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Das jüdische Echo · 1927-09-30 · 39 (30.9.1927) · p. Seite 648

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
39 (30.9.1927)
Date
1927-09-30
Page
Seite 648 (sequence 12)
Language
German
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648 Das Jüdische Echo / Sport-Echo Nr. 39 Offene Wettbewerbe: 200-Meter-Lauf: 1. Flink (B.) 24,5 Sekunden; 2. Sluzak (Leipzig); 3. Lempart (Leipzig). 800-Meter-Lauf: 1. Eger (B.) 2:05,8 Minuten; 2. Janklowitz (B.); 3. Zerkowski (B.). Speerwerfen: 1. Goldberg (B.) 44,30 Meter; 2. Warschauer (B.) 40,50 Meter; 3. Engelmayer (Frankfurt) 39,50 Meter. 100-Meter-Lauf für kleine Vereine: 1. Bukofzer (Nürnberg) 11,9 Sekunden; 2. Hellermann (Kowno) 12,0; 3. Schragenheim (Ivria, Berlin) 12,1; 4 .Kalter (München) 12,1. 800-Meter-Lauf für kleine Vereine: 1. Heß (Ivria, Berlin) 2:19,8 Minuten; 2. Wiener (Hannover); 3. Mühlba.uer (Halle). Hochsprung für kleine Vereine: 3. Kalter (München) 1,50 Meter. Stabhochsprung für kleine Vereine: 1. Pfeifei (B.). 4-mal-100-Meter-Staffel für kleine Vereine: 1. B. K. Hannover 52 Sekunden; 2. B. K. Magdeburg (Ivria, Berlin, als erster distanziert). 100-Meter-Lauf für Alte Herren: 1. Herr Förster (Leipzig) 12 Sekunden; 2. Scheurenberg (B.). Jugend 1911/12: 100-Meter-Lauf: Fuchs (B.) 12,4 Sekunden. 800-Meter-Lauf: Faß (B.). Jugend 1909/10: 200-Meter-Lauf: 1. Rosenthal (B.) 24,3 Sekunden; 2. Guttmann (Nürnberg); 3. Bergmann (Breslau). 800-Meter-Lauf: 1. Rosenthal (B.) 2:16,7 Minuten. Kugelstoßen: 1. Koffler (B.) 11,95 Meter. Hochsprung: 1. Koffler (B.) 1,60 Meter. Theodor-Herzl-Staffel (100, 200, 300, 300, 200, 100 Meter): 1. Berlin 2:36 Minuten; 2. Leipzig. Kater. Die Wiener Hakoah und der Professionalismus Die Ergebnisse der Generalversammlung Chotossi! Ich habe gesündigt! Das war das sensationelle Bekenntnis Dr. Körners in der jüngst abgehaltenen Generalversammlung der Hakoah. Der Mann, der seit sechzehn Jahren die Geschicke des großen jüdischen Sportvereines lenkte, der den kleinen unbeachteten Wiesenklub vom wilden Fußballplatz weg über ganz Europa nach Erez Israel bis zu den Pologrounds von Neuyork geführt hat, stand zum ersten Male als einfaches Mitglied in der Versammlung auf und verwarf das, wozu ihn der allgemeine Kurs der Fußballsache getrieben hatte, die aus Sport ein Geschäft gemacht hat. „Ich habe aufgehört für das wahre Judentum zu arbeiten“, sagte Dr. Körner, „als ich die Präsidentenstelle bei der Hakoah übernommen habe.“ „Um den Herren Israeliten den Nervenkitzel von 2 mal 45 Minuten zu bieten“, bekannte Dr. Körner weiter, „haben wir etwas getan, was der Hakoah fremd bleiben mußte, weil der Professionalismus Private kaufmännische Kurse Fernruf 23 6 99 Gegründet 1879 RUDOLF DUKIK MÜNCHEN Inhaber und Leiter Diplom-Kaufmann R. Bürck. Jeden Monat beginnen neue Kurse. Beste Referenzen. Auskunft und Anmeldung Prinz-Ludwig-Str. Nr. 3/1, neben der Tonhalle sie ihren Zielen entfremdet hat, jenen der körperlichen Erziehung der jüdischen Jugend und der Hebung ihres nationalen Bewußtseins. Diese Israeliten haben zu Spitzenleistungen der Fußballmannschaft gedrängt. Hakoah hat die Fußballmeisterschaft der ersten Klasse in Österreich erobert, ohne damals innerlich erstklassig gewesen zu sein. Nach dem erreichten Höhepunkt flaute das Interesse des großen Publikums ab. Die jüdische Mentalität ist schon so.