Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 53 (31.12.1926)
- Date
- 1926-12-31
- Page
- Seite 848 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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848 Das Jüdische Echo Nr. 53 Trieb bekämpfen und wenn sie auch manchmal den Ewigen vergasen, den Heiligen verwarfen — sie weichen zurück und tun große Buße/ Darauf befahl der Gerichtshof: ,Man lege die guten Werke und die Missetaten des Volkes Israel auf die Wagschale/ Zwei Engel brachten den Befehl zur Ausführung. Zu meinem Entsetzen waren die Missetaten eine riesige Menge, die guten Werke aber ein kleines Häuflein. Was konnte ich tun? Ich stellte mich hin und stahl nach und nach von den Missetaten und legte sie zu den guten Werken; die Missetaten wurden nun ein kleines Häuflein, die guten Werke hingegen eine große Menge. Als der Satan dies bemerkte, schrie er entsetzt auf und rief mit zornbebender Stimme: ,Seht, was Lewi Jizchak getan hat! Man suchte nach und man fand seine Beschuldigung wahr. Der Satan klagte mich nun des Diebstahls an und verlangte, daß man mich ihm übergeben soll; ich gehöre ihm, behauptete er, und er habe das Recht, mit mir nach seinem Belieben zu verfahren. Da ging ein Brausen durch alle Welten und Himmel und alle Zaddikim eilten herbei; die Erzväter, unser Lehrer Mose, der Baalschem und all die Engel der Gnade riefen stürmisch: ,Lewi Jizchak, der Fürsprecher des Volkes Israel, darf nicht in die Hände des Satans geraten/ Die Sache kam vor den Allgerechten selber. Der himmlische Ankläger forderte meine Bestrafung. ,Man darf im Rechte keine Partei nehmen4, behauptete er, ,Lewi Jizchak hat die Schuld des Diebstahls auf sich geladen, er soll daher von Rechts wegen bezahlen oder verkauft werden und der Satan kann sich ihn für den Kaufpreis zum Knechte machen.“ Da erhob sich der Allmächtige selber und sprach: ,Gewiß hat der Gerichtshof recht: Lewi Jizchak, mein treuer Diener, hat sich Israels annehmen wollen und beging einen Diebstahl, er soll daher, wie es im Buche des Gesetzes geschrieben steht, für seinen Diebstahl bezahlen, und wenn er kein Geld hat, verkauft werden. Nun aber ist auch der Satan mein Knecht, und es ist doch entschieden worden, daß das Eigentum des Knechtes Eigentum des Herrn ist. Somit gehört Lewi Jizchak mir. Ich aber schenke ihn wieder dem Volke Israel.“ Und nun sprach der Rabbi mit großer Innigkeit und süßer Melodie den Satz: „Der seine Diener beim Personalia Unserem Mitarbeiter Herrn Rechtsanwalt Dr. Eli Straus ist der Justizratstitel verliehen worden. Die Schriftleitung des „Jüd. Echos“ gratuliert ihm herzlichst zu dieser Auszeichnung. Gemeinden-u. Vereins-Echo Lehrkurs© der Israelitischen Kultusgemeinde München Die Leitung der jüdischen Lehrkurse veröffentlicht im folgenden ihr Programm für das Frühjahr* 1927. Wie dieses Programm zeigt, bemüht sich die Leitung, vielseitigen Wünschen und Anregungen stattzugeben, und hofft dadurch, den Kreis der Interessenten, der sich bereits im vergangenen Spätherbst erfreulich erweitert hat, wiederum weiter zu ziehen. I. Oberkantor Magnus Davidsohn, Berlin : Die Geschichte der Juden in Dichtung und Lied. Vortrag und Konzert. Mittwoch, 19. Januar 1927, abends 8.15 Uhr, im Herkulessaal der Residenz (Eingang Resi- Gerichte erkauft!“ und setzte das feierliche Loblied fort. Der Streit mit Gott Einige Tage vor Roschhaschanah kam ein Mann zu Rabbi Lewi Jizchak, weinte jämmerlich und klagte, er habe sein Vermögen verloren, habe bereits alles verkauft, was er seit vielen Jahren durch schwere Arbeit und Mühsal erworben hätte und sei nun der härtesten Not preisgegeben. Und aus der Bitterkeit seines Herzens rief er: „Rabbi, von wo wird nun meine Hilfe kommen?“ Rabbi Lewi Jizchak sprach: „Komme am Roschhaschanah in mein Bethaus, und wenn ich beim Schofarblasen stehen werde, dann bringe deine Klage nochmals vor.“ Es geschah; der Mann kam zur bestimmten Stunde und trug seine Klage vor. Rabbi Lewi Jizchak, von dem man weiß, daß er in seinen Forderungen an Gott gar nicht bescheiden war und zuweilen mit Gott eine derbe und kühne Sprache führte, sprach darauf: „Herr der Welt! Du sagtest: ,Mein ist das Silber und das Gold/ Und als du um das Volk Israel warbest und mit ihm einen Ehebund schließen wolltest, glaubte es dir, und es hoffte, du wirst deiner Angetrauten und ihren Kindern Geld und Geschmeide geben, wie es zwischen Gemahl und Gefährtin Gepflogenheit ist. Das Volk ging mit dir den Bund ein; du machtest das jüdische Volk, die Gemeinschaft Israels zu deiner Gemahlin, wie es in der Schrift heißt: ,Und ich traute dich mir für ewig an!‘ Und nun frage ich dich: Wie erfüllst du denn deine Gemahlpflicht? Warum gibst du deinen Kindern nicht ihren Bedarf? Wo ist das Silber und das Gold, das du dein nanntest? Willst du aber deine Zusage nicht erfüllen, mit welchem Rechte forderst du von deinem Volke Israel, daß es dir Treue bewahren soll?“ Sprach’s, atmete schwer, wie nach einem Ringkampfe, und verharrte eine lange Weile in tiefem Schweigen. Dann aber wandte er sein Antlitz dem verzweifelten Mann zu und sprach: „Gott wird seine Pflichten erfüllen, besinne aber auch du dich, deine Treue zu bewahren und nach Gottes Wort zu handeln.“ Und nun stimmte er den Psalm an. denzstraße). Eintrittspreise: M. 1.20 num. Sitzplatz, M. —.80 Sitzplatz, M. —.40 Stehplatz. II. Dr. Martin Buber, Heppenheim (Bergstraße): Der heutige Mensch und die Bibel. 12., 13. und 14. Februar 1927, abends 8.15 Uhr, im Herkulessaal der Residenz (Eingang Residenzstraße). Eintrittspreise: M. 3.—, 2.— und 1.— für alle drei Abende zusammen. Samstag, 1. Abend: Die Wahrheit der Bibel. Sonntag, 2. Abend: Der heutige Mensch und die Schöpfungsgeschichte. Montag, 3. Abend: Der heutige Mensch und der Offenbarungsbericht. III. Dr. Willy Meyer, Nürnberg: Die Juden im mittelalterlichen Spanien. Geschichte ihrer Kultur und Literatur. Jeden Dienstag 8.15 bis 9.30 Uhr im Saal der Gemeindekollegien, Herzog-Max-Straße 7/0. Beginn am 8. März 1927. Eintrittspreis: M. 2.50 für den Kurs, Jugendliche die Hälfte. 1. Abend, 8. März 1927: Schicksale der spanischen Juden bis zur Glanzzeit. Samuel ha’Nagid. 2. Abend, 15. März: Ibn Gabriol. 3. Abend, 22. März: Jehuda ha’Levi.