Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 30 (29.7.1927)
- Date
- 1927-07-29
- Page
- Seite 481 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30 Das Jüdische Echo 485 aber auch Gottvertrauen. Er fährt in ein Land, das alle Ankommenden mit einer riesengroßen Freiheitsstatue grüßt. Diesem riesigen Monument muß die Wirklichkeit einigermaßen entsprechen. Einigermaßen entspricht die Wirklichkeit dem Symbol. Aber nicht etwa deshalb, weil man es drüben mit der Freiheit aller Menschen so ernst nimmt, sondern weil es drüben noch jüdischere Juden gibt, nämlich: Neger. Dort ist ein Jude zwar ein Jude. Aber er ist in der Hauptsache ein Weißer. Zum erstenmal bietet ihm seine Rasse einen Vorteil. Der Ostjude fährt dritter Klasse beziehungsweise Zwischendeck. Die Überfahrt ist besser, als er es sich vorgestellt hat, aber die Landung ist schwieriger. Schon die ärztliche Untersuchung im europäischen Hafen war übel genug. Nun kommt auch noch eine strengere Untersuchung. Und irgendwo stimmen die Papiere nicht ganz. Es sind zwar richtige, mit großer Mühe erhaltene Papiere. Aber sie sehen dennoch so aus, als ob sie nicht stimmten. Möglich auch, daß auf dem Schiff ein Ungeziefer sich ins Hemd des Juden geschlichen hat. Alles ist möglich. Und der Jude kommt in eine Art Gefangenschaft, die man Quarantäne nennt oder ähnlich. Ein hoher Zaun schützt Amerika vor ihm. Durch die Gitter seines Kerkers sieht er die Freiheitsstatue, und er weiß nicht, ob er oder die Freiheit eingesperrt ist. Er darf nachdenken, wie es in Neuyork sein wird. Er kann sichs kaum vorstellen. So aber wird es sein: er wird zwischen zwölfstöckigen Häusern, zwischen Chinesen, Ungarn und anderen Juden wohnen, wieder ein Hausierer sein, wieder die Polizei fürchten, wieder schikaniert werden. Seine Kinder werden vielleicht Amerikaner werden. Vielleicht berühmte Amerikaner, reiche Amerikaner, Könige irgendeines Materials. Davon träumt der Jude hinter den Gittern seiner Quarantäne. * Mit freundlicher Genehmigung des Verlags: „Die Schmied“, aus dem Buche Joseph Roths: „Juden auf Wanderung“. Geschäftliches Die altbekannte Firma Josef Duschl, Rohproduktenhalle, bisher 26 Jahre im „Münchner Hof“, Dachauer Straße, hat ihr Geschäft, die Hauptniederlage Gabelsbergerstraße 85, in die Filiale Schleißheimer Straße 44, zweiter Hof, verlegt, wo sie in gleicher Weise, wie bisher, weitergeführt wird. Telephon Nr. 55 2 36. Gemeinden-u.Vereins-fcho München. Die Wahlen zum XV. Zionistenkongreß. Die Wahlen zum XV. Zionistenkongreß finden am 7. und 8. August statt. Das Wahllokal befindet sich im Ortsgruppenbüro, Herzog-Rudolf-Straße 1. Wahlzeit: Sonntag, den 7. August, von 3 bis 6 Uhr nachmittags. Montag, den 8. August, von 8 bis 12 Uhr vorm, und von 3 bis 6 Uhr nachm. Die Wahl muß persönlich vorgenommen werden; wahlberechtigt ist jeder Zionist, der das 18. Lebensjahr vollendet hat und sich durch eine auf seinen Namen lautende Schekelquittung für das Jahr 5687 legitimieren kann. Wähler, die am Wahltage von München abwesend sind, dürfen die Wahl schriftlich vornehmen. Die Bestimmungen darüber sind in der „Jüdischen Rundschau“ vom 22. Juli einzusehen; .auch das Ortsgruppenbüro erteilt jede gewünschte Information. Zionistische Ortsgruppe München. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Adresse des Ortsgruppenbüros vom 1. August ab lautet: Herzog- Rudolf-Straße 1 Zionistische Ortsgruppe München. Am Donnerstag, dem 21. Juli, sprach Dr. Nahum Goldmann im vollbesetzten Bibliotheksaal der Israelitischen Kultusgemeinde über „Probleme des XV. Zionisten-Kongresses“. Er entwickelte mit viel Temperament und großer Leidenschaft das Programm der radikalen Zionisten und kritisierte das Programm und die Haltung des sog. Linken Zentrums. Er wandte sich gegen die bestehende, vor allem von der „Jüdischen Rundschau“ gezeigte „hystorische Krisenstimmung“, die ein Abgleiten des Linken Zentrums zu arbeiterfeindlichen Grundsätzen befürchten läßt; er fand scharfe Worte über die politische Untätigkeit der zionistischen Exekutive in London und er verwarf schließlich die ganze Politik, die sich an den Begriff der „Erweiterung der Jewish Agency“ knüpft. Nur im geistigen Kampf könne der Zionismus wieder groß und lebendig werden: die Kompromißpolitik zu liquidieren, das sei vor allem Aufgabe des XV. Zionisten-Kongresses. In der Diskussion vertrat Dr. Seide den Standpunkt des Linken Zentrums; er wußte die Ausführungen Goldmanns in wesentlichen Punkten zu entkräften und die Politik Weizmanns geschickt zu verteidigen. TEINACHER HIRSCHQUELLE rein natürliches Mineralwasser von Weltruf, ärztl. sehr empfohlen bei BLASEN-, NIEREN- und HALSLEIDEN Generaldepot: EDUARD KÜHLES / MÜNCHEN LEDERERSTRASSE 12 TELEPHON 20542