Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 18 (30.4.1926)
- Date
- 1926-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 18 30. April 15. Jahrgang Was will die Ijar-Aktion Ein Wort an unsere Nichtzionisten! Mas man sich als Jude zur zionistischen Bewegung auch bisher ablehnend verhalten haben, so wird man doch zugeben müssen, daß diese Bewegung in der jüdischen Gegenwart neben den Überlieferungen der jüdischen Religion das stärkste Bindemittel der zeitgenössischen Judenheit darstellt. Darum verdient die von der Exekutive der Zionistischen Organisation angeordnete Aktion zur Propaganda der zionistischen Anschauungen unter den Juden aller Länder gebührende Aufmerksamkeit in der jüdischen öffentlichen Meinung. Und zwar nicht nur darum, weil die Zionisten einen verstärkten Feldzug zur Eroberung der Geister proklamiert haben, sondern vielmehr darum, weil sie vor der jüdischen Öffentlichkeit, an die sie sich in zahlreichen Versammlungen und in verschiedensten Veranstaltungen wenden, zwecks Gewinnung neuer Anhänger und Bestärkung der alten in ihrer zionistischen Gesinnung werden dartun müssen, ob sie sich im Laufe der letzten dreißig Jahre bewährt, ob sie auch das gehalten haben, was sie versprochen, ob die zionistische Analyse der Judenfrage durch die Ereignisse als richtig erwiesen wurde und schließlich — als wichtigstes — ob die von den Zionisten vorgeschlagene und in Anwendung gebrachte Heilmethode sich als mit Erfolg wirksam gezeigt hat. Zu dieser Rechnungslegung sind die Zionisten verpflichtet, auch wenn zugegeben werden muß, daß große Teile der Judenheit den Zionisten in den abgelaufenen drei Jahrzehnten nicht nur nicht geholfen, sondern ihnen gegnerisch gegenübergestanden haben und also nicht das Recht besitzen, Rechenschaft von den Zionisten über deren zionistisches Tun zu verlangen. Hat aber ein ungeheurer Teil des jüdischen Volkes nicht das Recht, die Vorlegung einer Bilanz zu verlangen, so folgt daraus noch lange nicht, daß die Zionisten keine Pflicht hätten, diesen Rechnungsabschluß der jüdischen Öffentlichkeit zu unterbreiten. Diese Pflicht obliegt ihnen vielmehr in starkem Maße. Haben sie auch nicht die Unterstützung und den Auftrag des gesamten jüdischen Volkes gehabt, so haben sie doch durch ihre Handlungen und Unterlassungen das ganze jüdische Volk entlastet oder verpflichtet. Und darum müssen sie dartun, und nicht nur jetzt, sondern immer wieder, daß ihre Bemühungen segensreich und von Erfolg begleitet waren. Ausdrücklich von Erfolg! Der Nachweis guter Absichten und ehrlichen Willens wäre nicht genügend. Guten, besten Willen haben auch die jüdischen Assimilanten und insbesondere viele jüdische Philanthropen gehabt — das Ergebnis ihres Tuns aber ist für die Judenheit entweder Entartung, wie bei den Assimilanten, oder ziemliche Belanglosigkeit, wie bei den Philanthropen, gewesen. Die Zionisten haben somit zu beweisen, ob sich ihre Theorien und ihre Bemühungen bewährt haben und ob, wofern Schwierigkeiten und Mißerfolge in ihrem Werke festzustellen sind, diese Schwierigkeiten behoben und die Mißerfolge durch Erfolge wettgemacht werden können. Das Kernstück der zionistischen Beweispflicht liegt aber darin, durch Darlegung der bisherigen Erfolge zu zeigen, daß der Zionismus Mögliches und Durchführbares verlangt. Das muß nach dreißigjähriger Arbeit und nach acht Jahren Rechtsgarantien auf Grund der Balfourdeklaration zweifellos festzustellen sein. Gelingt dieser Beweis, so rücken etwa vorhandene Schwierigkeiten in der Bewertung für das zionistische Gesamtwerk auf den zweiten Plan, und kein Einsichtiger wird diese Schwierigkeiten im Galuth und in Palästina als dermaßen ausschlaggebend betrachten können, daß sie zum Range von unabänderlichen, die Durchführung des Gesamtwerkes absolut behindernden Tatsachen emporrücken. Ist das Werk in seinen Fundamenten sicher begründet, dann wird die Mithilfe der gesamten Judenheit und die Überwindung der Schwierigkeiten in Palästina immer mehr in Erscheinung treten. Um das Kernstück der Beweisführung, die Möglichkeit der Verwirklichung des Zionismus, als unbestreitbar zu erhärten, muß man auf vier Fragen eine zureichende Antwort geben können. Diese vier Fragen sind: Liegt die zionistische Lösung der Judenfrage im Interesse der bestimmenden Mächte der Welt? Besteht für das in der ganzen Welt moralisch und in sehr vielen Ländern materiell leidende jüdische Volk zur Erhaltung seiner Art die Notwendigkeit. der zionistischen Lösung? Verfügt das jüdische Volk im gegenwärtigen Zeitpunkt der allgemein-menschlichen und seiner eigenen Entwicklung über genügend moralische Energie und materielle Mittel, um die Verwirklichung des Zionismus wirksam zu fördern und die Fundamente dieser Verwirklichung zu legen? Sind in Erez Israel ungeachtet bestehender zeitgebundener wirtschaftlicher und politischer Schwierigkeiten prinzipiell die Bedingungen für die Schaffung eines jüdischen Nationalheims gegeben? Wenn diese vier Fragen befriedigend beantwortet werden können, dann ist tatsächlich der Zionismus stichhaltig und zureichend begründet und erwiesen, daß seine Grundlagen durch die Geschehnisse und Entwicklung der letzten Jahrzehnte nicht erschüttert wurden. Ist das aber der Fall, dann besagen die E i n w ä n d e , die in letzter Zeit insbesondere von zwei extremen Richtungen im Judentum gegen den Zionismus und den Palästinaaufbau gemacht wurden, nicht viel. Diese zwei extremen Anschauungen sind die radikale Assimilation und ein von kommunistischen Gedankengängen beeinflußtes oder schlechtweg parteibolschewistisches jüdisches Literatentum.