Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 53 (31.12.1926)
- Date
- 1926-12-31
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 55_ 31. Dezember 13. Jahrgang Redaktionsschlufi für die nächste Nummer: Dienstag abend Die Entgiftung des innerjüdischen Kampfes Es ist eine leicht feststellbare Tatsache, daß der innerjüdische Kampf in der letzten Zeit unerwünschte Formen angenommen hat. An Stelle sachlicher Auseinandersetzungen und leidenschaftsloser Kritik gegnerischer Anschauungen werden oft Methoden angewandt, welche die Grenzen der Objektivität und der Mäßigung verlassen und geeignet sind, das Ansehen des Judentums in der Umwelt aufs schwerste zu gefährden. Es ist also sehr zu begrüßen, wenn gerade jetzt Stimmen laut werden, diesem unerquicklichen Zustand ein Ende zu machen und eine Entgiftung der Atmosphäre anzubahnen. So hat sich der C.-V. dazu entschlossen, den Versuch zu machen, durch eine Aussprache in seinem Blatte den Weg der Verständigung zu beschreiten. Diesen Anfang können wir aus vollstem Herzen begrüßen. Gerade wir hatten uns so oft gegen die wenig vornehmen Methoden unserer Gegner zu wehren, wie es ja z. B. die letzten Vorkommnisse in der Affäre Badt-Sonnenfeld beweisen und wissen den Wert sachlicher, jeder persönlichen Gehässigkeit baren Auseinandersetzungen wohl zu schätzen. Auch wir sehen kein Hindernis, unter Wahrung unserer grundsätzlichen Einstellung, mit Andersdenkenden in Dingen, die ein gemeinsames Arbeiten ermöglichen, zusammenzugehen. Wir billigen also durchaus den Standpunkt des Herrn Heinrich Stern, wie er ihn in seinem Aufsatz „Liberales Judentum im Spiegel der Gegner“ präzisiert hat, daß „die scharfe, aber ohne Haß erfolgte Formulierung der gegensätzlichen Wegrichtung einerseits und die Mitarbeit auf großen Wegstrecken zum gleichen Ziele“ wohl möglich und wünschenswert ist. Eine deutliche und klare Hervorhebung des Trennenden und eine leidenschaftslose Kritik der gegensätzlichen Anschauungen kann unserer Meinung nach der erstrebten Befriedung des deutschen Judentums keine Hindernisse bereiten und ein Zusammenarbeiten auf gemeinsamer Plattform gut möglich machen. Als das wesentlichste Moment in der Gegensätzlichkeit zwischen dem Zionismus und seinen Gegnern muß das Verhältnis zum Palästinaaufbau betrachtet werden. Wie wir an einem Beispiel beweisen wollen, läßt sich auch hier das Trennende auf eine prinzipielle Frage reduzieren. Herr Dr. Ludwig Holländer bespricht in der letzten Nummer des C.-V.-Blattes das Palästina-Problem wie folgt: „Wer die Religion und die religiöse Entwicklung als das Entscheidende ansieht, wird mit dem Gefühl inniger Liebe zu Palästina, das jeder besitzt, der vom Judentum etwas weiß, eine Siedlung in Palästina wünschen und fördern unter Zugrundelegung nüchterner, volkswirtschaftlicher Gesichtspunkte. Für ihn wird der Volkswirt entscheiden: Ist eine solche Siedlung möglich, zweckmäßig, bald Erfolg versprechend? Er wird das Palästinaprojekt jedem anderen Projekt vorziehen, wenn zwischen den Möglichkeiten des Gelingens ein nicht allzu großer Abstand vorliegt; aber das Entscheidende für ihn wird die große Frage der Unterbringungsmöglichkeit und der segensreichen Zukunft einer möglichst großen Masse von Juden sein. Dieser Gesichtspunkt kann für den anders gesinnten Juden nicht maßgebend sein. Nach seiner Überzeugung erfordert der Erhaltungswunsch des jüdischen Gesamtkomplexes die Erhaltung und den Ausbau der im Laufe der Jahrhunderte angeblich niemals verlorenen nationalen Grundlage, das heißt derjenigen Grundlage, auf der das körperlich und geistig als spezifisch jüdisch erkannte, im wesentlichen außerreligiöse Gut erhalten und nach den Gesichtspunkten der heutigen Wissenschaft vermehrt werden kann.... Wenn man uns darum fragt: „Seid Ihr gegen Palästina?“, so werden wir diese Frage niemals bejahen können. Auch wir sind für Palästina. Aber wir halten die Art der Besiedlung, wie sie beabsichtigt und zum Teil schon vorgenommen wird, deswegen für unrichtig und sehr bedenklich, weil sie von politischen und kulturellen Gesichtspunkten getragen wird, die für eine solche Kolonisation beinahe gefährlich sind. Wenn wir sagen, politische Gesichtspunkte, so meinen wir eine Art bewußter Konzentration des Gesamtinteresses der Juden in der Welt nur auf Palästina. Und wenn wir von kulturellen Dingen sprechen, so meinen wir, daß es überflüssig ist, ein Kulturzentrum in Palästina zu schaffen. Vor einer unpolitischen, auf rein kolonisatorisch-wirtschaftlicher Grundlage beruhenden Arbeit für Palästina zu warnen, hat der C.-V. nicht im mindesten Anlaß.“ Nun, wir sind in dieser Hinsicht anderer Meinung. Wir glauben nicht, daß sich der Aufbau Palästinas auf rein wirtschaftlich-philantropischer Grundlage vollziehen läßt. Ohne den gewaltigen Hebel des nationalen Idealismus, ohne den Willen, eine neue, auf normalen Grundlagen aufgebaute Konzentrationsstätte für das jüdische Volk, nicht für x-Tausende armer Juden, ist die Siedlung in Palästina auch wirtschaftlich eine Unmöglichkeit. Palästina ist uns die notwendige materielle Grundlage für die Wiederbelebung des Judentums als Kulturnation mit der ihm gebührenden Stelle in der Gemeinschaft der Nationen. Wir glauben, daß nur auf diesem Wege — also durch nationale Konzentration — das Unnatürliche des Judendaseins, welches allen Völkern mehr oder weniger instinktiv bewußt ist, aus der Welt geschafft wird. Wir glauben, daß die Judenfrage dadurch ein anderes Gesicht bekommt und im wesentlichen gelöst wird und nicht durch die an und für sich nützlichen, doch palliativen Methoden des C.-V. Mit einer Ansiedlung von Juden allein — und mögen es viele Tausende sein — ist uns nicht gedient, wenn sie nicht die Möglichkeit gibt, durch wirtschaftliche und kulturelle