Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1925-12-22 · 52 (22.12.1925) · p. Seite 965

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
52 (22.12.1925)
Date
1925-12-22
Page
Seite 965 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103075-9156106--07364-9080092
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 52 Das Jüdische Echo 965 Ein jüdisches Erziehungsproblem Der Versuch, eine jüdische Grundschule in Deutschland einzuführen, begegnet Bedenken1. Die Mehrzahl der jüdischen Kinder wird nach der Grundschule weitere Schulbildung in Anspruch nehmen. Die Frage entsteht sofort, wie sich die jüdische Grundschule der allgemeinen deutschen Mittelschule anfügen soll. Soll das, was bisher im Mittelpunkt stand, nun ganz zurücktreten? Soll also die in vier Jahren verwandte Arbeit keine Fortsetzung finden? Anderseits ist der Ausbau des jüdischen Schulwesens, die Ergänzung der Grundschule durch die Mittelschule und das Gymnasium, gleichfalls kaum durchführbar. Erstens aus finanziellen Gründen, weil der Staat ja nicht, wie bei der Grundschule, verpflichtet ist, die Mittel zur Verfügung zu stellen, dann aber, weil man sich darüber klar sein muh, daß die Absonderung der jüdischen Schüler während der ganzen Schulzeit sehr schwere Folgen haben muß. Es bedeutet praktisch die Ausschließung von aller näheren Berührung gerade während der Jahre größter Eindrucksfähigkeit, die Aufrichtung eines künstlichen Ghettos. Ein anderer Weg, um die berechtigten Interessen der jüdischen Gemeinschaft wahrzunehmen, scheint mir gangbar. Der bisher ziemlich färb- und erfolglose Religionsunterricht ist in jeder Hinsicht zu vertiefen und zu erweitern. Er ist zu einem für alle jüdischen Schüler verbindlichen und mit den Rechten eines Hauptfachs ausgestatteten Fach — Jüdischkunde — auszugestallen. Die jüdische Schule in Erez Israel; die allgemeine Schule m i t dem H a u p t a c h J ü dis c h k u n d e für die jüdischen Schüler in Deutschland. Für ein solches Fach aber bedarf es einer Aufbereitung des spröden Stoffes. Denn mit der Kenntnis der jüdischen Vergangenheit und namentlich mit ihrer geeigneten Darstellung ist es schlecht bestellt. Darum ist erstes Erfordernis, daß ein allen wissenschaftlichen und pädagogischen Ansprüchen genügendes Schulbuch zur Jüdischkunde verfaßt werde. Das Buch muß den gleichen Stoff für mehrere Stufen, mindestens aber für eine Ober- und Unterstufe darstellen. Für die Oberstufe ist unbeschadet der wissenschaftlichen Freiheit des Autors eine soziologische Betrachtung zu betonen. Durchaus zu vermeiden ist der herkömmliche Stil von Wundergeschieh len. Das Leben der Gemeinden, etwa des deutschen Mittel¬ 1 Es wird anerkannt, daß besondere lokale Bedingungen zeitweise eine solche Lösung rechtfertigen können. alters, ist in seiner wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Struktur zu erfassen. Darzustellen sind das jüdische Schrifttum und seine Beeinflussung durch die Geistesströmungen des christlichen Mittelalters, der Renaissance, der Aufklärung. Es wäre dem Problem nachzugehen, ob es so etwas wie einen spezifisch jüdisch-nationalen Geist gibt, und ob er schon in Zeiten, wo der Rationalismus in der übrigen Kultur noch fehlt, z. B. im Mittelalter, nachweisbar ist2. Die bekannten Untersuchungen von Sombart über die Juden und den Kapitalismus, ferner die religionssoziologischen Untersuchungen von Max Weber müßten vom Autor souverän herangezogen werden. Heranzuziehen sind die jüdischen Volkskunde, die jüdischen Altertümer, die Synagogenarchitekturen, die jüdische Kleinkunst, die Buchkunst. Das alles ist in gut gewählten Abbildungen darzustellen. Dieses Material ist in schwer zugänglichen Publikationen verstreut. Unbeschadet der Würdigung alles Wichtigen sind die Beziehungen zum deutschen Geist besonders ausführlich darzuslellen, denn diese Beziehungen erstrecken sich über den längsten Zeitraum der jüdischen Geschichte und haben zweifellos am stärksten formend gewirkt. Sonst aber sollte dieses Buch dem jüdisch-kundlichen Unterricht so gut in Deutschland wie in Palästina zugrunde gelegt werden können. Daß der Jüdischkunde-Unterricht an der Hand eines solchen Werks den Rahmen der allgemeinen Schule und ihres geschichtlichen Unterrichts sprengt, ist nicht zu befürchten. Im Gegenteil! Von der Berührung mit einer bisher unbekannten Welt ist für alle Teile Förderung zu erwarten; auch uns selbst, die wir nicht mühselige Spezialstudien treiben konnten, ist ja die Jüdischkunde so gut wie unbekannt. Wie sollten wir sie der Jugend übermitteln können! Interessiert an der Schaffung eines solchen Buches sind Zionisten wie Orthodoxe, Liberale und nalionaldeutsch gesinnte Juden, kurz, alle jüdischen Parteien, die sich überhaupt zum Judentum bekennen und sich in dem Wunsche begegnen, daß der jüdischen Jugend und nicht nur dieser die Geschichte des Judentums vertraut werde. Es ist eine Ehrenpflicht aller Parteien und Gemeindeverwaltungen, zur Herausgabe eines solchen Werkes ein Preisausschreiben reichlich zu dotieren. Für den 1., 2. und 3. Preis wären etwa 6000 Mark erforderlich (3000.—, 2000.— und 1000.— Mark). Dr. Wladimir Eliasberg. 2 Popper-Lynkens läßt im Tischgespräch bei Marlin Luther (Phantasien eines Realisten) den polnischen Rabbi Hirsch wie einen Zeitgenossen Voltaires und Nathans reden. Die echt Bulgarisch OsfschuK. Philippope Vor minderwertigen Nachahmungen wird gewarnt. «Idt-iw»«®“ enthalten nur feinste Mischungen der edelsten bulgarischen Qualitätstabake

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.