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Das jüdische Echo · 1927-09-30 · 39 (30.9.1927) · p. Seite 649

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
39 (30.9.1927)
Date
1927-09-30
Page
Seite 649 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 39 Das Jüdische Echo 649 Gemeinden-u. Vereins-Echo Sitzung des Gemeindevorstands und der Gemeindevertretung München. Im stimmungsvollen Sitzungssaale der Gemeinde fand am Donnerstag, dem 22. September, abends 8.15 Uhr, vor der eigentlichen Sitzung eine Trauerfeier für den vor kurzem erst verstorbenen stellvertretenden Vorsitzenden des Gemeinde-Vorstands und das Ehrenmitglied der Kultusgemeinde München, Albert Landauer, und das gleichfalls vor kurzem verstorbene Mitglied der Gemeindevertretung Isidor Popper statt. Nach einem einleitenden Musikvortrag unternahm es der 1. Vorsitzende der Gemeindevertretung, Justizrat Dr. Karl Oestreich, den zahlreich Erschienenen in längerer Rede ein Lebensbild der Verstorbenen zu geben, und man darf sagen, daß ihm dies hervorragend gelungen ist. Er schilderte klar und eindringlich und doch beseelt von tiefem Schmerze die beiden Männer, denen die Israelitische Kultusgemeinde München soviel zu verdanken hat und diese Charakteristik der Männer, die nicht etwa vor ihren Grenzen Halt machten, weitete sich aus zu einer Darstellung der Zeit, in der sie lebten und wirkten, der jüdischen und politischen Verhältnisse, in denen sie zu arbeiten hatten und deren Umgestaltung zum Teil ihr Werk ist. Die würdige Trauerfeier schloß nach einer kurzen Ansprache Dr. Baerwald's mit einem Gesangsvortrag. Die Sitzung des Gemeindevorstands und der Gemeindevertretung hatte eine recht umfangreiche Tagesordnung zu erledigen. Man verhandelte über die Art, in der man den verstorbenen Albert Landauer zu ehren habe, beschloß im Prinzip die Errichtung eines Grabdenkmals auf gemeindliche Kosten, überließ aber die Entscheidung, ob die Vergebung des Auftrags direkt an einen jüdischen Bildhauer oder auf dem Wege eines Preisausschreibens erfolgen solle, dem Gemeindevorstand; man beschloß ferner die Anschaffung zweier Bilder von Albert Landauer von Münchner jüdischen Künstlern und übergab dem Vorstande zur Würdigung eine Anregung Dr. Oestreichs, das Pensionat der Gemeinde in Zukunft „Landauersches Pensionat“ zu nennen. Ferner besetzte man die vakanten Sitze in den verschiedenen Ausschüssen und ordnete Dr. Wassermann, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, sowie San.-Rat Dr. Baron in den Vorstand des Schwesternheims ab. Auf der Tagesordnung stand als Punkt 4 die Wahl des orthodoxen Rabbiners der Gemeinde: Rabbiner Dr. Ernst Ehrentreu wurde einstimmig und unter allseitigem Beifall zum Nachfolger seines Vaters gewählt. Weniger Beifall fand die von Justizrat E. Fränkef namens der jüdischen Volkspartei beantragte Anstellung eines weiteren gemeindlichen Beamten mit rabbinischer Autorisation zur Überwachung der ostjüdischen Gemeinden und Schulen und zur Vertretung des orthodoxen Rabbiners. Nach einer kurzen Debatte, an der sich Dr. Was- MODELLHAUS SOPHIE OELDENBERGER HAUS FÜR FEINSTE DAMENMODEN MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 40 TELEPHON 27168 Deutsche Neuwäscherei O.m.b.11. FELIX BRA\Di\ER - MÜNCHEN Wittelsbacherplatz 2/o, Eing. Finkenstraße Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwnschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kraren, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca 8Taee sermann, J.-R. A. Strauß und J.-R. E. Straus beteiligten, wurde dieser Antrag dem Finanzausschuß überwiesen. Punkt 5. der Tagesordnung: 2. Rabbinerstelle wurde überhaupt von der Tagesordnung abgesetzt. Zu Punkt 7, Nachtragsetat in Bausachen, führte Herr Weil aus, daß sich im Laufe dieses Jahres die Notwendigkeit umfangreicher Reparaturen an der Synagoge in der Herzog-Max-Straße herausgestellt habe, deren Gesamtkosten sich wahrscheinlich auf RM. 70 000.— bis RM. 80 000.— belaufen würden. Diese Arbeiten könnten vollständig im laufenden Jahre nicht mehr vorgenommen werden; für vordringliche, keinen Aufschub mehr zulassende Ausbesserungen, vor allem am Dach, müßten indessen RM. 15 000.—> sofort bewilligt werden. Man konnte sich dieser Argumentation nicht verschließen und genehmigte den angeforderten Betrag. Auch der im Voranschlag für soziale Zwecke angesetzte Betrag reicht angesichts des sich immer vergrößernden Aufgabenkreises nicht aus und so mußte Justizrat E. Straus eine Nachforderung von insgesamt RM. 15 000.— stellen, von denen durch Beschluß der Gemeindevertretung und des Vorstandes RM. 10 000.— durch die für die Darlehnskasse zurückgestelte Reserve zu decken sind und RM. 5000.— neu bewilligt wurden. Ferner wurden bewilligt RM. 2800.— für die Talmud- Thora-Schule und für die Wintertagung des Israel Lehrervereins, die in München stattfinden soll, RM. 2000.—, Schließlich wurde die Ersatzwahl für. Albert Landauer vorgenommen, und zwar wählte die Gemeindevertretung einstimmig Herrn J.-R. Dr. Oestreich zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gemeindevorstandes. J.-R. Dr. Oestreich nahm die Wahl an (an seine Stelle rückt nunmehr Herr Ingenieur Sternberger in die Gemeindevertretung ein). Damit hatte sich die Notwendigkeit ergeben, einen neuen Vorsitzenden der Gemeindevertretung zu bestellen, der sich denn auch sofort in Geheimrat Dr. Dispecker fand, der ebenfalls einstimmig gewählt wurde, die Wahl annahm und als seine erste Amtshandlung die Sitzung schloß. Der jüdische Kindergarten, Herzog - Rudolph- Straße 5, beginnt am 29. September und ist geöffnet: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag 9.30 bis 12 Uhr, und Mittwoch nur nachmittag 3.30 bis 6 Uhr. Anmeldungen können jederzeit dort erfolgen. Sprechstunde der Leiterin: Montag 9.30 bis 10.30 Uhr. Fürth. Am 11. September 1927 fand hier die Tagung des Verbands gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine Bayerns statt, die recht rege besucht war. Der Geschäftsbericht der Verbandsleitung, den der Vorsitzende, Herr Dr. Gustav Münz, erstattete, zeigte, daß die Organisation sich zusehends entwickelt, obwohl diese Entwicklung nur langsam und schrittweise vor sich geht. Am Nachmittag sprachen Dr. Willy Hofmann (Frankfurt) über das „Individuum als Träger der Gemeinschaft“ und Rabbiner Dr. Breslauer (Fürth) über „Das Führerprobelm“; beide Redner behandelten damit Fragen, die für einen Jugendverband besonders wich-

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