Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 7 (18.2.1927)
- Date
- 1927-02-18
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 7 18. Februar 14. Jahrgang Redaktionsschluß für die nächste Nummer: Dienstag abend Ein ernstes Wort an die jüdischen Eltern Zum Einschreibungstag an den bayerischen Volksschulen Der Einschreibungstag an den bayerischen Volksschulen, der alljährlich einmal den Eltern volksschulpflichtiger Kinder das Recht der freien Entscheidung* zugesteht, welche Schule das Kind im kommenden Unterrichtsjahr besuchen wird1, sollte alle jüdischen Eltern, an deren Wohnort eine j ü d che Volksschule besteht, zu ernstem Nachdenken vor ihrem folgenschweren Entschlüsse anregen. Jeder Vater und jede Mutter, denen die jüdische Erziehung ihres Kindes am Herzen liegt, sollten sich die Frage vorlegen, was sie für die Entwicklung dies Jüdischen Gefühlslebens ihres Kindes Besseres und Nützlicheres zu tun vermögen, als es während der entscheidenden Jahre seiner geistigen und seelischen Entwicklung tagtäglich in die jüdische Schule zu schicken, eine Schule mit nur jüdischen Kameraden, nur jüdischen Lehrern und eines vermehrten jüdischen Unterrichtsprogramms. Jeder Erziehungsberechtigte, der heute vor dieser Entscheidung steht, sollte sich darüber klar werden, ob er die Verantwortung dafür übernehmen kann, daß er seinem Kinde im empfänglichsten Alter eine Fülle jüdischer Impressionen entzieht, die die jüdische Volksschule — bewußt oder unbewußt —■ heute zweifellos vermittelt, und die das elterliche Haus selbst in den meisten, Fällen auch nicht in annähernd gleichem Maße zu geben imstande ist. Keiner hat das Recht, die judaisierende Wirkung der jüdischen Volksschule in ihrer heutigen Gestalt gering zu schätzen, solange er nicht selbst dem heranwachsenden Kinde eine gleichwertige Erziehung angedeihen lassen kann. Man verachte nicht die Wirkung der steten jahrelangen Beeinflussung! Man messe nicht bloß den von der Schule übermittelten jüdischen Wissensstoff, den man vielleicht noch am ehesten durch häusliche Nachhilfe ersetzen könnte (wie wenige tun aber auch nur dies!), man bringe auch die psychologischen Imponderabilien eines Unterrichts im jüdischen Kindermilieu, vermittelt durch jüdischfühlende, für ihr Judentum begeisterte Lehrer, in Anschlag! Nur ganz wenige Glückliche mag es geben, die diese Verantwortung mit gutem Gewissen auf sich nehmen können. Die große Überzahl unserer Eltern muß sich wohl sagen, daß nur ganz außerordentliche Hindernisse sie von der selbstverständlichen Pflicht lossprechen können, ihrem Kinde den segensreichen Einfluß jüdischer Erlebnisse und Eindrücke vorzuenthalten. Welches könnten diese pflichtentbindenden Hindernisse sein? Man sage nicht ohne weiteres: die große Entfernung von der Schule! Hat man sich umgesehen, ob nicht in der Nachbarschaft Eltern wohnen, die ihre Kinder ebenfalls gerne in diese Schule schicken würden? Hat man mit ihnen gründlich beraten, ob sich nicht ein gemeinsamer Ausweg, etwa eine Wegbegleiterin für mehrere Kinder finden ließe? Man sage auch nicht: Die Überlastung des zarten Alters mit jüdischem Zusatz-Unterricht! Erfahrungsgemäß ist gerade dieser Unterricht die Freude und der Stolz aller Kinder. Sie fühlen in ihm keine Belastung, eher eine Belohnung! Aber wenn auch der jüdische Lehrstoff dort größer ist, als in den anderen Schulen, darf dies ein Hindernis sein? Wäre es nicht das Zeichen schwächlicher Gesinnung, gerade da Bedenken wegen der Überlastung des Schülers zu haben, wo es sich um Vermittlung jüdischer Inhalte und jüdischen Wissensstoffes handelt? Wird das Kind später,. wenn es selbständig zu denken anfängt, den Eltern für diese Überängstlichkeit Dank wissen? Hat es nicht geradezu ein An riecht Idarfauf, diejenigen Institutionen benützen zu dürfen, die für seine Entwicklung und Erziehung von der jüdischen Gemeinschaft unter äußersten Anstrengungen geschaffen wurden? Wir sind sicher, daß die Zahl derjenigen Kinder groß sein wird, die in späteren Jahren ihren Eltern aus dieser" ihrer erzieherischen Pflichtverletzung schwere Vorwürfe machen werden. Und ebenso sicher sind wir, daß es unter den jugendlichen Besuchern der jüdischen Schulen keinen geben wird, der dieser glücklichen Jahre seiner ersten Schulzeit sich nicht mit Freude und Dankbarkeit erinnern wird. Natürlich werden Lehrer, Gründer und Unterhalter der jüdischen Schulen es als ihre erste Pflicht ansehen müssen, den Kindern das Schulleben so froh und lichtvoll zu gestalten, wie es die Grundsätze moderner pädagogischer Anschauungen fordern. Diejenigen Kräfte der jüdischen Gesellschaft, die auf die innere Entwicklung der Schule entscheidenden Einfluß haben, nicht zuletzt auch die Vertreter der Elternschaft selbst, müssen dafür sorgen, daß die ihrer Obhut und ihrem Einfluß unterstehende Anstalt in allgemein pädagogischer Hinsicht den Anforderungen der Neuzeit entspricht. Unsere Volksschulen sind im allgemeinen junge Gründungen, die noch nicht über die gleiche Fülle praktischen Unterrichts- und Anschauungsmaterials verfügen wie solche Schulen, die schon viele