Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- 11 (12.3.1926)
- Date
- 1926-03-12
- Page
- Seite 177 [175] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 177 Gemeinden-u. Vereins-Echo Das Originalbildnis von Herrn Rabbiner Dr. Ehr entreu, von der Hand des Kunstmalers Herrn Hermann Segal, ist in der Gemeindebibliothek an den Abendvorlesungen des Herrn Dr. Raphael Levy (Samstag) und des Herrn Rabbiner Dr. Elk (Mittwoch) zu sehen. Jüdischer Jugendverein Mbuchen. Wir billen die Anzeige unserer P u r i m f e i e r im Inseratenteil des heutigen „Echos“ zu beachten. Montag, den 15. März, 81/4 Uhr, beginnen die „L e s e a b e n d e“ im Restaurant „Ceres“ unter Leitung des Herrn W. Cahnmann, der eine Einführung in die „Abende“ den Teilnehmern geben wird, und dann mit Tolstois „Und das Licht scheint in der Finsternis“, zu lesen anfängt. Die Abende sind bis auf weiteres jeden Montag. Herr Rabbiner Dr. E 1 k hält weiterhin jeden Donnerstag seine Vorlesungen über die „G e s c h i c h l e des jüdischen Volk e s“. Donnerstag, den 18. März 2. m u s i k a 1 i s c h e U n t e r li a 11 u n g (Leitung: Dr. Waldner) nach der „Geschichte“. Gäste jederzeit willkommen. Die Vorslandschaft. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez, München. Samstag, den UL März 1926, abends 1/29 Uhr, veranstalten wir im Nebenzimmer des Kolosseums (Alldeutsches Zimmer), Eingang Kolosseum, Ecke Jahnstraße, eine interne Purimfeier mit Vorträgen in ungezwungener Reihenfolge. Gäste sind herzlich willkommen. Die Vorslandschaft. Hechaluz. Samstag, den 13. März, fällt die Mitgliederversammlung aus, weil die näheren Informationen über die Wahl noch nicht eingetroffen sind. i. A.: Erich D e u t s c h. Matinee des Herrn E. L. Franken (Nürnberg). Am Sonntag, dem 14. März vormittags, im Intimen Theater liest Herr E. L. Franken, der Oberspielleiter des Intimen Theaters aus Werken jüdischer Dichter wie Heine, Morries Rosenfeld, Schalom Asch und anderen. Herr Franken, der bereits hier in Nürnberg auf einem Fest des „Verbandes Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina“ sowie auf dem Purimball der Zionistischen Ortsgruppe mitgewirkt und allseitig großen Reifall gefunden hat, bürgt für ein Erhatic & Wille Herren- und Damenschneiderei MÜNCHEN , Marienplatz 18/1 Telephon 23829 ausgewählt gutes Programm und ebensolchen Vortrag. Wir können unseren Freunden die Veranstaltung wärmstem empfehlen. Purimfeier der jüdischen Volksschule. Am vergangenen Sonntag nachmittags veranstaltete die jüdische Volksschule eine Purimfeier ihrer Kleinen für die Kleinen — und Großen. Daß die letzteren so zahlreich erschienen, daß der Saal des Kunstgewerbehauses sie kaum fassen konnte, ist ein Beweis für das Interesse, das der jüdischen Volksschule und ihrer Leitung von allen Seiten entgegengebracht wird. Und die gekommenen waren, batten es nicht zu bereuen; sie verlebten einen schönen Nachmittag mit ihren Kinderchen. Was die Schüler und Schülerinnen von der ersten bis zur vierten Klasse „künstlerisch“ leisteten, das soll nicht im einzelnen besprechen werden; alle gaben sie ihr Bestes; allen merkte man die fleißige Vorbereitung an, ob sie nun Theater spielten, sangen, Gedichte vortrugen, turnten oder tanzten. Erstaunlich war, wie viel einzelne Kinder auswendig gelernt halten. Allein was mir viel wichtiger erscheint als das Können der Kinder, das war die Liebe und Begeisterung für ihre jüdische Schule und für ihre Lehrer, die sich in den Augen der Kleinen widerspiegelte. Daß die Kinder neben ihrem Schulunterricht — und daß dort fest und erfolgreich gearbeitet wird, ist beute bereits allen zur Genüge bekannt — noch mit solchem Eifer und solcher Freude weitere Lernarbeit auf sich nahmen, um ihre eigene Purimfeier zu veranstalten, das zeigt besser als alles andere, wie wohl sich die Kinder unter der Obhut der beiden Lehrer fühlen und wieviel Liebe und Interesse diese ihren Schützlingen auch außerhalb der vorgeschriebenen Schulstunden enlgegenbringen. Wenn die beiden Lehrer für ihre Schule durch die Tat Propaganda machen wollen — die Leistungen ihrer Schule im Unterricht sind ohnehin eine solche —, dann war dieser Nachmittag auch ein Teil davon und nicht der schlechteste; es sollte mich wundern, wenn sie damit nicht ein paar neue Anhänger gewonnen hätten. Und noch eins! Wie die Kinder in der jüdischen Volksschule zu positivem Judentum erzogen werden, das konnte man besonders zwei Darbietungen entnehmen. Ein kleines Gedicht — „Ich bin ein Jude“ — zeigte, wie die Kleinen dazu erzogen werden, den Namen „Jude“ als einen Ehrennamen zu empfinden, stolz auf ihr Judentum zu sein und damit die seelische Basis zu gewinnen, auf der sie gegenüber allen Angriffen und Anfeindungen der Umwelt fest und sicher stehen und mit Recht sagen können: „Jung Israel läßt sich nicht unterkriegen!“ Dagegen waren die Schabbosbilder ein Musterbeispiel dafür, wie den Kindern in der jüdischen Volksschule der Schabbos und die Festtage nicht nur im Lernen, sondern auch gefühlsmäßig nabegebracht werden, wie sich ihnen der Begriff unserer Religion mit einem auch für Kinderherzen erfaßbaren Inhalt erfüllt und wie dadurch den Kindern das anerzogen wird, was wir die „Simehoh schel mizwoh“ nennen. Glückliche Kinder, die in einer solchen Anstalt ihre Schulpflicht wahrlich nicht als lästige Pflicht empfinden können, und glückliche Gemeinde, die solche Lehrer gefunden hat, wie München in Herrn Kissinger und Herrn Adler. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß die Gäste sich glänzend unterhielten und den kleinen Künstlern und Künstlerinnen ebenso wie ihren Lehrern reichen, doch wohlverdienten Beifall spendeten. D. F. S.