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Das jüdische Echo · 1927-08-05 · 31 (5.8.1927) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
31 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 31 5. Hugust 14. Jahrgang Umstellung Etwa 15 Millionen Autos loben in Henry Ford ihren Erzeuger und ungefähr ebensoviele Juden tadeln in ihm ihren Verächter. Sein Charakterbild schwankt infolge dieser Umstände in der Geschichte, aber sein Name und seine Marke haben dadurch eine Verkehrsbekanntheit erlangt, die ohnegleichen ist. Neuerdings ist dieser durch rühmenswerte gewerbliche und weniger rühmenswerte journalistische Leistungen erzielte Erfolg indessen stark angefochten worden. Die Durchschnittsamerikanerin hat angefangen, das etwas teurere, aber gefälligere Chevrolet der General Motors dem plumperen Fordwagen vorzuziehen. Die Fordwerke sind durch diese Wandlung des tonangebenden Geschmacks gezwungen worden, sich auf einen neuen, auch verwöhnteren Ansprüchen genügenden „Typ“ umzustellen. Ihr Besitzer ist gleichzeitig dazu übergegangen, auch den journalistischen Stil seines „Dearborn Independent“ zu veredeln und die ihn persönlich auszeichnende Liebenswürdigkeit gegenüber dem bisher von ihm aufs bitterste angefeindeten „internationalen Juden“ herauszukehren. Er bekennt jetzt öffentlich, eingesehen zu haben, daß er den Juden unrecht getan. Er bittet sie sogar in aller Form um Verzeihung. Ja, er versichert, vieles von dem gar nicht gelesen zu haben, was der Verantwortliche oder Unverantwortliche seines Independent über den „internationalen Juden“ verbreitet hat. Der „internationale Jude“ müßte hartherziger sein, als seine Lästerer ihm nachsagen, wenn er die von einem so aufrichtig bereuenden Widersacher hingehaltene Hand nicht ergriffen hätte. Die amerikanischen Juden Schapiro und Bernstein, die den Automobilkönig wegen gewisser judenfeindlichen Behauptungen verklagt hatten, wollen Zeitungsberichten zufolge ihre Klagen fallen lassen. Sie verzichten auf den Triumph, Henry Ford, den diese Prozedur wahrscheinlich mehr geschmerzt hätte als der Verlust eines Pfundes Fleisch, um einige Dollarmillionen ärmer zu machen. Wozu auch? Henry Ford hat die „internationalen Juden“ um eine wertvolle Erfahrung reicher gemacht. Seine Erzeugnisse haben trotz der von ihm betriebenen Automobilisierung des Judenhasses auf die Dauer ihre frühere Absatzfähigkeit nicht behaupten können. Die amerikanischen Juden aber — und nicht nur sie — haben von ihm gelernt, daß sich Wehren Ehren bringt. Und dies ist die Moral dieser sonst gar nicht sehr moralischen Geschichte. — Unsere Antisemiten haben freilich ganz andere Lehren aus ihr gezogen. Sie gilt den einen als deutlichster Beweis für die fabelhafte Macht des „internationalen Judentums“, der angeblich sogar „der reichste Mann der Welt“ erlegen ist. Andere schlagen sich an die Brust und rufen: „Der echte Antisemit muß Charakter haben. Henry Ford hat leider bewiesen, daß er kein echter Antisemit ist.“ Die so reden und schreiben, überschätzen die Macht der Juden und unterschätzen den Charakter Henry Fords. Dieser kapituliert nicht vor „dem internationalen Judentum“. Er kapituliert vor der amerikanischen Mittelklasse und ihren mit wachsendem Wohlstand steigenden Ansprüchen an die Aufmachung eines Automobils und einer Tageszeitung. Verfeinerung der Produktion bedingt Verfeinerung des Produzenten. Da Henry Ford im Unterschied zu vielen unserer Antisemiten kein Heide ist und als echter Amerikaner noch im hohen Alter die Fähigkeit der Umstellung besitzt, hat er sich gegenüber den Juden neuerdings auf sein Christentum besonnen. Dies ist die wahre Bedeutung seines Aufsehen erregenden Gangs nach Damaskus. Einige Blätter berichten, daß der Zuspruch seines Sohnes Edsel und die Kenntnisnahme von den Ausschreitungen, welche vor kurzem amerikanische Ärzte in Brooklyn gegen ihre jüdischen Kollegen begangen haben, vieles zu der Wandlung des Automobilkönigs beigetragen haben. Mag sein. Allein da nicht angenommen werden kann, daß die sehr viel größeren Ausschreitungen, die im Verlauf von vier Jahrzehnten drei Millionen Juden aus dem europäischen Osten nach Amerika getrieben haben, dem Herausgeber des Dearborn Independent unbekannt geblieben sind, muß die Umstellung Henry Fords doch wohl eine tiefere Ursache haben, als solche zufälligen Ereignisse. Auch liegt es nahe, anzunehmen, daß ihm, seit er sich selbst umgestellt hat, einiges Verständnis dafür aufgegangen ist, was die Umstellung dieser großen Anzahl durch die Verhältnisse tief herabgedrückter Menschen auf die Anforderungen des amerikanischen Lebens bedeutete. Sie haben unter tätiger Mitwirkung der amerikanischen Juden, die schon vor ihnen amerikanische Staatsbürger geworden, diese Aufgabe, gegen die seine eigene Umstellung ein wahres Kinderspiel bedeutet, in einer Weise gelöst, der selbst ausgesprochene Nationalisten unter den verantwortlichen Staatsmännern der Vereinigten Staaten in Krieg und Frieden ihre Anerkennung nicht haben versagen können. M. P. Friedhofschändung in Köln-Lindenthal 1. August. (JTA.) WTB. teilt aus Köln mit: In der Nacht vom Donnerstag zu Freitag sind auf dem jüdischen Friedhof in Köln-Lindenthal 71 Grabdenkmäler beschädigt und umgeworfen worden. Die Polizei hat die Ermittlungen nach den Tätern aufgenommen.

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