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Das jüdische Echo · 1927-09-09 · 36 (9.9.1927) · p. Seite 578

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
36 (9.9.1927)
Date
1927-09-09
Page
Seite 578 (sequence 10)
Language
German
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578 Das Jüdische Echo Nr. 36 Die Grundprobleme des Aufbauwerkes Referat von Dr. Arthur R u p p i n % Ruppin sprach zunächst über den gegenwärtigen Kampf gegen die Arbeiterschaft, in welchem er die beginnende Auseinandersetzung zwischen den Prinzipien des Pioniertums und der Wirtschaftlichkeit erblickt. So notwendig diese Auseinandersetzung ist, so dürfe man nicht leugnen, daß die Chaluziuth für uns noch immer unentbehrlich ist. Während der Mittelständler eine halbwegs geordnete und befriedete Umgebung verlangt, übernimmt der Chaluz die Arbeit unter den schwersten Bedingungen. Dies ist nicht der einzige Vorzug des Pioniers. Er ist eher bereit, sich für die palästinische Staatsbürgerschaft zu entscheiden, und die Arbeiter sind auch das festeste Bollwerk des Hebräismus. Wenn die Bürgerlichen glauben, sie verstünden alles besser als der Arbeiter, so muß man sie vor Überhebung warnen. Einem Fehlschlag bei einer Arbeiterunternehmung in Palästina entspricht ein halbes Dutzend Fehlschläge bei b ü r g e r 1 i c h - k a p i t a 1 i s t i - sehen Unternehmungen in Palästina. Es ist nicht angebracht, das Sprichwort: „Wer Geld gibt, ist der Herr“, aus andersartigen europäischen Verhältnissen auf unser palästinisches Siedlungswerk zu übertragen. Der notwendige Übergang vom Pioniertum zur Wirtschaftlichkeit kann nur durch und mit dem Arbeiter erreicht werden. „Ich rufe Sie auf zu einer gerechten Würdigung der Chaluziuth. Unser Aufbauwerk gleicht dem Vormarsch einer Armee. Unsere Artillerie ist die Landwirtschaft und sie bestimmt durch das Tempo ihres Vorrückens auch das aller anderen Tätigkeitszweige.“ Ruppin hält daran fest, daß die gemischte Wirtschaft in Palästina eine wohldurchdachte und angemessene Betriebsform ist. Er behaupte aber nicht, daß sie die einzige Betriebsform bleiben müsse. Was die viel bekrittelten Kwuzoth anbelangt, so haben sie bestimmt in der Vergangenheit /außerordentlich viel geleistet und seien auch weiterhin als Surrogat für die landwirtschaftliche Ausbildung zu werten. Ruppin beschäftigt sich dann sehr eingehend mit dem Kolonisationswerk in der Krim und in Griechenland. Das letztere habe er im Jahre 1925 besichtigt. . Er hat in Griechenland keine geringeren Schwierigkeiten gesehen als in Palästina. Ein erheblicher Teil der dortigen Siedler sei in sehr unbefriedigender Lage. Der Referent bespricht sodann das Problem der Kolonisierung mittelständischer Elemente und erklärt : Die mittelständische Gesinnung eines Mannes darf ebensowenig Anlaß sein, ihn zu bevorzugen, wie bei dem Arbeiter in unseren Kolonien es die proletarische Gesinnung sein darf. Die Berufseignung müsse entscheidend sein. Wir waren bisher in der Periode der Pionierarbeit und der Spendenfonds und wir sind jetzt in der Übergangszeit zur normalen Arbeit und zum Leihkapital. Der einzige Weg, der Industrie und dem Handwerk zu helfen, die die Schaffung von langfristigem Kredit, der bisher fast völlig fehlte. Der Kongreß darf nicht beendigt werden, ohne aus dem Budget der beiden nächsten Jahre für eine Industriebank, das heißt für ein Zentralinstitut für die Bedürfnisse der Industrie 100 000 Pfund bereitzustellen. Was die Zoll- und Steuerfragen anlangt, so wird man nicht weiterkommen, solange sie vom Revenuestandpunkt betrachtet und von denjenigen britischen Beamten entschieden werden, denen im Ressortinteresse an einer Erhöhung der Regierungseinnahmen gelegen ist. Ruppin fordert daher, daß die Mandatarmacht einen Spezialkommissär für die Wirtschaftspolitik Palästinas bestimmt. Redner stellt eine Berechnung an, wonach es möglich ist, für den Betrag von 375 000 Pfund tausend Familien oder fünftausend Seelen in Palästina in wirtschaftlich gesunder Weise unterzubringen. Es ist bedauerlich, daß sich die Schuldenlast der Exekutive in den letzten zwei Jahren verzehnfacht hat. Aber das kommt daher, daß die Exekutive als Mädchen für alles betrachtet wird. Man muß aufhören, Aufgaben philantropischer Art zum Aufgabenkreis der Exekutive zu machen. Ruppin kam dann auf die S t a a t s 1 ä n d e r e i e n zu sprechen. Die Regierung hat in dieser Richtung versagt, und in dem Bericht an den Völkerbund hat sie sich damit gerechtfertigt, daß zunächst die allgemeine Katastrierung des Bodens erfolgen müsse. Das würde noch unendlich lange dauern. Ruppin verlangt die Einsetzung einer besonderen Kommission, die zu prüfen hätte, ob Teile der Staatsländereien nach ihrer rechtlichen oder tatsächlichen Lage nicht auch ohne vorhergehende Katastrierung für uns freigegeben werden könnten. Zum Schlüsse meint Ruppin, unsere Leistung seit dem Jahr 1908 sei nicht zu unterschätzen. Ein einziges Nahalal wäre in dieser kurzen Zeit unter den obwaltenden Umständen eine große Tat gewesen. Verlängerung des Zionistenkongresses? Basel, 6. September 192? Ein politischer Konflikt Stephan Wise—Weizmann führte zu Schwierigkeiten, die im Moment des Berichtes, 6. September, noch nicht überwunden sind. In der politischen Kommission beantragte deren Vorsitzender Wise die Wahl einer amerikanisch-zionistischen Delegation, welche mit der englischen Regierung über die Fragen der Mandatserfüllung verhandeln soll. Zur Begründung dieses Antrags erklärte Wise, daß unsere führenden Männer in London der englischen Regierung nicht so frei gegenübertreten könnten, wie es den zu wählenden Amerikanern möglich sein würde. Dieser Antrag wurde u. a. von den übrigen amerikanischen Delegierten unter Führung Lipskys bekämpft und abgelehnt. Daraufhin legte Wise das Präsidium der Kommission nieder und verließ den Kongreß. Wir hören, daß er von Basel bereits abgereist ist. Im Permanenzausschuß hat heute der Anwalt der Exekutive in Palästina, Herr Sacker, eine längere Rede gehalten, welche man allgemein als seine Kandidatenrede als Mitglied der Palästina- Exekutive auffaßt. Die Schwierigkeiten sind außerordentlich groß, und man weiß noch nicht, wie diese Körperschaft zusammengesetzt und wieviel Mitglieder sie zählen wird. Weizmann soll ein dreigliedriges Direktorium verlangen. Es ist ziemlich sicher, daß mit Rücksicht auf diese Schwierigkeiten der Kongreß über den Freitag hinaus verlängert werden wird.

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