Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 26 (1.7.1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 26 1. Juli 14. Jahrgang Das zionistische Memorandum für die Mandatskommission Genf, 21. Juni. (JTA.) Das Memorandum der Zionistischen Weltorganisation, das in der gegenwärtigen Session der Mandatskommission des Völkerbundes in Behandlung gezogen werden wird, beginnt mit der Feststellung, daß es eine direkte Fortsetzung des Memorandums der Zionistischen Organisation ist, das der Mandatskommission in ihrer neunten Session Vorgelegen hat. Das Memorandum bringt die wichtigsten Ziffern betr. die jüdische Arbeit in Palästina im Jahre 1926 mit besonderer Betonung der Rolle, die der Organisation als Jewish Agency bei diesem Aufbauwerk zufiel. Das Memorandum der Zionistischen Organisation ist von einem Schreiben Dr. Weizmanns begleitet, in welchem gleich zu Beginn festgestellt wird, daß in der Angelegenheit der Beistellung von Staats- und Brachland für Zwecke einer dichteren jüdischen Besiedlung gemäß der Bestimmung des Mandatsstatuts bisher noch keinerlei Entscheidung seitens der Palästina-Regierung getroffen worden ist. Die Zionistische Exekutive steht aber mit der britischen und der Palästina-Regierung diesbezüglich in dauernder Verbindung, und es besteht Grund zur Annahme, daß die Verhandlungen schon in kurzer Zeit in einer Weise abgeschlossen werden, daß dem zionistischen Standpunkt in angemessener Weise entsprochen wird. Was die Frage der Staatsbeihilfe für das jüdische Schulwesen betrifft, so gibt die Exekutive ihrem Dank dafür Ausdruck, daß die Palästina-Regierung in ihrem Budget für 1926/27 in gewisser Hinsicht Vorsorge getroffen hat. Die erhöhte Beihilfe ist natürlich immer noch beträchtlich geringer als die verhältnismäßige Zuwendung für das andere Schulwesen — wenn man die Zahl der Schüler der jüdischen Schulen mit derjenigen der Schüler der anderen Schulen vergleicht —, immerhin wird diese Beisteuer das Unterrichtsdepartement der Palästinisch-Zionistischen Exekutive entlasten und ihm die Aufgabe erleichtern. Die Exekutive gibt der Hoffnung Ausdruck, daß in Verbindung mit der im November 1926 erfolgten Veröffentlichung eines Entwurfes für ein Arbeiterschutzgesetz schon in kurzer Zeit Maßnahmen für den Schutz von Frauen und Kindern in der Industrie getroffen und eine allgemeine konstruktive Arbeitsgesetzgebung gemäß den Bedürfnissen des Landes eingeführt werden wird. Die Exekutive ergreift gern die Gelegenheit, um ihrer Anerkennung dafür Ausdruck zu geben, daß die Palästina-Regierung Maßnahmen zur Linderung der Arbeitslosigkeit durch Gewährung von Krediten an Stadtverwaltungen und durch Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten durchgeführt hat. Schließlich lenkt die Exekutive die Aufmerksamkeit der Mandatskommission auf die Tatsache, daß die vom Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation und den Führern der amerikanischen nichtzionistischen Juden im Winter 1926/27 geführten Verhandlungen erfolgreich gewesen waren. Das Abkommen, mit dem die Besprechungen abgeschlossen wurden, bedeutet einen wesentlichen Schritt vorwärts in der Richtung der Erweiterung der Jewish Agency für Palästina auf den im Artikel 4 des Mandats vorgezeichneten Linien; ein gleicher Fortschritt wird wohl auch in anderen Ländern in kurzer Zeit zu verzeichnen sein. In dem der Ständigen Mandatskommission seitens der Zionistischen Organisation unterbreiteten Memorandum über die Arbeit in Palästina im Jahre 1926 wird einleitend darauf hingewiesen, daß in dem Juni 1926 unterbreiteten zionistischen Memorandum die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Palästina nach dem Stande vom 31. Dezember 1925 mit 138 000 angegeben worden ist. Wie sich jetzt herausstellt, war die Zahl zu niedrig angesetzt. Eine später von der Palästina-Regierung aufgestellte genaue Berechnung zeigt, daß am 1. September 1926 rund 158 000 Juden in Palästina wohnten, die 17,6 Prozent der 887 000 Seelen betreffenden Gesamtbevölkerung ausmachten. Bei der Volkszählung im Okober 1922 betrug die Zahl der Juden 83 794, das sind 11,1 Prozent der damaligen Gesamtbevölkerung von 757 182 Seelen. Im Jahre 1926 wie im vorangegangenen Jahre war die Zunahme der jüdischen Bevölkerung hauptsächlich auf den Überschuß der Einwanderung über die Auswand jrung zurückzuführen, obwohl dieser Überschuß geringer war als 1924 und weit geringer als 1925. 1926 registrierte die Regierung 13 056 Juden als Einwanderer, 1925 waren es 33 801, 1924: 12 856, 1923: 7 420. Im Jahre 1926 zählte man 7 340 jüdische Auswanderer. Die Netto-Immigration betrug demnach im Jahre 1926 5716, gegen 31 650 im Jahre 1925, 10 898 im Jahre 1924 und 3955 im Jahre 1923. Die gesamte jüdische Netto-Einwanderung seit dem Kriege betraf demnach 72 000 Personen, die rückwandernden Vorkriegseinwohner nicht eingerechnet. Im Finanzjahr 1926 gab die Zionistische Organisation £ 64 961 an Unterstützung für neue Einwanderer aus. Dies war nötig, um sie im Lande festen Fuß fassen zu lassen. £ 15 200 wurden ausgegeben, um neue Einwanderer in die bereits begründeten Kolonien zu bringen, wo sie als Landwirtschaftsarbeiter tätig sind. Der Überschuß der Einwanderung über die Auswanderung im Jahre 1926 war schon in den ersten sieben Monaten des Jahres erreicht; in den letzten fünf Monaten zählte man mehr Auswanderer als Einwanderer. Die Auswanderung stieg in dieser Zeit zu einer ungewöhnlichen Höhe. Dieses Phänomen stand in engem Zusammenhang mit der herrschenden Arbeitslosigkeit, die eine Kennzeichnung des jüdischen Wirtschaftslebens in Palästina im Jahre 1926 war. Oktober 1925 zählte man rund 1000 Arbeitslose, November 1925 schon 3000, April 1926 betrug die Zahl der Arbeitslosen