Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 36 (9.9.1927)
- Date
- 1927-09-09
- Page
- Seite 581 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 581 Festschrift, die das Bild Herzls (an der Rheinbrücke), Herzls Eröffnungsrede, das Baseler Programm und die Präsenzliste des ersten Zionistenkongresses enthält. Auf dem Podium haben 18 Teilnehmer von damals Platz genommen, darunter Sokolow, Ussischkin und Motzkin, Feiwel und Schalit, Temkin und Cowen, Meier-Ebner, Alcalay und Joffe. Elf von diesen achtzehn haben sämtliche Kongresse mitgemacht. Ein Orgelpräludium, dann erinnert Präsident Weizmann an die heiligen Kämpfe, die auf dieser Bühne geführt wurden, stimmt diese Tagung auf das Intime, indem er erzählt, daß er zum ersten Kongreß, obwohl zum Delegierten gewählt, nicht kommen konnte, weil er kein Reisegeld hatte, und ladet die alten Mitkämpfer ein, von jener Zeit und jenem Ereignis zu sprechen. Es bleibt einer Zusammenfassung der gehaltenen Reden Vorbehalten, ihren herzlichen und gedanklich bedeutenden, ihren für die Erkenntnis des zionistischen Problems und für die Geschichte des Kongreßzionismus wichtigen Inhalt der breiten Öffentlichkeit zu übermitteln. Was Ussischkin und Sokolow, Temkin und Cowen sagten, darf nicht verloren gehen. Aber auch viele andere Redner teilten dankenswerte Erinnerungen mit. Und das Herzstück des Festaktes, Aere perennius, würdig, beigefügt zu werden den stärksten, edelsten Manifestationen der kongreßzionistischen Idee, scheint mir die Bekenntnisrede Leo Motzkins zu sein, den man noch niemals so hinreißend sprechen hörte: „Ich weiß, sagte er, „daß auch 90 Prozent von Ihnen nicht daran glauben, erst auf jenem Kongreß sei der politische Zionismus geschaffen worden. Ich, der ich schon vorher Zionist war, wir ostjüdischen Männer, denen Herzl in bezug auf die Idee nichts zu sagen, nichts zu geben hatte, wir, die mit einem gewissen Neid belastet hierher kamen, um zu hören, was dieser Neuling aus dem Westen vorzubringen gewillt und befähigt sei — wir waren einfach bezwungen von der Größe seiner Persönlichkeit, von der politischen Weitsicht seines Geistes, vom Adel seiner Gesinnung.“ Otto Abeies. Gemeindenu. Vereins-Kcho Kindergarten der jüdischen Frauengemeinschaft München Sicherlich ist es nicht all unseren Lesern bekannt, daß seit drei Jahren hier ein solcher Kindergarten besteht. Anfangs ganz klein in der Wohnung einer der Frauen mit wenig Kindern einmal wöchentlich, entwickelte sich der Kindergarten zu der stattlichen Anzahl von 25 Kindern. Jetzt steht er unter den bewährten Händen zweier Kindergärtnerinnen und einer Helferin. Frühmorgens kommen unsere Kleinen. Die Größeren machen ihren Weg schon allein, legen ihre Überkleider ab, hängen sie selbständig an ihren eigenen. Haken und holen sich von der Dodah (Tante) eine Arbeit; das ist nähen, zeichnen, sticken, tonen, kleben oder bauen. Nach einer halben Stunde selbständiger Arbeit holen sich unsere Kleinen ihre Stühlchen, bilden damit einen Halbkreis um die Tante, sagen ihr Gebet und lernen nun ein Spiel, Gedicht oder Lied. Kleine hebräische Spiele finden bei unseren Kindern großen Anklang. Dann wird geturnt. Nach den Klängen eines Marsches oder Tanzes oder Liedes machen die Kinder ihre Bewegungen. Einmal wöchentlich kommt eine Mensendiek-Turnlehrerin, und die Kinder turnen eine Stunde mit ihr zusammen. Nun kommt das Frühstück; auch denjenigen, die zu Hause gar nicht essen wollen, schmeckt’s in der Gemeinschaft vortrefflich. Meistens wird dann eine Geschichte erzählt, oft aus der Bibel, manchmal eine andere, jüdischen Inhalts oder sonst ein Märchen. Alles lauscht. Am Schluß heißt es dann meistens „noch eine“. Dann wird noch gemeinsam gearbeitet. Mit strahlenden Gesichtern zeigen die Kinder den Eltern, ihre Hefte, in die sie alle gefertigten Sachen einkleben. Besonders betonen wir unsere Feste. Zu Sukkoth führen wir die Kinder in eine geschmückte Laubhütte (sie dürfen ihre Vesper dort einnehmen, arbeiten eine Sukkoh aus Papier und formen die einzelnen Gerätschaften, die wir zum Jamtot brauchen; auch Simchas Torah, Lag beomer, Schwuos, Pesach stehen am Programm. Ein ganzes Monat ist Chanukkah gewidmet; erst wird die Geschichte erzählt und alles erklärt, Menorahs aus allen möglichen Materialien gefertigt und dann arbeitet jedes Kind für die Eltern, Großmutter oder Freunde; dann müssen wir daran gehen, unseren Saal zu schmücken, Chanukkahliedlein zu lernen usw. Und nun kommt die Chanukkahwoche. An einem bestimmten Tag kommen die Eltern mit den Kindern. Drei Jungens entzünden die Lichter und singen die Brochot und dann kommt ein Chanukkahspiel; die Kinder geben ihren Angehörigen die von ihnen gefertigten Geschenke und nun wird getrendelt. Nie endenwollender Jubel! Und so jeder Tag eine neue Freude. Purim ist auch so ein besonderes Fest der Freude. Da kommen der Riese Goliath, David, Gumm, Max und Moritz, Rotkäppchen zu uns. So schafft der Kindergarten den Kindern jüdisches Milieu, in welchem sie das Spiel jüdischer Gebräuche und jüdischer Feste kennen und lieben lernen. Er hält die Kinder von Konflikten fern, die, man sollte es nicht glauben, auch in diesem Alter schon entstehen. Es ist doch in München vorgekommen, daß in einem allgemeinen Privat- Kindergarten plötzlich die jüdischen Kinder entfernt wurden und dann, daß ein christlicher Junge geäußert hat, „neben den Jud setz ich mich nicht“. Es kann nur jüdischen Eltern wärmstens empfohlen werden, ihre Kinder dem Kindergarten anzuvertrauen.. 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