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Das jüdische Echo · 1927-10-21 · 42 (21.10.1927) · p. Seite 696

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
42 (21.10.1927)
Date
1927-10-21
Page
Seite 696 (sequence 12)
Language
German
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6% Das Jüdische Echo Nr 42 11 II II 1111 II II1111 Feuilleton | | 1 1 1 111 II 1 1 1: 1 II Die „Habima“ in Frankfurt Von Max Blatt (Frankfurt a. M.) Die „Habima“ ist kein Theater im landläufigen Sinne des Wortes. Sie ist ein wandernder Tempel der Kunst und ihre Schauspieler sind seine Priester.. Man würde den „Habima“-Künstlern in keiner Weise gerecht werden, wenn man ihre hervorragenden Leistungen lediglich als meisterhaftes Spiel und glänzende Mimik charakterisieren wollte. Es ist hier vielmehr ein absolut völliges Aufgehen in ihre Rollen, ein Hinausgehen aus der werktätigen Wirklichkeit und Untertauchen im eigenen tiefsten seelischen Erleben, die es den ^Habima“-Künstlern bei ihrer leidenschaftlichen Liebe zu dem von ihnen geschaffenen Werke und ihrer überschwänglichen Begeisterung für das heilige Ideal, dem es dient, ermöglicht, Kunst im Gottesdienst und Alltagsleben in Rhythmus, Harmonie und symphonische Musik zu verwandeln. Einen besonderen Zauber übt der wundervolle Klang der hebräischen Sprache auf diejenigen aus, die das Glück haben, mit ihren Lauten mehr oder weniger vertraut zu sein. Es ist ein erhabenes Gefühl, die bereits totgeglaubte und „heiliggesprochene“ Sprache der Bibel und Propheten in voller Lebendigkeit, Natürlichkeit und Geschmeidigkeit zum ersten Male auf der Bühne eines guten Theaters neu erklingen zu hören. Ihr auf etwa 14 Tage sich erstreckendes Gastspiel im Frankfurter Schauspielhaus eröffnete die „Habima“ am 8. Oktober mit der dramatischen Legende „Der Dybuk“ von Anski. Der chassidische Glaube an die Seelenwanderung, der in der von Rabbi Chaim Vitol niedergeschriebenen Lurjanischen Mystik wurzelt, erhält in dieser Legende dramatische Form und lebendige Gestalt. Die Einzelheiten dieses dreiaktigen Dramas dürfen als bekannt vorausgesetzt werden. Chanan und Lea werden bereits früh von ihren Eltern füreinander bestimmt. Der Vater der Lea, inzwischen reich geworden, zieht jedoch später einen reichen Bräutigam dem Chanan vor. Chanan, der überdies durch Beschäftigung mit der Kabbala auf Irrwege gerät, stirbt beim Hören der Botschaft von der erfolgten Verlobung der Lea plötzlich.. Seine herumirrende Seele fährt in die Lea am Tage der Hochzeit. Rabbi Asriel, dem Wundertäter, gelingt es aber nach mehreren Anstrengungen und Beschwörungen, den Dybuk zum Verlassen des Körpers der Lea zu zwingen, was Lea jedoch mit ihrem Leben bezahlen muß. Durch seltene künstlerische Schöpferkraft sowie zarte Beseelung und .geistige Durchdringung von Stoff und Menschen gelingt es den „Habima“- Künstlern dieser ganzen Handlung, in der das Irdische und Überirdische eng nebeneinander wohnen und ineinander übergreifen, volle Lebenswahrheit und überzeugende Wirklichkeitsform zu verleihen. Eine Atmosphäre von echter chassidischer Romantik, mystischer Verzückung, tiefer Gottergebenheit und brüderlicher Gemeinschaft entsteht vor unseren Augen, während anderseits das Gespenstisch-geisterhafte, Traumverlorene und Nebelumhüllte Leben atmet und körperlich greifbar