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Das jüdische Echo · 1927-09-02 · 35 (2.9.1927) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
35 (2.9.1927)
Date
1927-09-02
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 35 2. September 14. Jahrgang Die Eröffnungssitzung des 15. Zionisten« Kongresses Basel, 30. August 1927. Der 15. Zionistenkongreß, der zum achten Male in Basel tagt, wurde heute abend durch den Präsidenten der Zionistischen Organisation, Dr. Weizmann, mit einer mehr als halbstündigen bedeutsamen Rede eröffnet, deren Wortlaut an anderer Stelle veröffentlicht ist. Der große, nahezu 3000 Personen fassende Saal, war überfüllt. Unter den Anwesenden befanden sich neben 280 Delegierten aus allen Teilen der Welt Vertreter zahlreicher Staaten, des Völkerbundes, u. a. auch Lady Samuel. Nach vielerlei Begrüßungsreden, nach der Wahl des Kongreßpräsidiums — zum Präsidenten wurde Sokolow, zu Vizepräsidenten u. a. Motzkin und Ussischkin bestellt — und nach einer kurzen hebräischen Würdigung Achad Haams, des heimgegangenen großen zionistischen Theoretikers Nahum Sokolow, konnte schließlich Martin B u b e r das Wort zu seiner Gedenkrede auf Achad H a a m ergreifen. Die Eröffnungssitzung schloß mit dem Gesang der Hatikwah. Man muß sich zwingen, nüchtern und sachlich zu berichten. Obwohl an sich das, was man in der Eröffnungssitzung sah oder hörte, wenig geeignet scheint, zu begeisterten Ausbrüchen zu verführen: die Reden vermieden jedes Pathos, sie blieben im Bereiche nüchterner Überlegung und sie wirken sicher weniger durch oratorische Besonderheit und Glanz, als durch den Ernst, mit dem sie vorgetragen — und aufgenommen wurden. Und trotzdem liegt über dem ganzen Geschehen eine eigenartige, schwer zu definierende Atmosphäre: des Erinnerns — und der Größe — ja der Größe, trotz alledem, was man etwa dagegen Vorbringen könnte. Es ist das Gedenken an Theodor Herzl, das lebendig wird; kaum ein Redner, der nicht von ihm spricht, sei es nun Weizmann oder Sokolow, sei es Regierungsrat Wenk, der Vertreter der kantonalen Behörde und der Sta’dt Basel, oder der Vertreter der Israelitischen Gemeinde und des Schweizer Israelitischen Gemeindebundes, Herr Dreyfus - Brodsky. Die Wirksamkeit Theodor Herzls wird stark und echt empfunden: in der zionistischen Bewegung, aber auch in dieser Stadt, die sich nicht nur dankbar bewußt ist, daß durch den ersten Zionistenkongreß ihr Ruf als Kongreßstadt begründet wurde, die auch die historische Bedeutsamkeit jener 3 Tage des Jahres 1897 zu würdigen versteht. Der Größe — sie kommt dann zum Bewußtsein, wenn man sich vergegenwärtigt, was die zionistische Bewegung, deren erster Führer sich zeitweise als der General einer Armee von Schnorrern vorkam, heute de facto bedenkt: die anerkannte Vertretung des jüdischen Volkes. — Man kam nach Basel herabgestimmt, vielleicht auch verärgert über den unerträglichen Ton des Mitleids, den etwa die C.-V.-Zeitung bei ihren Betrachtungen über den Zionistenkongreß angeschlagen hat, die anscheinend gar zu gern glauben machen möchte, der Zionismus pfeife auf dem letzten Loch. Noch hat die zionistische Bewegung dieses hoffentlich echte Mitleid nicht nötig; dies beweist , jede Stunde, die man in diesen Tagen hier in Basel verbringen darf; sie ist trotz aller Schwierigkeiten ein wesentlicher Teil der Judenheit, obwohl der russische, der nahezu völlig zionistisch gesinnt ist, an jeder aktiven Mitarbeit gehindert ist, fähig, mutig und opferbereit ihren W^g weiter zu gehen und es wird ihr gelingen alle Widerstände zu besiegen — wenn es nötig ist auch ganz aus eigener Kraft. I. E. Eröffnungsrede Dr. Wefzmanns Raum und Zeit verknüpfen in bedeutsam symbolischer Weise diese Zusammenkunft mit dem Beginn unserer Bewegung. Vor drei vollen Jahrzehnten begann hier eine Epoche der jüdischen Geschichte, hier setzte das jüdische Volk den Grenzstein des Galuth. Und der Name dieser Stadt wurde für ewige Zeiten in diese neue Geschichte eingeführt durch zwei Schöpfungen: den ersten Basler Kongreß und das Basler Programm, Begriffe, die eine so unzerstörbare Verbindung von Namen und Sinn darstellen, wie jener dritte, der sich ihnen viel später gesellte: die Balfour-Deklaration. Und nun, da aus dieser Erklärung die Wirklichkeit des Erez Israel von heute geworden ist, finden wir uns wieder an der Stätte zusammen, von der aus wir vor drei Jahrzehnten unseren Weg in das neue Leben bahnten. Wir vereinen uns im Schatten des Genius, der diesen Kongreß geschaffen hat, im Gedächtnis Theodor Herzls, von dem gerade hier kostbare Erinnerung und eine fast legendär gewordene Tradition soviel zu erzählen wissen. Nichts auch scheint angemessener, als von solcher Stelle aus Rückschau und Umschau zu halten. In der Zeitspanne einer Generation hat eine tiefe historische Wandlung das Wesen und die Lage des jüdischen Volkes in seiner Gesamtheit umgestaltet, eine Wandlung, die unmittelbar oder mittelbar durch die Arbeit der Zionistischen Organisation bewirkt worden ist. Unsere Bewegung, geschaffen von einer Minderheit im jüdischen Volk, die Erfahrung weder in der Sphäre der Politik, noch im Bereiche moderner Kolonisation besaß, sieht jetzt nach drei Jahrzehnten auf zwei grundlegende Leistungen zurück: sie schuf die Elemente eines jüdischen Gemeinwesens und sie normalisierte

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