Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 20 (20.5.1927)
- Date
- 1927-05-20
- Page
- Seite 323 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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SPORT-ECHO Blätter zur Pflege der Leibesübungen bei den Juden Mitteilungen über die jüdische Turnu. Sportbewegung 1927_ München, 20. Mai Mr. 5 Juden als Boxer Noch vor einem Jahrzehnt war in Deutschland Boxen ein Begriff, der gleichbedeutend war mit Raufen und Rowdytum. Nur ganz allmählich hat das Boxen wenigstens in etwas größerem Kreise die Anerkennung gefunden, die ihm in noch viel höherem Maße zukommt. Auch und vor allem wir Juden wissen noch viel zu wenig von den Vorzügen des Boxsports. Man muß es heute noch immer wieder sagen, daß der Faustkampf keine wüste Schlägerei ist, in der der Rohere siegt, sondern ein Sport, so wertvoll und schön wie jeder andere. Legen wir die erzielte körperliche Ertüchtigung als Maßstab für den Wert einer Leibesübung an: Ich wüßte, außer etwa Florettfechten, keinen Sport, der in gleicher Weise so alle Muskeln des Körpers durchbildet, so die Nerven und die Sinne stärkt, so widerstandsfähig macht und Selbstbeherrschung lehrt, wie das verachtete Boxen. Und man soll doch nicht sagen, daß die Juden sich nicht zum Boxen eignen. Die vielen erstklassigen jüdischen Boxer beweisen das besser als alle Worte. Der Mann, der „Punching“ in England populär machte und dem der moderne Boxsport seine Anfänge verdankt, war Daniel M endo z a , ein Jude. Eine ganze Liste kann man aufstellen von jüdischen Titelhaltern. Ted Kid Lewis, der langjährige Mittelgewichtsmeister Englands, mit seiner noch heute vorbildlichen Technik, Benny Leonard, der ungeschlagene Weltmeister, der ausgezeichnete Bantamgewichtler Rosenberg, ferner der berühmte Schwergewichtschampion Salomon und viele andere. Auch in Deutschland gibt es relativ viel gute jüdische Boxer. Namen, wie Harry Stein und Friedemann dürften auch fernerstehenden Kreisen nicht unbekannt sein; der neue vielversprechende, erst 19jährige Schwergewichtler Sandwina ist ebenfalls Jude. Man könnte noch mehr aufzählen, aber ich glaube, die angeführten Namen beweisen zur Genüge die Eignung der Juden zum Boxen. Langsam hat sich der Boxsport auch in den rein jüdischen Sportvereinen durchgesetzt, nicht zuletzt dank der Arbeit Benno Goldsteins. Und so haben wir denn heute jüdische Boxervereine vom Range eines Maccabi Berlin und Köln, eines Bar- Kochba Leipzig und einer Hakoah Essen mit geachteten und gefürchteten Kampfmannschaften. Es ist zu wünschen, daß man bei uns in weiterem Kreise einsehen lernt, welche körperliche, und ich wage zu sagen, geistige Bedeutung das Boxen gerade für uns haben kann und haben soll, daß man sich stärker einsetzt für die jüdische Boxsportbewegung und so mithilft an der so nötigen körperlichen Ertüchtigung unserer Jugend. P. St. Schafft Sportvereine Die C.-V.-Zeitung bringt als Abschluß einer Reihe von Aufsätzen, die sich mit der Frage beschäftigt, ob rein jüdische Sportvereine opportun seien, einen Artikel: „Schafft Sportvereine!“ Es ist erfreulich, festzustellen, daß der Verfasser die Notwendigkeit rein jüdischer Sportvereine einsieht, wenn die Motivierung uns auch etwas erzwungen erscheint. Wir wollen den jüdischen Sportverein nicht als mehr oder minder notwendiges Übel, sondern als Selbstzweck und als einen Weg zum jüdischen Menschen. Und dann: „Schafft Sportvereine!“ Es gibt doch gute jüdische Vereine. Die Losung sollte nicht heißen: Schafft Sportvereine, sondern vorerst einmal: „Hinein in die allerorten bereits bestehenden jüdischen Sportvereine und mitarbeiten an ihrem Ausbau!“ Das ist heute das Notwendigste. Die Hakoah in Ämerika Wir brachten schon Berichte über die zweite Amerikareise der Hakoah Wien. Die ersten Spiele waren ein guter Anfang. Ein Unentschieden gegen Mannschaften wie die Betlehem Steels und die Giants zu erzwingen, will etwas heißen. Die 2:1- Niederlage gegen All Stars Philadelphia war ein Verlust, der durch einen dritten unentschiedenen Kampf gegen „Sparta“ mehr als wieder gut gemacht wurde. — Die Hakoah hat in Amerika einen guten Namen. Die Spiele werden zu Sensationen für die amerikanische Sportwelt. Wie verlautet, beabsichtigt der Präsident der Hakoah die Tournee nach Kanada fortzusetzen. Für den Winter ist eine Orientreise geplant. Bisherige Spiele der Hakoahmannschaft: Hakoah —Betlehem Steels 0:0, Hakoah—All Stars Philadelphia 1:2, Hahoah—All Stars Chicago 2:1, Hakoah —Sparta 2:2, Hakoah—Giants 1:1, Hakoah—All Stars Cleveland 1:1. Ein Besuch bei der New Yorker Hakoah Von einem Teilnehmer der Hakoah-Reise. Am Donnerstag, dem 28. April, hielt die New Yorker Hakoah eine Vollversammlung ihrer Mitglieder ab, zu der wir eingeladen wurden. Von der Reiseleitung waren die Herren Dir. Spiegler und Baar und in deren Begleitung einige Spieler erschienen. Die Versammlung, an der ungefähr 80 Personen teilnahmen, erbrachte den erfreulichen Beweis für die rege Tätigkeit, die in diesem jungen Vereine herrscht Unser Ehrenmitglied, Artur Hirschler, der in der Versammlung den Vorsitz führte, widmete der Hakoahmannschaft und den beiden erschienenen Funktionären herzliche Worte der Begrüßung. Er führte aus, daß sich die New Yorker Hakoah eins fühle mit dem großen Bruderverein in Wien und daß ihr Streben dahin gehe, sich seiner würdig zu erweisen. Mit Begeisterung verwies Hirschler darauf, daß die New Yorker Hakoah lieber zwei Meisterschaftspunkte verliere, als an dem Tage,