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Das jüdische Echo · 1926-01-29 · 5 (29.1.1926) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
13 (1926)
Issue
5 (29.1.1926)
Date
1926-01-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 5_ 29. Januar 13, Jahrgang Realistische Betrachtungen Die „Frankfurter Zeilung“ hat vor kurzem Reiseberichte' „Vom neuen Palästina“ gebracht, die sich mit dem augenblicklichen Stand des Kolonisierungswerks befaßt haben, und läßt diesen nun in ihrem Abendblatt, vom 21. d. M. ihr eigenes Urteil folgen. Sie sieht es als r e a 1 i s t i s e h e B e t r a c h t u n g des Zionismus an, wenn sie von der Tatsache ausgehl, die den Grund zum Nationalheim der Juden gelegt hat, von der Balfour-Deklaration, und dabei erklärt, hier könne alle menschliche Teilnahme für die moralische Krafläußerung der Pioniere darüber nicht hinweghelfen, daß die ganze Mandatsangefegenheil politisch nichts weniger als einwandfrei sei; daß sie einen Ursprung habe, der von Gesichtspunkten der Anständigkeit so weif entfernt sei, daß eine üble Komödie daraus geworden ist. Dieser Vorwurf wird damit begründet, daß England weder der Araber noch der Juden wegen Mandatar ist, sondern nur im Dienst seiner eigenen westasiatischen Politik. Es ist dem Zionisten schwer, einem solchen Gedankengang zu folgen, der ihn vom Kernziel seiner Aufgabe irgendwie moralisierend abirren ließe, einer Aufgabe, die nichts vor Augen haben darf als dieses, eben den ,,A u f b a u“. Daß die „Frankfurter Zeilung“ von den Rechten der Araber spricht; davon, daß sie das Land seit 1300 Jahren besäßen, also viel länger, als die Juden ein eigenes staatliches Dasein geführt hätten, gehl zwar nicht von der Voraussetzung aus, es sei zionistische Absicht, die Araber zu verdrängen und deren Rechte mit Füßen zu treten, da dann erwähnt wird, die Zionisten bemühen sich, sich die Araber zu Freunden zu machen, — realistische Betrachtung des Zionismus aber und der durch ihn und neben ihm geschaffenen Tatsachen ist es nicht. Eine realistische Betrachtung der Lage, in der sich Palästina, innerhalb der Welt des nahen Ostens befindet, das ruhige, arbeitende Palästina innerhalb einer von Krieg und Kriegsgefahr erfüllten Atmosphäre, eine solche Betrachtung muß den Dingen ins Auge sehen, und das — ohne Optimismus, aber auch ohne Pessimismus. Man weiß, daß das jüdische Palästina ohne England unmöglich ist; daß die arabische Gegnerschaft stark und mächtig ist; bat aber auch schon gelernt, deren wirkliches Maß zu übersehen. Man identifiziert nicht mehr die gestaltlose Masse der heule Arabisch -sprechenden Menschheit mit einem einheitlichen Gebilde, gegen dessen politische Ziele wir unser Werk durchsetzen müßten. Man hört die Gerüchte, die in Beirut, Damaskus und Kairo umgehen und von einer gemeinsamen Empörung aller Araber gegen England und Frankreich flüstern, nimmt sie aber nicht mehr ernst. Liest man die Schriften, die das „Zentralkomitee für die Befreiung Nordafrikas“ und das „Komitee für die Befreiung Syriens“, die beide in Kairo sitzen, herausgeben, erkennt man, daß Phantasten sprechen, wenn es heißt, die Stunde der Befreiung Nordafrikas und Arabiens vom Joch der französischen, englischen und italienischen Unterdrücker stehe bevor; die Syrier würden dem Beispiel der Riffleute, der Türken und Chinesen folgen und die fremden Völker, die sie versklaven, vertreiben; man helfe dem Aufstand der Drusen, verbrüdere sich mit den französischen Soldaten, die fast alle Mohammedaner sind, und gewinne sie für die eigene Sache! Es ist leeres Pathos, Bewegungen in Marokko, China und Indien, der Türkei und im Dschebel als etwas Einheitliches, parallel Gerichtetes hinzustellen; es ist Phantasterei, eine Organisation für möglich zu halten, die die vielen Rassen und Klassen, die zwischen den Säulen des Herkules und dem persischen Golt arabische Dialekte sprechen, aus geistigem Hindämmern und gegenseitiger Feindschaft an eine gemeinsame b ront führen könnte, die dem gemeinsamen Sprachbewußtsein entspräche. Klar ist natürlich, daß es die gemeinsame Schriftsprache — bei denen, die lesen können! — mit sich bringt, daß der Widerhall der Kämpfe in Syrien und in Marokko weithin vernommen wird, in Mossul, im Irak und in Palästina. Dessenungeachtet haben wir hier, in Erez Jisrael, doch nur den begrenzten Kreis der palästinischen Araber vor uns und nicht in ihm die Vorhut eines erdichteten Allarabertums. Und diese palästinischen Araber stehen uns heute schon ganz anders gegenüber als noch vor fünf, sechs Jahren. Agitatoren hatten sie aufgepeitschl, jüdische Kolonisten würden die Dörfer überfallen; eines Tages würden rausende und aber Tausende Juden landen, Grund und Boden besetzen und die Moscheen in Synagogen verwandeln. Es geschah aber nichts; keine Überfälle fanden statt; nicht die Landung, die man fürchtete; und die Moscheen blieben Moscheen — unter der Aufsicht einer mohammedanischen Körperschaft, die eigens eingesetzt wurde, um in Trümmer gegangene aufzubauen und vernachlässigte wieder inslandzuselzen Die englische Verwaltung unter Herbert Samuel hat: größtes Vertrauen erworben. Über zweihundert; Dörfer erhielten neue Schulen; Straßen wurden gebaut, die Wasserversorgung verbessert, Räuber unterdrückt, alte Blutfehden geschlichtet; Pensionen* die Araber unter der türkischen Herrschaft bezogen hatten, wurden weiter ausbezahlt. Nichts trat ein, was zu Angst und Alarm berechtigt hätte, — Palästina ist zur friedlichen Insel geworden, vielleicht zur einzigen des ganzen Orients; jedenfalls zur einzigen unter allen Mandatsländern, dessen Budget einen Überschuß aufweist, einen Überschuß von einer Million Pfund Sterling. Die Juden arbeiten eben, bauen und lassen Land registrieren, unablässig und unbeirrt. Was den letzten Teil der Ausführungen der „Frankfurter Zeitung“ angeht, der sich ideologischen Problemen des Zionismus nähert und die Frage ausspriehl, ob der Jude, wenn Palästina schlechthin die nationale Heimstätte der Juden sei, zwei Vaterländer haben; ob er z. B. gleichzeitig Deutscher und Asiate sein könne, so ist dazu zu sagen, daß dazu nichts zu sggen ist. Es ist nur merkwürdig, daß sich ein so ernstes Blatt wie die „Frankfurter Zeitung“ heute noch nicht entschließen kann, Begriffe wie Staatsangehörigkeit, Kullurgemeinschafl und Bekenntnis zum eigenen nationalen Schicksal zu unterscheiden. J.

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