Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 41 (8.10.1926)
- Date
- 1926-10-08
- Page
- Seite 656 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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656 Das Jüdische Echo / Sport-Echo Nr. 41 Kugelstoßen (71/2 kg): 1. Goldstern II (Kadimah) 8,86, 2. Gidalewitsch I (Kadimah) 8,42, 3. Granat (B.-K.) 7,71. Jugend-Jahr g. 19 10/11. 100-m-Lauf: 1. Blau (B.-K.) 13,2, 2. Gern (J. J. W. B.) 13,4, 3. Finkei (B.-K.) 13,7. 4XlOO-m-Staffel: 1. Bar-Kochba 57,2, 2. Kadimah 12 m zurück, 3. J. J. W. B. weitere 15 m zurück. Weitsprung: Engelberg (J. J. W. B.) 4,10, 2. Finkei (B.-K.) 4,06, 3. Koschland (Kadimah) 4,03. Jugend - Jahrg. 1912 und jünger. 5 0m-Lauf : 1. Nossen 7,3, 2. Goldschmidt 7,5, 3. Eßlinger, Handbreite zurück, sämtliche Kadimah. 4X50-m-Staffel: 1. Kadimah I, 2. Kadimah III, 3. Kadimah II. Schlagball weitwurf: 1. Weißmann (Kadimah) 48,00, 2. Guggenheim (B.-K.) 45,40, 3. Herlinger (Ludwigs-Realschule) 43,40. Mädchen. 50-m-Lauf: 1. Rosl Schallter 7,8, 2. D. Diamand 8,0, 3. Berta Schallter 8,2, sämtliche Bar-Kochba. 4X100-m-Staffel: 1. Bar-Kochba I 60,2, 2. Bar-Kochba II 60,5. Schlagballweitwurf: 1. Diamand 30,00, 2. Rosl Schallter 23,70, 3. Fanny Lieter 22,10, sämtliche Bar-Kochba. Handball: Bar-Kochba—Kadimah 3:1 (3:0). Der Äntisemitismus im amerikanischen Sportleben (Aus dem Amerikanischen) Verfasser dieses Aufsatzes war mehrere Jahre hindurch einer der hervorragendsten Athleten, die die amerikanischen Hochschulen jemals gehabt haben. Er lehnt es ab, seinen Namen zu nennen. Wir sprachen selten über jüdische Dinge. Ich muß gestehen, daß ich wenig vom Wesen des Judentums und seinen Prinzipien weiß, ebenso von allen Ereignissen in der Welt, die die Juden als solche angehen. Doch aus einem Grunde schon habe ich mit meinem Freunde niemals über jüdische Angelegenheiten diskutiert, — er war nämlich ein Christ. Gar manches verband uns. Zusammen hörten wir Vorlesungen. Gemeinsam hatten wir unsere Diplome errungen für Erfolge in den wissenschaftlichen Disziplinen. Stets machten wir gemeinsam Ausflüge und Wanderungen. Doch vermieden wir absichtlich das Problem „Judentum“ zu berühren. Die Gründe für das Stillschweigen meines Freundes waren mir nicht bekannt. Er selbst wußte natürlich, daß ich jüdischer Abstammung war. Es wird nun allgemein auch in christlichen Kreisen gesagt: „Wir haben nichts gegen die Juden“, ja mancher sagt soigar: „Ich habe! unter den Juden meine besten Freunde.“ Ich konnte auch eine Zeitlang sagen: „Ich hege die größte Hochachtung für Christen. Sie haben stets größte Toleranz geübt.“ — Doch als ich der Wirklichkeit ins Auge schaute, wie sie sich auch auf vielen anderen von Juden besuchten Hochschulen zeigte, da verstand .ich, daß die Beziehung zwischen Juden und Christen doch eine recht oberflächliche war. Das notwendige Vertrauensverhältnis zwischen zwei Glaubensgemeinschaften geht niemals so recht in die Tiefe, sondern berührt nur die Peripherie, nicht die letzte Konsequenz fordernden Dinge, sondern solche von untergeordneter Bedeutung. — Während meines ersten Studienjahres bin ich öfters aus verschiedenen Mannschaften ausgetreten. Manchmal hatte ich