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Das jüdische Echo · 1927-04-01 · 13 (1.4.1927) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
13 (1.4.1927)
Date
1927-04-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Oas Jüdische Echo Nummer 13 1. April 14. Jahrgang Redaktionsschluß für die nächste Nummer: Dienstag abend Zionismus und Religion Von A. J. S c h a c h r a i Die Ausführungen, die Professor Rappard bei einer der Tagungen des Völkerbundes über Palästina gemacht hat und die seinerzeit in der jüdischen Presse verbreitet wurden, haben in die Mauer von Legenden, mit denen die Agudas Jisroel ihre Beziehungen zur Zionistischen Organisation umgeben hat, eine breite Bresche geschlagen. Der Lichtstrahl, der durch diese Bresche gedrungen ist, hat die Verhältnisse hell beleuchtet und in ihrem wirklichen Wesen gezeigt. Lange schon bemüht sich die Agudas Jisroel, die Anschauung zu verbreiten, daß der Zionismus die Religion negiere und sie aus dem Leben der Siedlung in Palästina, die er zu errichten bemüht ist, auszuschalten versucht. Zum Schutz dieser Religion hat die Agudas Jisroel ein Memorandum voll Beschuldigungen gegen den Zionismus an die Regierung Großbritanniens und den Völkerbund gerichtet. Da aber kam Professor Rappard und setzte Zweifel in die Behauptungen der Agudas Jisroel und erklärte, daß sie seines Erachtens kein Monopol auf die Religion besitze und daß anderseits nicht alle Zionisten antireligiös seien. Wahrlich, die Worte Rappards, die nur als Vermutung ausgesprochen wurden, entsprechen im vollsten Sinne der Wahrheit. Wir wissen, daß die Zionistische Organisation eine Volksorganisation und wie das Volk selbst zusammengesetzt ist. Es gibt in ihr Gruppen, die die Thora und ihre Gebote treu beobachten, aber es gibt in ihr ebenso andere, die sich um die Beobachtung der Gebote nicht kümmern, und endlich solche, die davor zurückschrecken, die Gebote der Thora durch ihre Handlungsweise geringzuschätzen. Antireligiöse Menschen aber, die sich darum bemühen, die Zionistische Organisation im Sinne eines Kampfes gegen die Religion zu beeinflussen, gibt es in der Zionistischen Organisation nicht. Es gibt in ihr Menschen, die religiöse Bedürfnisse fühlen und von der Organisation deren Befriedigung fordern. Und es gibt andere Gruppen, die mehr die Notwendigkeit der Erfüllung anderer Bedürfnisse spüren und deren Befriedigung von der Organisation verlangen. Die Zionistische Organisation hat aber in ihrem Budget Raum für die Bedürfnisse beider Gruppen und befriedigt nach ihren Kräften beide. Menschen jedoch, die einen grundsätzlichen Kampf gegen die Befriedigung religiöser Bedürfnisse führen, waren bisher in der Zionistischen Organisation nicht vorhanden. Im Budget der Zionistischen Organisation gibt es einen besonderen Posten für die Befriedigung religiöser Bedürfnisse in Höhe von L. 5000, und dieser Posten ist in der Hauptsache für die landwirtschaftliche Siedlung bestimmt, weil bei der städtischen Siedlung schon aus früherer Zeit Institutionen vorhanden sind, deren Aufgabe die Sorge für religiöse Bedürfnisse ist. Der erwähnte Betrag im Budget der Zionistischen Organisation aber ist sehr vielsagend. In diesem religiösen Budgetposten figurieren Rabbiner und Schächter für 30 Siedlungspunkte. Daneben sind Beträge in Höhe von L. 500 jährlich für rituelle Tauchbäder, von L. 750 jährlich für Synagogen, religiöse Abgaben, rituelle Küchen in Stadt und Land, rituelle Verpflegung auf den Einwandererschiffen, für die Beschaffung von Mazzoth zu Pessach und endlich auch ein Betrag für die Beschaffung von religiöser Literatur ausgeworfen. L. 5000 für religiöse Bedürfnisse — das ist an sich schon eine schöne und angemessene Summe, besonders aber dann, wenn man berücksichtigt, daß es sich um eine noch wenig umfangreiche Siedlung handelt, die zudem nicht arm ist an religiösen Institutionen aus früherer Zeit. Jedenfalls ist schon dieser Betrag, der für religiöse Zwecke in das allgemeine Budget der Zionistischen Organisation eingestellt wird, geeignet, die Legenden zu zerstören, die die Agudas Jisroel über die Antireligiosität der Zionistischen Organisation verbreitet. Wir müssen jedoch noch hinzufügen, daß sowohl in der Budgetkommission wie auf dem Zionistenkongreß, der das Budget beschlossen hat, sich auch nicht eine einzige Stimme gefunden hat, die es für notwendig gehalten hätte, irgendwie gegen dieses religiöse Budget anzukämpfen, und wir müssen sogar weiter sagen, daß dieser Budgetposten der einzige ist, gegen den es überhaupt keinen Widerstand gab und der einstimmig angenommen wurde. Innerhalb der Zionistischen Organisation gibt es mehr positive und weniger negative Beziehungen zur Religion als sonst in irgendeiner Volksorganisation oder Gruppe, die in sich Anhänger aller Richtungen des Judentums vereinigt, ja sogar mehr positive Beziehungen als in irgendeiner jüdischen Gemeinde der Diaspora. Bei den Tagungen des Zionismus ist noch niemals ein solcher Kampf gegen die Religion laut geworden, wie in irgendeiner Körperschaft einer jüdischen Gemeinde, weil in der Zionistischen Organisation so extrem radikale Grundanschauungen wie in einer jüdischen Gemeinde der Diaspora nicht vorhanden sind. Der „Bund“ und seine Anhänger, die den Kampf gegen die Religion führen, kämpfen auch gegen die Zionistische Organisation. Und trotzdem behauptet man z. B. nicht, daß die Jüdische Gemeinde in Warschau, in der der „Bund“ vertreten ist, antireligiös sei, was man geflissentlich über die Zionistische Organisation verbreitet. L. 5000 stellt die Zionistische Organisation für religiöse Bedürfnisse in ihr Budget ein; dabei hat sie ein Budget, das viele andere Bedürfnisse, so die der Kolonisation, der Arbeitsbeschaffung usw.

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