Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1927-07-22 · 29 (22.7.1927) · p. Seite 469

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
29 (22.7.1927)
Date
1927-07-22
Page
Seite 469 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9072829-9103079-9156821--07880-9080616
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 29 Das Jüdische Echo 469 mütliche Plauderei. Plötzlich sagte Herr Sulyman Sassoon ein paar arabische Worte, die Herren setzten ihre Hüte wieder auf, alles erhob sich und man begann Omer zu zählen. Ich sah schon viele eindrucksvolle Szenen, die sich tief in mein Gedächtnis einprägten, aber die Szene des Omerzählens im Hause der Sassoons übertraf alles bisher Gesehene. Ernst und feierlich stand die ganze Gesellschaft um'den Tisch in dem großen prächtigen Salon; die eleganten Damen in Abendtoilette mit schimmernden Perlen um den Hals und funkelnden Brillanten in den Ohren, die Herren in Smoking, die Diener in den Winkeln — alle haben Omer gezählt und alle haben den dazu gehörigen Psalm mit Andacht gesprochen. Es war schon spät geworden, als ich mich verabschiedete, aber noch lange hielten mich in dieser Nacht Gedanken wach über dieses London, über dieses sonderbare Land, wo Juden zu Macht und Einfluß kommen können ohne das Band uralter Tradition zu zerschneiden, und wo es ihnen möglich ist, trotz innigster Verflechtung mit Wirtschaft und Kultur ihrer Umgebung ein Sonderleben zu führen. Aus dem Jüdischen von R. G. Erdbeben in Palästina Die Ursache des Bebens In der „Vossischen Zeitung“ schreibt Dr. Emil Carthaus über die Ursache des Bebens, das er als tektonisches rubriziert. Wir entnehmen seinen Ausführungen nachstehende Stellen: Schon längst ist man in geologischen Kreisen zu der Erkenntnis gekommen, daß die feste Erdrinde infolge der stetigen Abkühlung unseres Planeten auf seiner Bahn durch den eisig kalten Weltenraum und der damit verbundenen Schrumpfung des Erdkerns in zahlreiche Schollen zerbrochen ist. Sie befinden sich unter zunehmendem seitlichen Druck. Löst sich dieser nicht allmählich und unmerklich in den sogenannten säkularen Hebungen und Senkungen der Scholle oder der Gebirgsbildung aus, sondern ruckweise, so treten tektonische Erdbeben auf, denen die durch den Vulkanismus aus der Erde hervorgerufenen an Häufigkeit und Umfang weit nachstehen. Außerordentlich deutlich ausgesprochene Bruchspalten der Erdrinde haben wir nun vor allem in den großen Grabensenkungen vor uns, von denen sich eine, die sogenannte ostafrikanische, vom Rudolf- und Stephaniesee durch das Hochland von Abessinien, das Rote Meer und über die Sinaihalbinsel bis zum Toten Meer hinzieht, um sich nach Norden dann durch das Jordantal oder das Ghor bis zu der großen Talsenke zwischen dem Libanon und Antilibanon, hinzuziehen. Im Süden dieses gewaltigen Grabenbruches scheinen stärkere Verschiebungen zwischen den sie einschließenden Schollen der Erdrinde schon lange ihr Ende erreicht zu haben. Im Norden jedoch, in Palästina und in Syrien, ist dieses keineswegs der Fall. Auch die Erderschütterungen, die jetzt wieder westlich und östlich an der Grabensenke des Jordantales eingetreten sind, können auf solche Schollenverschiebungen zurückgeführt werden. Haben sich doch die Schollen in dieser Bruchspalte so weit gesenkt, daß wir im Toten Meere mit 394 Metern unter dem Meeresspiegel die tiefste Stelle der ganzen sichtbaren Erdoberfläche vor uns haben. Zuweilen müssen sich die Schollenverschiebungen hier ruckweise und mit großer Gewalt als heftige Erdbeben geltend gemacht haben, da von solchen auch die Geschichte zu erzählen weiß. Palästina als Erdbebengebiet Wir lesen in der „Frankfurter Zeitung“: Daß Palästina kein Erdbebenherd ist, erhellt am besten aus der Tatsache, daß seit 90 Jahren das Land von solchen Katastrophen verschont geblieben ist. Zuletzt wurde Nordpalästina am 1. Januar 1837 von einem Erdbeben heimgesucht, bei dem in Safed und Tiberias 4000 Menschen, zumeist Juden, ums Leben kamen. Jerusalem blieb verschont. Immerhin gehörten im alten biblischen Palästina Erderschütterungen nicht zu den unbekannten Erscheinungen; dafür spricht die Tatsache, daß die Propheten und Psalmsänger auch jede große politische Umwälzung im Völkerleben als ein großes Wanken der Erde voraussehen oder schildern. So Jesaias 13, 13, daselbst 24, 18, Psalm 18, 8 u. v. m. Das erste große Erdbeben in Palästina, von dem die biblische Überlieferung spricht, geschah unter dem judäischen König Usia. Auf dieses Ereignis, das wohl lange Jahrzehnte der Bevölkerung in Erinnerung blieb, spielt der Prophet Sediat jah (14, 5) an, indem er bei Schilderung kommender Schrecken droht: „Und Ihr werdet fliehen, wie Ihr einstens geflohen seid vor dem Beben in den Tagen Usias, des Königs von Judäa.“ Arnos (1, 1) beginnt seine prophetische Laufbahn in Israel, wie er im ersten Satze einführend selber schreibt, „zwei Jahre vor dem Beben“, welches er gleich im folgenden Satze mit den Worten schildert: „Der Ewige schreit von Zion her, läßt von Jerusalem seine Stimme ertönen, es trauern die Anger der Hirten und Gipfel des Karmel verdorret.“ Die Erhabenheit und die Schrecken eines Erdbebens mögen wohl auch dem Propheten Habakuk vorgeschwebt haben, da er in Kap. 3 Satz 6 singt: „Er tritt und macht wankend die Erde, er blickt und macht zittern die Völker, es zersplittern die uralten Berge, es wanken die ewigen Hügel, das ist sein ewiger Wandel.“ Ebenso Joel im Kap. 4 V. 15/16: „Sonne und Mond verfinstern sich und die Sterne ziehen ihren Glanz ein. Und der Ewige schreit von Zion her, läßt von Jerusalem seine Stimme erschallen. Es beben Himmel und Erde, aber seinem Volke ist der Ewige Zuflucht und Schutz den Söhnen Israels.“ Josefus (Altertümer 15, 5, 2) beschreibt ein Erdbeben in Judäa, bei dem über 30 000 Menschen ums Leben gekommen sind. Ein weiteres schweres Erdbeben weiß die Chronik aus der Regierungszeit Hadrians im zweiten Jahrhundert zu melden, wobei die Städte Cäsaria und Amäos vernichtet wurden. S—tz. MOncti.Rcleociilünos-Gescliail Hans Scbeckenbach Theatinerstr.40, Fernspr.24168 Spezialhaus I. Ranges Beleuchtungskörper für elektrisches L icht, Heizu. Kochapparate, Staubsauger, Bügeleisen, Radio

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.