wird. Wir empfinden dies beim Singen, Tanzen, Beten der gefühlswarmen lebensprühenden Chassidim-Gestalten, aber in noch viel gesteigertem Maße bei den Darstellern der Hauptrollen. Chanan (Zwi Fridland) ist ein echter in den „vier Ellen der Halacha“ lebender, dabei den Lehren der Kabala huldigender Jechiwah bachur. Er fasciniert durch seine visionären Monologe 'sowie stürmischen Diskussionen mit Henoch, die fantastische Schwärmerei und leidenschaftliches Temperament verraten. Der Meschulah (A. Prudkin) wirkt mit seiner eisigen Kälte, finsteren Haltung und trockenen Einsilbigkeit geradezu dämonisch. Seine knarrende Stimme dringt uns durch Mark und Bein. Die Szene des Armentanzes ist von unheimlicher Gespensterhaft'igkeit. Den stärksten Eindruck machen jedoch Asriel (B. Tschemerinsky) und Lea (A. Rowina) im letzten Akt. Der Zadyk, eine patriarchalische, völlig durchgeistigte Erscheinung, mehr einer anderen überirdischen als dieser Welt angehörend und dabei voller Jugendfrische und Tatkraft. Lea nicht mehr Frau, sondern nur körperliche Hülle des Dybuk. Sie messen hier ihre Kräfte in schwerem Ringen und aufreibendem Kampfe miteinander, bis der unsichtbare aber deutlich fühlbare Dybuk dem stärkeren Meister weichen muß. Das Spiel dieser beiden ebenbürtigen Partner ist von dynamischer Stärke und grandioser Erhabenheit. Die dramatische Dichtung „Golem“ von Leiwik setzt sich aus mehreren wundervollen und packenden Bildern zusammen, die durch den Riesen Golem zu einem festen Ganzen verbunden und zusammengefügt werden. Es fehlt ihr jedoch an der seelischen Tiefe, durch die sich Anskis „Dybuk“ auszeichnet, eben sowie an der natürlichen Spannung der Handlung, die im „Dybuk“ durch die Gegensätzlichkeit der Hauptfiguren erzeugt wird. Hier stehen nicht feindliche Kämpfer sondern Schöpfer und Kreatur einander gegenüber, von denen der eine befiehlt und der andere gehorcht.. Der Rabbi: Löw erschafft den „Golem“ zur Bekämpfung des Inquisitors Thaddäus, der im Begriffe ist, gegen die Juden eine Blutmärchenlüge zu inszenieren. Doch der „Golem“ überschreitet seine Aufgabe und befleckt in einem Wutanfall seine Hände auch mit jüdischem Blute, worauf er vom Rabbi wieder in Staub verwandelt wird. Die Aufführung auch dieses Stückes schlägt restlos in Bann und le,gt so Zeugnis ab von der außergewöhnlichen Darstellungsgabe und Charaktergestaltungsfähigkeit der „Habima“-Künstler. Der „Golem“ Meskins ist eine künstlerische Leistung ersten Ranges. Seine vor unseren Augen erfolgende Aufwärtsentwicklung vom Lehmkoloß zu einem zweiten Adam erregt Bewunderung; erschütternd und von gewaltiger Wucht der elementare Ausbruch seines Lebensdurstes beim Vernehmen des Todesurteils durch Rabbi, Löw. S. Prudkins Rabbi Löw ist weder schattenhafter Heiliger noch Zauberkünstler, sondern ein mit übernatürlichen Kräften ausgestatteter Weiser und Denker, genialer Meister der Plastik und Bildner der Seele, in Haltung und Bewegung gemessen und ehrfurchtgebietend.. Der Inquisitor Thaddäus (E. Bertonoff) ist ein teuflischer Fanatiker Deutsche Wenwäscli**rei G. in.b.H. FELIX BRAXPXElt . MÜNCHEN Wittelsbacherplatz 2/o, Eing. Finkenstraße Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kraren, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage

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