Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 39 (30.9.1927)
- Date
- 1927-09-30
- Page
- Seite 646 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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646 Nr. 39 Das Jüdische Echo heiliger Name, die Seele zurückkehren heißt ins Reich Seiner Herrlichkeit. Und da muß der Leib doch wenigstens das bischen Erez-Israel-Erde haben, um darauf auszuruhen. Zu Häupten ein Päckchen, weil die gebrochenen Augen allzeit nach dem Jerusalem der Sehnsucht schauten. Und eins zu Füßen, weil die armen, wandermüden, im Leben ihr Ziel nicht erreichen konnten — die heilige Erde. Nachts, wenn die Rolläden der post office eisernes Schweigen legen zwischen die Menschen und die Dinge, werden die Säckchen lebendig und erzählen einander von den Wünschen und Hoffnungen, die in ihnen schlummern. „Seit Jahrhunderten kommen sie immer und immer wieder zu mir, nehmen die Asche meines Leibes und schicken sie hinaus in die Galuth“ —■ sagte die Erde vom Grabe Lurjas, des „Flammen geistes“, „und mit meiner Asche schicke ich Jahr um Jahr die Botschaft der nahenden Erlösung in die Diaspora, der Erlösung, die nur einem Volke wird, das eine Heimat hat. Und die meine Botschaft verstehen, warten nicht, bis man sie auf das Päckchen Erde bettet und zu ihnen kommt. Sie küssen es in heißer Inbrunst und das Fluidum der Heimaterde stärkt ihre Herzen, stählt ihren Willen und gibt ihnen den Stab in die Hand, der von Adam auf Jakob kam, von Jakob auf Moses und auf jeden Juden, der Zionssehnsucht nährt in seinem Herzen: den Zauberstab, der sie ins gelobte Land führt.“ „Und wenn sie schon kommen mit dem reichen Schatz des Zionswillens, was finden sie hier?“ klagte die Asche eines Zaddiks. ,Auch nicht mehr als eine Handvoll Erde, auf der sie einst ihr müdes Haupt betten können. Denn die jüdische Erde selbst ist gewandert. In fremde Hände ist sie gewandert. Stolz wehrt sie sich der Zwingherrn. Von Milch und Honig floß sie über, als sie einst ihre Kinder nährte. Da die Kinder ins Exil gingen, vertrocknete die quellende Brust ihrer Flüsse, die lachenden Augen ihrer Wiesen wurden matt und glanzlos und die Pracht ihres Leibes versagte den Fremden, die sie unter ihre Herrschaft zwangen, die Früchte. Aber seht und verkündet es draußen in der Welt! Jeder Fußbreit Landes, der zurückkehrt in jüdische Hände, wird wieder zum Paradies. Dem Heimkehrenden erschließt die heilige Erde ihre Schätze, wenn er sich ganz ihr weiht, wird sie wieder sein, schenkt ihm wieder die bräutliche Anmut ihres Frühlings, die ernteschwere Glut ihres Sommers, die üppigen Früchte ihres Herbstes und den Segen ihres Winters, der Flüsse und Zisternen füllt mit dem Reichtum des Regens. Und wie die Liebe reicher wird, je mehr sie schenken kann, so wird auch die Erez-Israel- Erde, von Rachels Liebe getränkt, reicher, je mehr Kinder zu ihr kommen.“ „Wie dumm die Menschen sind, wenn sie sagen, es sei kein Platz da für alle Juden, die sich nach Erez Israel sehnen,“ rief ein Säckchen, das die stolze Adresse eines jüdischen Geldfürsten trug. „Platz ist genug da, nur die Erde ist unerlöst. Den I. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, KostUmstlckereien Burgstraßei6/3 Knopflöcher Telephon 22975 Korb; Möbel Allerbeste Qualitätsarbeit! KORBWAREN KINDERWAGEN Hermann Grunert, Äuß. Maximilianstr.7, b. Max Weberpl., Tel.41856 Boden müssen sie aus fremden Händen befreien, sie. die für eine kleine Nedava ein Säckchen Erde kaufen für die Ruhestatt ihres Leibes. Tief müssen sie in die Tasche greifen und Boden kaufen. Boden für die Lebenden und nicht ein Säckchen Erde für die Toten. Eine Ruhestatt für ihre Seelen, ein Ruhekissen für ihr nationales Gewissen bedeutet der Landkauf in Erez Israel. Rachel wartet auf ihre Kinder — und sie sollten nicht kommen können, weil kein Boden da ist( für sie? Weil dieser Boden eingefangen ist in den Safes reicher Galuthjuden, die ihn erlösen könnten mit einem einzigen Federstrich in ihren Scheckbüchern? Eingefangen auch in bürgerlicher Wohlhabenheit, die sichs genug sein läßt an milden Gaben, an Nedavat, wo sie Zadokah, Gerechtigkeit geben sollte?“ Alle Päckchen, die für Geld versendet wurden ins Galuth, 'lärmten und empörten sich. Nur die armseligen Säcklein, die Dürftigkeit zur Dürftigkeit sandte als einzigen Trost, die schwiegen. Und merkwürdig: hier verstanden die Reichen die Armen und ihr trauriges Schweigen. Und sie taten vorerst das, was man überall tut in Palästina. Sie hielten eine „Asifa“, eine Versammlung ab. Und faßten die Resolution, daß sie hinausgehen in die Welt als Boten für den Keren Kajemeth le Israel. Daß sie an allen Pforten klopfen werden mit dem weckenden, warnenden Ruf der jüdischen Gewissens: „Kauft Heimaterde, erlöst den Boden Palästinas, damit es wieder ein Erez Israel werde. Wenn ihr selbst nicht kommen könnt, nicht kommen wollt, kauft Boden für eure armen Brüder, die in der Galuth zugrunde gehen und kauft vor allem Böden für die Kinder, die in Palästina geboren werden und die in ihrer Heimat als Fremde hausen müssen, in Häusern wohnen, die nicht ihnen gehören, Brot essen, das nicht auf ihren Feldern wuchs. Die in der schlimmsten Galuth leben, weil sie heimatlos sind in der Heimat. Ein Schrei ging durch die Reihen der Päckchen, des heiligen Zornes jener, deren Staub sie bargen und deren Prophetenstimme aus ihnen sprach: „Juden, wann werdet ihr endlich erwachen und euerer Heimat gedenken? Was frommen euch euere Paläste in der Galuth, die fremde Gier euch jeden Tag, jede Stunde rauben kann. Nichts von euerem Exilreichtum begleitet euch auf euerem letzten Gang. Nur der Gruß der Heimat geht mit euch, das kleine, arme Säckchen Erez-Israel-Erde.“ Die Rolladen wurden aufgezogen, und1 die polternden Hände arabischer Postdiener warfen die still gewordenen Säckchen in große Säcke und luden sie auf geduldige Esel, die sie in gleichmäßigem Trab nach Tiberias hinunterführten. Dort warf man sie ins Postauto, ungeduldig und rücksichtslos wie lästige Passagiere, verstaute sie in Haifa in dunkle Schiffsräume, wo kein Sonnenstrahl sie zpm Abschied küßte und so wanderte sie hinaus in Exil — die heilige Heimatserde.