den Eindruck, daß viele Leute, die verdienten in der Mannschaft aufgestellt zu werden, unberücksichtigt blieben und benachteiligt wurden. Es waren in der Tat Juden, in die man nicht genügendes Vertrauen setzte. Niemals versuchte ich die Begriffe „Judentum und Boykott“ untereinander zu verknüpfen, vielmehr dachte ich, daß es sich bei den Zurücksetzungen nur um eine falsche Beurteilung der Spieler bei der Auswahl handelte. Doch nachdem ich gesehen hatte, daß der Boykott zu sehr überhandnahm, gewann ich den Eindruck, daß es sich um einen solchen handelte. Diese Tatsache war es, die meine Eltern so oft als Antisemitismus bezeichneten. Doch war ich mir dessen nicht ganz sicher und wollte jedenfalls darüber nicht sprechen. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß der Kapitän der Mannschaft, ein sonst prachtvoller, redlicher Bursche, dem man eine gute Erziehung anmerkte, die beschränkten antisemitischen Vorurteile haben könnte. Unter meinen Wandergenossen befanden sich einige Juden, und von ihnen hörte ich oft Äußerungen über „Rischus der anderen“ und Zurücksetzung. Allerdings klagten auch nichtjüdische Sportleute über Benachteiligung, Entlassung aus den Mannschaften und ungerechte Behandlung, ohne zu bedenken, daß daran in der Tat ihre geringen spielerischen Fähigkeiten Schuld trugen. Im zweiten Jahre meines Studiums kristallisierten sich allmählich meine Ansichten über Juden und die Haltung der Nichtjuden zu einer bestimmten Form. Es war mir gelungen, einen Platz in der Rudermannschaft zu erobern. Für einen Hochschüler im zweiten Studienjahr etwas Ungewöhnliches. Auch ein zweiter Stammesbruder gehörte der Mannschaft an. Zwei Juden in einer Mannschaft. — diese Tatsache wurde lebhaft diskutiert unter den jungen Leuten, die witzig bemerkten, daß der Kapitän der Mannschaft offenbar zum Judentum bekehrt worden oder daß irgend etwas ähnliches mit. ihm geschehen sei, sonst würde er zwei Juden nicht zugelassen haben, eine Tatsache, die in meinen Augen als äußerstes Entgegenkommen erschien. Während einer unserer Wettfahrten wurde einer meiner jüdischen Sportbrüder, den ich „Stern“ nennen will, der Ängstlichkeit und Feigheit beschuldigt. Als wir nach dem Rennen ins Bootshaus zurückkehrten, schrie unser Kapitän Stern an: „Du verdammter Judenjunge, du behauptest, die Ruderriemen führen und handhaben zu können?“ — Nach diesen Worten verlor ich jede Achtung vor diesem eigenartigen Mannschaftsführer. Alles war vergessen worden. Dieser Kapitän war bekannt dafür, daß er auf grobe und ungeschlachte Art seinen Leuten Vorschriften erteilte. Doch ein Wort wie „verdammter Judenjunge“ hatte man zuvor nie gehört. Ich selbst war völlig niedergeschlagen und dachte lange nicht an die Konsequenzen, die aus dieser hohnvollen Beschuldigung zu ziehen seien. Stern wurde kreideweiß und erwiderte kein Wort. Er ging nach Hause und kehrte ins Nachtquartier zurück. Niemals hat er wieder an Sportkämpfen der Universität teilgenommen. Als wir nachts den Vorfall besprachen und ich ihn fragte, warum er dem Kapitän nicht geantwortet hätte, sagte er betrübt: „Wozu?“ Nichts sagte ich, ich konnte nicht länger der Mannschaft angehören und half mir auf andere Weise.