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Das jüdische Echo · 1927-05-27 · 21 (27.5.1927) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
21 (27.5.1927)
Date
1927-05-27
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 21 27. Mai 14. Jahrgang Redaktionsschluß für die nächste Nummer: Dienstag abend Liberales Judentum und Zionismus Berlin, 17. Mai. (JTA.) Der Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. hat sich in seiner Sitzung vom 8. Mai, an der Vertreter aus den verschiedenen Teilen des Reiches teilnahmen, mit dem Verhältnis des liberalen Judentums zum Zionismus befaßt. Nach eingehenden Beratungen wurde, gegen eine Stimme, von allen Anwesenden —• u. a. mit Zustimmung der Herren Rabbiner Dr. Baeck, Seligmann und Vogelstein — folgende Resolution angenommen: Der Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum erblickt in der Religion die Grundlage und das Wesen des Judentums. Entscheidend für die Zugehörigkeit zum Judentum ist das Bekenntnis zur jüdischen Religion und die Erfüllung ihrer Pflichten. Wer seinen Glauben wechselt, scheidet aus der jüdischen Gemeinschaft aus; wer sich zur jüdischen Religion bekennt und ihre Pflichten erfüllt, ist vollwertiges Mitglied der jüdischen Gemeinschaft. Hieraus ergibt sich die Ablehnung aller Bestrebungen, die Stammes-, Volks- oder nationale Zugehörigkeit an die Stelle der Religion setzen oder für gleichwertig mit ihr erachten. Pflicht jedes Juden ist es, sein religiöses Bekenntnis in seiner Lebensführung sowie durch Teilnahme an jüdischen und allgemeinen Gemeinschaftsaufgaben zu betätigen und überall da, wo Juden wohnen, für ihre geistige und materielle Hebung und für Wiedererweckung jüdischer Religiosität besorgt zu sein. Nur eine in sich gefestigte, ihrer selbst bewußte Glaubensgemeinschaft wird imstande sein, beispielgebend unter den Völkern zu wirken und die ihr von der Vorsehung zugewiesene Sendung in der Menschheit zu erfüllen: das Gebot der Erhebung zu Gott, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Menschheit zu verwirklichen. * * * Die „Jüdisch-Liberale Zeitung“ vom 20. Mai begrüßt diese Resolution und meint, daß durch ihre fast einstimmige Annahme eine erfreuliche Klärung geschaffen worden sei. Die Aussprache habe gezeigt, daß der Gegensatz zwischen liberalen Rabbinern und Laien, von dem zionistische Presseorgane und einzelne zionistische Rabbiner so oft sprechen, gar iiichc vorhanden sei. Die „Jüdisch-Liberale Zeitung“ hat ein kurzes Gedächtnis. Wir können uns nicht erinnern, folgende Sätze in einer zionistischen Zeitung gelesen zu haben, vermuten aber, daß sie der „Jüdisch- Liberalen Zeitung“ bei näherem Zusehen recht bekannt Vorkommen werden: „Und die ,liberalen4 Rabbiner? Wenn man ihre Schriften liest, möchte man manchmal glauben, daß es Liberale unter den Rabbinern gibt. Sie lehren, wie sich in ältesten Zeiten die Ausübung der jüdischen Vorschriften gestaltet hat, sie entwickeln den Fortschritt der Religion und ihrer Ausübung, sie zeigen, wie und wann die einzelnen Vorschriften sich dem Leben angepaßt haben. Jedermann kann nachlesen, in welcher Weise die Landessprache im Gottesdienst Anwendung gefunden hat, wie Männer und Frauen im Gottesdienst mitgewirkt haben, daß und aus welchem Grunde gewisse Gebräuche sich in alter Zeit und manche andere im Mittelalter entwickelt haben. Da aber bleiben sie stehen. Die Anwendung der Grundsätze der Fortentwicklung auf die heutigen Tage stockt, die Anwendung auf sie selbst, ihre Tätigkeit und ihr Leben fehlt. Statt Vorbild des Fortschritts zu sein, geben sie ein Bild der Rückständigkeit, statt ihre Ansicht vor allen Juden, deren Führer sie sein wollen und sollen, offen auszusprechen, verstecken sie ihre Beratungen hinter verschlossenen Türen.... So kommt es, daß die liberalen geistigen Führer zwar die Fortentwicklung des Judentums kennen und anerkennen, aber vor dem Fortschritt im jüdischen Leben erschrocken stehen bleibe n.“ Diese Sätze finden sich in einem „Wahrheit“ überschriebenen Artikel von Herrn Bernhard Breslauer — der übrigens mit der Ankündigung schließt, daß die Gemeinden eines Tages, wenn ihnen die Geduld gerissen sei, diese Wahrheit den Rabbinern vor allen ins Gesicht sagen würden — in der „Jüdisch-Liberalen Zeitung“ vom 6. Mai 1927. Wir möchten nun nicht behaupten, daß diese Anschauungen richtig seien, müssen aber doch betonen, daß man einen Gegensatz zwischen Rabbinern und Nichtrabbinern, also Laien, nicht wohl schärfer herausarbeiten kann, als es hier geschehen ist. Freilich ist es nur der Unmut darüber, daß die Rabbiner sich wirklich einmal „angemaßt“ haben, anders als die Mehrheit der Liberalen zu denken, der sich hier kräftig Luft macht. Die oben wiedergegebene Resolution scheint nun tatsächlich einen Friedensschluß zwischen Rabbinern und Laien zu bedeuten. Begnügte sich die bekannte Resolution des liberalen Rabbinerverbandes mit der negativen Feststellung, daß Liberalismus und Zionismus einander nicht ausschließen, daß aber der Grundcharakter des Judentums religiös sei und bleiben müsse, so besagt die neue Resolution in neuer Form auch im Grunde nichts anderes, wenn sie ausspricht, daß der Liberalismus alle Bestrebungen ablehnen müsse, die Stammes-, Volks- oder nationale Zugehörigkeit an die S t e 11 e der Religion setzen. Allerdings ist dieses Zugeständnis, daß die „Stammeszugehörigkeit“ doch auch eine gewisse Rolle spielt, schamhaft verhüllt; wir würden uns nicht wundern, wenn behauptet werden sollte, es sei gar nicht so gemeint gewesen. Und so hat die neue Resolution gerade das nicht

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