindern befreit. Eine Schließung der Kindergärten ist gleichbedeutend mit der Entziehung der Arbeitsmöglichkeit und daher des Erwerbes in vielen Familien. ❖ ❖ * In Deutschland ist es der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, der die palästinischen Kindergärten subventioniert. —Durch einen Jahresbeitrag von RM. 5.— erreicht man die Mitgliedschaft zum Verbände und trägt u. a. zur Stärkung des Erziehungswerkes in Palästina bei. — Diesbezügliche Anfragen sind zu richten an Frau Dr. Eliasberg, Maximiliansplatz 12. Morgen JÜDISCHER TURN- UND SPORTVEREIN ,BAR KOCHBA“ MÜNCHEN SONNTAG, DEN 2 2. JANUAR 1928 GROSSER GESELLSCHAFTSBAU. in den unteren Räumen des Hotels „Bayerischer Hof“ Tanzbeginn 8, Ende 3 Uhr Kapelle Pfahler, Tombola, Büfett, Sektzelt Das BK-Ballett: Fini Schwarz Claire und Rudi Adolf Fleischer Sonja Ziegler Jack und Betty May von der Bonbonniere Eintrittskarten ä RM. 2.50 im Vorverkauf bei B. Goldfarb, Weinstr.14, S. Orljansky & Sohn, Neuhauser Straße 29, D. Kernhäuser, Isartorplatz 8, A. Gidalewitsch, Müllerstr. 24, D. Goldberg, Schwanthalerstr. 24 und a. der Abendkasse ä RM. 3.—