“ Das einmal eingeschlagene System zwang Hakoah zu Kraftanstrengungen, die nicht immer mit der Hochhaltung der ehrlichen jüdischen Sportidee zu vereinbaren waren. Die forcierten Amerikareisen hatten in erster Linie materielle Ziele. Sie fanden böse Nachahmer. Unter der falschen Flagge einer .„Palästinamannschaft“ wurde eine zumeist aus ungarischen Berufsspielern zusammengekaperte Gruppe nach Amerika gelotst. Eine amerikanische Zeitung schrieb nach den ersten Spielen dieses Ensembles, man habe bisher nicht gewußt, daß die Landessprache in Palästina ungarisch sei. „Ich rufe mir das ,Pfui‘ selber zu,“ rief Doktor Körner aus, „aber wir allein sind nicht schuld. Wir waren mit dem Makkabiverband im Jahre 1923 in Karlsbad und haben dort Weizmann darauf aufmerksam gemacht, er möge sich der Jugend annehmen, sonst gehe sie uns verloren. Nichts ist auf diesem Gebiete geschehen. Die Jugend geht zugrunde, wie jetzt alles Jüdische zugrunde geht. Dr. Körner gedachte dann der Amateursektionen der Hakoah, deren Leistungen und Aufbauarbeit dem jüdischen Sporte zur Ehre gereiche. Er forderte die neuen Männer, die die Fußballidee auch weiterhin auf dem von ihm als falsch erkannten Wege führen wollen, auf, sich vor allem der inneren Arbeit zu widmen und auf Expansion nach außen hin zu verzichten. „Hakoah wird erst dann sein, wenn sie durch und durch ein jüdischer Verein sein wi r d.“ Vor drei Jahren wurde bei der Hakoah in einer außerordentlichen Generalversammlung der Professionalismus der Fußballsektion beschlossen. Damals hieß es: „Es gibt kein Zurück mehr!“ Jetzt verwirft Dr. Körner, was er damals forciert hat. Seine Rede machte ungeheueren Eindruck und minutenlang dröhnten die Beifallsalven durch den Saal, die dem Menschen Dr. Körner galten. Das Defizit der drei Jahre Professionalismus sind über eine Milliarde Schulden und der Verlust Dr. Körners, des Führers von großem Format. Dennoch bleibt der Kurs. Gibt es wirklich kein Zurück? Dr. Körners Schicksal ist nicht frei von Tragik. Seit 30 Jahren hat er sich unausgesetzt in selbstlosester Weise in den Dienst jüdisch-nationaler Arbeit gestellt. Als Führer der Hakoah hat er zweifellos nationale Propaganda von bleibendem Werte geschaffen. Seine restlose Hingabe für die einmal übernommene Aufgabe der körperlichen Regeneration des Judentums brachte es mit sich, daß sich Dr. Körner den Professionalismus als Mittel zum Endzweck und somit als notwendiges Übel aufdrängen ließ. Der Eindruck seiner Rede wirkte sich übrigens darin aus, daß bei den vorgeschlagenen Statutenänderungen die stärkere Anlehnung der Hakoah an das Baseler Programm glatt angenommen wurde. Unter einmütigem Beifall wurde Dr. Körner übrigens von der Versammlung durch den Titel des Ehrenpräsidenten ausgezeichnet.

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