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Das jüdische Echo · 1927-08-12 · 32 (12.8.1927) · p. Seite 507

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
32 (12.8.1927)
Date
1927-08-12
Page
Seite 507 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 32 12. August 14. Jahrgang Bemerkungen Friedhofschändungen Seit dem November 1923 wurden vierzig jüdische Friedhöfe verwüstet; die letzte und grauenvollste Verheerung, über die wir in unserer vorigen Nummer berichteten, geschah in Köln. Nicht weniger als 70 Grabsteine wurden in systematischer Arbeit umgeworfen und zerbrochen, wie aus folgendem Bericht des „Kölner jüdischen Wochenblattes“ hervorgeht. „Die Vandalentat auf dem Friedhof, das steht heute schon fest, ist wohl vorbereitet und systematisch durchgeführt worden. Die Grabdenkmäler sind alle nach einer Richtung hin umgeworfen. Es hat zweifellos stundenlanger Anstrengungen bedurft, um das Zerstörungswerk zu vollbringen. Die Umzäunung des Gottesackers, die die Friedhofschänder überstiegen, ist unversehrt, was wiederum beweist, daß die Tat in voller Überlegung ausgeführt wurde. Von einer unüberlegten Tat trunkener Flegel kann überhaupt keine Rede sein, zumal es sich herausgestellt hat, daß eine ganze Anzahl provisorischer Holztafeln vertauscht worden ist, damit die Angehörigen die Gräber ihrer Toten nicht mehr finden sollten. So ziemlich alles, was zerschlagen werden konnte, ist zerschlagen. Der materielle Schaden ist bedeutend.. Der mit der Untersuchung betraute Kriminialkommissar erklärte, daß er etwas Derartiges an Zerstörungswut in seiner langjährigen Praxis noch nicht erlebt habe.“ Es soll hier kein Wort verloren werden über die Scheußlichkeit eines solchen Verbrechens und über die Entrüstung, die es bei allen anständigen Menschen hervorrufen muß; aber es muß doch einmal darauf hingewiesen werden, daß bisher in den meisten Fällen die Verbrecher nicht entdeckt und wenn entdeckt, sehr glimpflich behandelt wurden. Man darf ja gespannt sein, was mit den Kölner Schurken, die bereits gefaßt werden konnten, geschieht. Wenn hier nicht einmal ein Exempel statuiert wird, ist ein Ende dieser Kulturschmach, gegen die die ganze deutsche Öffentlichkeit sich erheben müßte, nicht abzusehen. Denn die Frechheit der nationalsozialistischen Kreise, in denen selbstverständlich -die Urheber zu suchen sind, wie sich jetzt in Köln wiederum herausgestellt hat, wird nur immer größer. Eine offizielle Stelle der Kölner jüdischen Gemeinde, die bekanntlich eine Belohnung von 1000 RM. für die Entdeckung der Täter ausgesetzt hat, erhielt daraufhin anonyme Drohbriefe, die ihr die baldige Beförderung ins Jenseits in Aussicht stellen, „... jetzt kommen die Lebendigen an die Reihe! Im Zeichen Hitlers siegen wir!“ Und die Hetze geht weiter! « Leichenschändung Es sind zwar zweifellos auch unter den Völkischen Gebildete in großer Anzahl; bei allem Einfluß aber, den man der Verhetzung und dem wütendsten, krankhaften Haß zuzugestehen bereit ist, möchte man sich doch gegen die Annahme wehren, daß ein auch nur halbwegs gebildeter Mensch imstande sei, sich zu einer Schändung Toter hinreißen zu lassen. Dem geheimen Medizinalrat, Herrn Universitätsprofessor Dr. Lubarsch, Direktor des pathologischen Instituts der Berliner Charite, ist es gelungen, auch noch den letzten Rest von Vertrauen in Bildung zu untergraben. Am Schlüsse einer Vorlesung veranstaltete er noch eine Demonstration von Leichenteilen und bemerkte dazu: „Ich scheue mich nicht, Ihnen den Namen des Verstorbenen zu nennen. Es ist Herr Iwan Kutisker, ein Ostjude, der, wie Ihnen wohl bekannt ist, zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Er hat sich mit 20 Jahren syphilitisch infiziert und rauchte, wie es bei Ostjuden Sitte ist, täglich 30 bis 40 Zigaretten.“ Iwan Kutisker — zu dem man im übrigen stehen mag, wie man will — ist nicht als rechtskräftig Verurteilter gestorben, sondern als Untersuchungsgefangener. Herr Professor Lubarsch hat es also nicht einmal mit der Wahrheit genau genommen; aber selbst wenn er in diesem Punkte Recht hätte, bestehen bleibt die Tatsache, daß sich Herr Professor Lubarsch eines schweren Bruches des ärztlichen Berufsgeheimnisses schuldig gemacht hat, das auch, und gerade Toten gegenüber zu wahren ist. Ein geheimer Medizinalrat und Universitätsprofessor kennt nicht die elementarsten Gesetze des Anstandes gegenüber Toten, oder wenn er sie kennt, glaubt er sie bei Juden nicht achten zu müssen! Man ist weit in Deutschland gekommen! Rothschild-Polizei Die österreichische Sozialdemokratie hat in den vergangenen Wochen Niederlage auf Niederlage erlitten; was Wunder, daß sie jetzt nach einem Verantwortlichen sucht, hinter den sie sich verstecken, dem sie alle Schuld zuschieben kann. In solchen Fällen gibt es bekanntermaßen ein probates, nie versagendes Mittel: man schimpft auf die Juden und leitet damit die Wut großer Bevölkerungsschichten auf eine machtlose, allen Angriffen preisgegebene Gemeinschaft ab. Ein Anlaß ist leicht gefunden. Einige Wiener Banken, darunter sogar solche, die dem „Roten Rathaus“ sehr nahestehen, haben der Polizei eine größere Spende gemacht: prompt überschreibt das Zentralorgan der österreichischen Sozialdemokratie, die „Arbeiter-Zeitung“, einen Leitartikel „R o t h s c.h i Id - P o 1 i z e i“ und hetzt damit nicht etwa gögen Rothschild oder die Banken, nein, gegen die jüdische Gesamtheit. Helf, was helfen mag! Diese Methode ist ja nicht neu und keineswegs originell, aber sie ist so hinreißend bequem: sie stellt keine Anforderungen an den Verstand, da es genügt, möglichst laut einige

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