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Das jüdische Echo · 1927-01-28 · 4 (28.1.1927) · p. Seite 51

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
4 (28.1.1927)
Date
1927-01-28
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 4_ 28. Januar 14. Jahrgang Redaktionsschluß für die nächste Nummer: Dienstag abend Weizmann in Ämerika Nach einer im Jahre 5686 vorgenommenen Schätzung gibt es im ganzen etwa 15 000 000 Juden; davon leben etwa 3 800000 in den Vereinigten Staaten von Amerika; in Polen, dem Lande mit der zweitgrößten jüdischen Bevölkerung etwa 3 000 000. Die Zahl der nordamerikanischen Juden überwiegt also erheblich; jedoch gibt die rein zahlenmäßige Betrachtung nur ein recht schwaches Bild von der Bedeutung der amerikanischen Judenheit für das Schicksal der jüdischen Gesamtheit. Der Weltkrieg hat die ökonomische Lage aller andern Juden außerordentlich verschlechtert, in Osteuropa ihren Wohlstand geradezu vernichtet; die wirtschaftliche und politische Situation der amerikanischen Juden dagegen sehr gebessert und diese Entwicklung hält noch immer an. Große jüdische Aktionen sind nur mit Hilfe der amerikanischen Juden durchzuführen. Es bedarf also keiner Erläuterung, daß es Prof. Weizmann für notwendig gehalten hat, die zionistische Winterarbeit in Nordamerika nicht nur persönlich einzuleiten, sondern durch seine längere persönliche Anwesenheit die Führer des amerikanischen Zionismus auch bei der Durchführung der Kampagne zu unterstützen. Der entscheidende Kampf für das Aufbauwerk in Palästina wird eben in Amerika ausgefochten; man mag es zwar bedauern, daß der Präsident der Zionistischen Weltorganisation gezwungen ist in diesem Kampf als Propagandist und sozusagen als „Steuereintreiber“ in der vordersten Linie zu stehen, im allgemeinen hält man dies aber für ganz natürlich und sieht nicht, wie sehr man dabei Weizmann unrecht tut, der ganz außerordentliches leistet, und sich als der Staatsmann des jüdischen Volkes Arbeiten unterzieht, wie es vor ihm vielleicht auch nur Theodor Herzl getan hat. Seit den ersten Tagen des November 1926 befindet sich Weizmann in Amerika. Am 2, November wurde er zusammen mit dem englischen Botschafter Chilton vom Präsident Coolidge .empfangen — übrigens in den letzten Tagen noch 'einmal mit dem englischen Politiker Kenworthy—, am 3. November eröffnete er durch eine Ansprache die Tagung des amerikanischen Misrachi, am 8. November sprach er in einer großen ihm zu Ehren veranstalteten Kundgebung im Mekka- Tempel zu New York, eine großangelegte politische Rede hielt er auf der Palästina-Konferenz in Boston am 21. November; auf verschiedene gegen das Palästina-Werk gerichtete Angriffe antwortete er am 5. Dezember in der Free-Synagoge in New York. Nur die wichtigsten seiner vielen Reden sind hier angeführt worden; daneben her gingen aber noch die Arbeiten für die hebräische Universität in Jerusalem, die ihren sichtbaren Ausdruck in einem großen Bankett in New York am 1. Januar fanden und last not least, die unausgesetzten Verhandlungen mit den Führern der nichtzionistischen amerikanischen Juden über die Erweiterung der Jewish Agency, deren Schwierigkeiten wir nur ahnen, aber nicht in ihrer ganzen Größe begreifen können. Weizmann hat in den letzten drei Monaten eine Tätigkeit entfaltet, die schon dann uneingeschränkte Bewunderung verdient, wenn man nur die physischen Anstrengungen berücksichtigt, vor denen sie begleitet gewesen sein muß. Die Ansprache Weizmanns au die Bostoner Palästina-Konferenz darf als die bedeutsamste zionistische Kundgebung der letzten Zeit angesehen werden. Besonders interessant ist die energische Zurückweisung der von Jabotinsky für die zionistische Politik, namentlich für das Verhalten gegen England geforderten Taktik: „Der Schlüssel zu einer Besserung der politischen Lage ist nicht in Versammlungsreden in New York oder in London er ist nicht einmal in Parlamentsdebatten in Westminster. er ist ganz und gar bei den Juden und bei ihrer Fähigkeit, ihren Wert im Lande selbst zu erhöhen, zu finden.“ „Es ist Don Quichoterie zu glauben, wir könnten unsere Lage durch Herausforderung der britischen Regierung verbessern. Das britische Reich wird nicht durch Schmähungen erschüttert werden, selbst wenn sie in noch so glänzenden zionistischen Artikeln veröffentlicht werden.“ Ganz falsch sei es, Hoffnungen auf den Völkerbund zu setzen; obwohl sich namentlich durch das gute Verständnis der Ständigen Mandatskommission unser Verhältnis zu ihm sehr gebessert habe, dürfe man ihn nicht als eine Art Appellationsgerichtshof betrachten, den man gegen englische Maßnahmen anrufen könne. Wenngleich Weizmann schon in seiner Bostoner Rede die Araberfrage behandelte, so hat er doch einige Tage später gerade dieses Problem noch einmal grundsätzlich aufgerollt und zwar infolge einer Angelegenheit, die viel Aufsehen erregte. Dr. Henry S. Pritchett von der Carnegie- Friedens-Stiftung veröffentlichte nach einem kurzen Besuch in Palästina einen Bericht, der, an sich recht unbedeutend und fehlerhaft, — Pritchett ist Astronom, nicht etwa Nationalökonom — die Aufnahmefähigkeit Palästinas bezweifelte und die Behauptung enthielt, die Juden wollten die Araber aus Palästina verdrängen. Trotz seiner offenkundigen Schwächen wurde dieser Bericht zur Sensation aufgebauscht und von den New- York Times, der größten New Yorker Zeitung, noch dazu auf der ersten Seite veröffentlicht — wie man glaubt nur deshalb, weil für die Montagsausgabe, in der er gebracht wurde, keine einzige Sensationsmeldung vorlag und man sich eben eine machen mußte. Dieser Bericht hätte der Palästina-Aktion großen Schaden zufügen können, wenn nicht Weizmann die Gelegenheit dazu benutzt hätte in einer großen Rede alle Irrtümer, die Pritchett unterlaufen waren, richtigzusteilen

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