Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 37 (16.9.1927)
- Date
- 1927-09-16
- Page
- Seite 599 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 599 |. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI [FRANZ QRUBER, MÜNCHEN Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, Kostllmstlckereien Burgstraße16/3 Knopflöcher Telephon 22975 Kapital und technischem Wissen dazu zu ermutigen, nach Palästina zu kommen. Ich sage dies auf Grund der Ansicht von Experten, wie Sir Robert Waley Cohen, Felix Warburg, Sir Alfred Mond, Dr. Lee K. Frankel u. a. Die Art und Weise, in der Herr Grünbaum so rühmlich und erfolgreich den Kampf um die Minoritätsrechte geführt hat, ist auf Palästina nicht anwendbar. Denn in Palästina fordern wir mehr als Minoritätsrechte, sogar etwas, was sich noch von den üblichen Majoritätsrechten unterscheidet, nämlich die spezifischen historischen Rechte des jüdischen Volkes in Palästina. Diese Rechte sind durch die Großmächte und den Völkerbund anerkannt und naturgemäß auch von der Mandatarmacht, die sie ja als erster anerkannt hat. Und weil diese Rechte so besondere und weil die Situation eine andere ist, müssen unsere Beziehungen, nachdem einmal die Anerkennung dieser Rechte auf Grund gegenseitiger vertrauensvoller Verständigung mit der Mandatarmacht erfolgt ist, auf gegenseitigem Vertrauen basiert sein. Es gab während der letzten schwierigen Periode reiche Beweise dafür, daß dieses Zutrauen gerechtfertigt ist. Unsere Industrie ist während der beiden letzten Jahre in einer Weise vorwärtsgekommen, die weit über die Entwicklung der vorhergehenden fünf Jahre hinausgeht. Die industriellen Exporte unserer Fabriken erreichen jetzt eine Ziffer von rund 60 000 Pfund jährlich, während es vor zwei Jahren noch keinen Industrieexport gab. Das Gebiet jüdischer landwirtschaftlicher Ansiedlung hat unter der Krise kaum gelitten. Es gab bei der Ausdehnung der Pflanzungen in den letzten 18 Monaten einen größeren Fortschritt als in den vorhergehenden drei Jahren, und diese Seite unserer Entwicklung wird in rund fünf Jahren reiche Frucht im wörtlichsten Sinne bringen. Auch politisch gab es in diesen zwei Jahren seit dem letzten Kongreß einige wichtige Leistungen. Die historische Bedeutung der Tatsache, daß auf Grund des Staatsbürgerschaftsgesetzes ein palästinischer Paß mit hebräischem Text ausgegeben wird, der Anspruch auf britischen Schutz gibt, ist noch nicht genügend unterstrichen worden. Die vor kurzem erfolgte Veröffentlichung der Verordnung über die religiösen Gemeinschaften ist trotz gewisser Mängel ebenfalls ein Schritt von historischer Bedeutung für unsere nationale Entwicklung und bezeichnet einen gewaltigen Fortschritt gegenüber dem bisher in Geltung stehenden Zustand. Abgesehen davon, daß er die Gemeinschaft mit wichtigen autonomen Rechten legalisiert, stellt diese Verordnung das erste Dokument in der Gesetzgebung Palästinas dar, in dem die J e w i s h Agency als höchste jüdische Autorität für die Regelung von Differenzen zwischen anderen hohen jüdischen Autoritäten in Palästina figuriert. Auch unsere Beziehungen zu den Arabern haben dauernd Fortschritte gemacht. Die Entscheidung über den Hafenbau in Haifa wurde endgültig getroffen. Die Arbeit Ruthenbergs an dem hydro-elektrischen Werk im Jordantale hat begonnen, und bezüglich der Toten-Meer- Konzession bestehen gute Aussichten. Ich möchte diesen Kongreß bitten, daß er niemanden gestattet, diese Krise zu einer Vertrauenskrise gegenüber der Zukunft zu machen. Bundestag des Kadimah Vom 29. Juli bis 1. August fand bei Königsee in Thüringen der zweite Bundestag des Kadimah, Ring jüdischer Wander- und Pfadfinderbünde statt. Voir einem Jahr durch Zusammenschluß dreier Bünde gebildet, kann der Kadimah auf eine Zeit voller Arbeit zurückblicken, nicht verschont von inneren und äußeren Kämpfen. Um so erfreulicher war das Bild dieses Bundestages, der in seinen Aussprachen zeigte, daß trotz verschiedener Anschauungen über Ziel und Weg des Bundes der starke Wille zu einheitlicher Zusammenarbeit entstanden ist. Im Mittelpunkt der ideologischen Auseinandersetzung stand die Einstellung des Bundes zu den Problemen der jüdischen Erziehung. Die auf der Bundesratstagung in Brieselang angenommene Resolution wurde vom Bunde erneut als Grundlage der Arbeit anerkannt und in folgende Fassung gebracht: Der zweite Bundestag des „Kadimah“ legt als Basis der weiteren gemeisamen Arbeit in folgendem die Grundlage der jüdischen Erziehung des Bundes dar. „Kadimah“ ist ein unabhängiger Jugendbund mit reinen Erziehungsaufgaben. Er lehnt es ab, die Nachwiuchsbewegung irgendeiner politischen Organisation zu sein. Feind allen Zersplitterungs- und Verfalltendenzen im Judentum will er die jüdische Jugend zur verantwortlichen Mitarbeit an den gemeinsamen Aufgaben der Weltjudenheit erziehen. Innerhalb dieser Aufgaben kommt, entsprechend der unzertrennlichen Verknüpfung Palästinas mit der Geschichte des jüdischen vrolkes, dem Wiederaufbau des Landes eine besondere Bedeutung zu. Intensives Hebräischlernen, Eindringen in die kulturellen und religiösen Probleme, Kenntnis der jüdischen Kulturwerte und der jüdischen Geschichte sowie das Wissen um die Gegenwartsfragen des jüdischen Volkes sind die unerläßlichen Vorbedingungen, um die Angehörigen unseres Bundes dazu zu befähigen, sich selbst innerhalb . der jüdischen Probleme zu orientieren und nach ihrer Erziehung im Kadimah zur eigenen Entscheidung über ihren zukünftigen jüdischen Weg zu gelangen. Aufs stärkste betont wurde, daß der Bund sich seine unpolitische Einstellung sich nicht nehmen lassen würde, seinen Willen, unbekümmert um alle äußeren Angriffe seinen eigenen Weg zu gehen. Weder der Vorwurf der einen Seite, daß er zionistisch sei, noch der anderen, daß sein Weg zum Antizionismus führe, könne ihn davon zurückhalten, selbständig Stellung zu den jüdischen Problemen zu nehmen. Als Erziehungsbund obliege ihm die Aufgabe, seine Menschen zu starken, bewußten, freien Juden zu erziehen, die imstande seien, sich selbständig für ihren jüdischen Weg zu entscheiden. Deutsche Neuwäscherei O.m.h.H. FELIX BRANDNEU - MÜNCHEN Wittelsbacherplatz 2/o, Eing. Finkenstraße Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage