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Das jüdische Echo · 1927-04-29 · 17 (29.4.1927) · p. Seite 267

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
17 (29.4.1927)
Date
1927-04-29
Page
Seite 267 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 17 29. April 14. Jahrgang Redaktionsschluß für die nächste Nummer: Dienstag abend Palästina im Spiegel der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ Die „Jiid.-liberale Zeitung“ bringt in ihrer Nummer von 22. April 1927 einen sehr ausführlichen Bericht über die Reise zweier Hauptvorstandsmitglieder des C.-V., der Herren Dr. Bruno Weil (Berlin), und des Staatsrats a. D. Dr. Cohn (Dessau) nach Ägypten und Palästina. Das, was die beiden Herren wesentliches über Palästina zu berichten wissen, sei hier kurz zusammengefaßt: Dr. Weil ist der Meinung, die Kleinheit des Landes mache es unmöglich, selbst bei bester Siedlung und unter Ausnutzung aller aufschließenden Kräfte auch nur einen nennenswerten Teil der Juden der Welt dort anzusiedeln. Palästina als religiöses Zentrum des Judentums sei dahingegangen und müsse erst wieder erweckt werden. Palästina als Heimstätte für Europäer sei undenkbar, da es nicht Europa, sondern dem Orient zugehöre. Wenn man auch voller Hochachtung die Pionierarbeit, die von den Zionisten dort geleistet werde, anerkennen müsse, wenn man bewundern müsse, wie es an manchen Stellen gelungen sei, aus wüster Ebene blühende Stätten zu schaffen, so genüge dieser Idealismus allein nicht, um eine Entwurzelung von Millionen von Juden zu rechtfertigen. Unsere Aufgabe müsse es sein, das begonnene Werk wohl zu halten und auszubauen, unendliches Unglück zu verhindern, auf der anderen Seite aber müßten alle Mittel und alle Kräfte in Bewegung gesetzt werden, um die Lage der Juden vor allem im Osten zu erleichtern. Das könne aber nicht geschehen, wenn man in diese heute noch geschlossene Masse von beinahe sechs Millionen eine ungewisse und utopische Hoffnung pflanze, sondern nur dadurch, daß man versuche, die Verhältnisse da zu bessern, wo sie an der Wurzel zu fassen sind. Staatsrat Cohn, der sich in seinen Ausführungen wiederholt auf die von Dr. Weil dargelegten Zustände beziehen konnte, beleuchtete vor allem die politische Atmosphäre, die dort herrsche. Man dürfe nicht verkennen, daß Palästina nach wie vor eine Kolonie Englands sei. Man dürfe weiterhin nicht vergessen, daß sich England heute weder zugunsten der Araber noch der Juden entschieden habe, daß es versuche, vollkommen neutral zu bleiben. Palästina ist für England der Zugang nach Indien und das Bindeglied nach Afrika. England wird seine Sympathie stets dem zuwenden, der dort die Macht besitzt. Vor allem dürfe man nicht vergessen, daß durch die Kultivierung Palästinas durch die Juden und überhaupt durch die gegenwärtigen Strömungen im politischen Leben das Selbstgefühl und das Nationalbewußtsein der Araber von Tag zu Tag gesteigert werde. Es könne daher leicht geschehen, daß Zusammenstöße, wie sie sich im Jahre 1921 ereignet haben, wieder aufflammen und sich viel schlimmer auswirken würden, als das damals geschehen ist. Zusammenfassend sei zu sagen, daß Palästina mit Ausnahme weniger Stellen einer Wüstenei gleiche und nur mit unendlicher Arbeit und bewunderungswürdigem Opfermut zu dem gemacht worden sei, was es heute wieder ist. Auch er schloß sich der Auffassung von Dr. Weil an, daß man, nachdem das Werk in Palästina begonnen worden sei, es nicht fallen lassen dürfe, daß man bewundern müsse, was dort entstanden sei, daß aber gerade für uns deutsche Juden dringendere Sorgen ihrer Lösung harren und daß es ein Verbrechen wäre, europäische Menschen in ein orientalisches Milieu zu verpflanzen und sie in ihrem kulturellen Niveau so zu degradieren. Das sind in aller Kürze die Hauptprobleme. Außerdem wimmelt der Bericht von Feststellungen, Eindrücken und Bildern, die lebhaft an die abgestandensten Argumente antizionistischer Propaganda erinnern. So z. B. die Worte, die einem angeblich bedeutenden Zionisten in Palästina in den Mund gelegt werden, er habe „in den antisemitischsten und schlechtesten Zeiten in Österreich und in Wien viel mehr Rechte gehabt, als er sie je in Palästina haben werde“ oder der angeblich zionistische Gedankengang, das Religiöse müsse durch das Nationale ersetzt werden, woraus sich die zahlreichen Sabbatübertretungen usw. durch die „zionistisch-kommunistisch“ gesinnte Arbeiterschaft erklären lassen. Daran anschließend Bilder von „deklassierten“ Ingenieuren, die Chauffeure sind, und jungen Mädchen, die Steine klopfen, und eine Voraussage unter dem Motto: „Viel Geschrei und wenig Wolle“, man könnte bestenfalls im Laufe der Jahrzehnte für 30 000, 40 000 oder 50 000 Juden eine kleine Heimstätte auf dem Lande schaffen. Das Ganze klingt in die Feststellung aus: „Das moderne Palästina kann uns nicht dasselbe Symbol (wie das der Vergangenheit Red.) werden, denn es will, abgekehrt von biblischen Gedanken, (!) lediglich im Wege eines neuen interessanten Völkchens im Orient, der großen jüdischen Not helfen, ohne daß die Möglichkeit eines Erfolges gegeben wäre.“ Als Abschluß noch eine Beteuerung des Deutschtums und des Judentums „aber in unserer, in europäischer Art“. Wenn man diesen 12 Spalten füllenden Bericht liest, in dem die wichtigsten Probleme besprochen werden, wie die politischen Aussichten, die Wirtschaft, die Religion, Kolonisation, Kulturfragen usw., so könnte man meinen, die beiden Berichterstatter hätten als Fachleute eine lange Studienreise nach Palästina gemacht und nach langwierigen gründlichen Untersuchungen dieses Urteil gefällt. Weit gefehlt! Die Berichterstatter, die eine Reise nach Ägypten und Palästina gemacht haben, waren im Lande . . . zwei Wochen! Und trotz dieser kurzen Zeit, in der sie sicherlich kaum sehr viel gesehen haben konnten, von gründlichen Studien gar nicht zu reden, nehmen sie sich das Recht, über die recht komplizierten Verhältnisse Palästinas ein

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