Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 48 (27.11.1925)
- Date
- 1925-11-27
- Page
- Seite 898 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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898 Das Jüdische Echo Nr. 4§ Es ging geräuschvoll und lustig zu. Nach dem Abendessen bildete die Jugend einen Chor und sang Palästinalieder. Der polnische Bildhauer war von den Liedern der Jugend wie auch von der Feierlichkeit des „Seder-Abends“ ganz entzückt. „Das ist der große Anfang einer großen Zukunft“, sagte er zum Professor. „Ihr Volk ist ein großes, unsterbliches Volk und Sie, mein verehrter Herr Kollege, sind ein großer, bedeutender Mensch!“ Die Frühlingsnacht ging zu Ende ... Den Sonnenaufgang des ersten Pessach-Tags erwarteten wir auf dem Dache des Bezalel. Am Geländer der Terrasse standen die gestrigen „Duellanten“, die Künstlerin und der Schüler. Sie sahen auf diese geheimnisvolle Stadt hinunter, die keiner einzigen Stadt der Welt ähnlich ist, sahen auf Jerusalem und sprachen über irgend etwas. Die Künstlerin entrollte ihre gestrige Zeichnung, betrachtete sie lange, dann rollte sie die Zeichnung ihres Kameraden auf. Was an diesem Morgen in der Seele der jungen und begabten Künstlerin vorging, kann niemand sagen. Aber alle begriffen und fühlten, daß etwas Bedeutendes und Großes vorging. Sie gab dem Schüler dessen Leinwand zurück, drückte ihm herzlich die Hand, dann nahm sie ihre Zeichnung und zerriß sie in kleine Stücke. Der leichte Morgenwind ergriff die Leinwandstücke und wehte diese hinter die „Ewige Wand“. Auf der Terrasse des Bezalel herrschte tiefes und ergriffenes Schweigen. Gemeinden-u. Vereins>Echc Hechaluz. Samstag, den 28. Nov., um 34 7 Uhr abends, Herzog-Max-Straße 5, Rgb., Besprechung von Ruppins Buch über „Landwirtschaftliche Kolonisation in Palästina“. i. A.: Erich Deutsch. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez, München. Samstag, den 28. Nov. 1925, 349 Uhr abends, im kleinen Sitzungssaal der Gemeinde, Herzog-Max- Straße 5, Rgb. I, geschlossener Abend für Mitwirkende an unserer kommenden Aufführung und diejenigen Mitglieder, die an den Vorbereitungen beteiligt sind. Die Vorstandschaft. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez, München. An dem morgen Sonntag, den 29. Nov. 1925, abends Punkt 8 Uhr, in den Cherubinsälen stattfindenden „Jüdisch-künstlerischen Abend“ gelangt das bekannte Werk „Der Landsmann“, Tragikomödie in 3 Akten von Scholem Asch, zur Aufführung. Zwölf der besten Kräfte unseres dramatischen Klubs wirken mit. Dieser Abend verspricht einer der schönsten und stimmungsvollsten zu werden, die der Verein bis jetzt arrangiert hat. Eigenes Büfett. Volkstümliche Preise, kein Weinzwang. ln letzter Stunde gelang es uns, unser Programm weiter zu bereichern. Iwan Sonja Ziegler bringt einige Lieder zum Vortrag. Am Flügel: Herr Kapellmeister Josef Ziegler. Die Vorstandschaft. Jüdischer Gesangverein München. Sonntag, den 6. Dezember, findet um 4 Uhr nachm, im Odeon unter der Leitung des Herrn Josef Ziegler die Aufführung des Mendelsohnschen Oratoriums „Elias“ statt. Dr. Leop. Hirschberg schreibt dazu: Der Librettist des „Elias“, Pfarrer Jul. Schuhring aus Dessau, ein Jugendfreund Mendelsohns, hat den Text aus den verschiedensten Bibelstellen gewählt: Jeremias, Hiob, Könige, David. Mendelssohn hat die Musik dazu aus tiefinnerstem jüdischen Empfinden komponiert. Er hat dieses Allerlei zu einer bedeutenden Einheit verschmolzen; wie er das dramatische Element in den Vordergrund gestellt hat, ist ein Beweis seines dramatischen Empfindens. Gegen die bisherige Gewohnheit, das Oratorium mit Ouvertüre und Chor beginnen zu lassen, setzt Mendelssohn mit einem urgewaltigen Prolog des Helden ein; in dem Werk ist eine Fülle edelster Melodik und feinster Technik. Die packende und fremdartige Wildheit der Baols-Chöre, der gewaltige Aufbau der Regenperiode, die von den Schauern der Gottesnähe erfüllte Zwiesprache mit dem Engel, der Chor des Erdbebens, — musikalische Schönheiten, die das Werk seit seiner ersten Aufführung (1846) in Birmingham zu überwältigendem Erfolg geführt haben. Wir haben das Konzert auf Sonntag nachmittag 4 Uhr verlegt, um auch der jüdischen Geschäftswelt Gelegenheit zum Besuch zu geben. Karten im Vorverkauf in der Gemeindekanzlei, Ewer-Buchhandlung, Ottostr., Orljansky, Neuhauserstr. 29/0. Von 7 Uhr an gesellige Zusammenkunft im Bauerngirgl, 1 Stock, bei rituellem Büfett. C. Jüdischer Jugendverein München. Der Klubabend muß leider am 3. Dezember ausfallen. Der nächste Klubabend findet am 11. Dezember in den Räumen der Gesellschaft „Concordia“ statt. Den literarischen Abend vom 3. Dezember hält Herr Dr. E 1 k im Nebenzimmer des Restaurant „Ceres“. Gleichzeitig laden wir jedermann aufs neue zu unseren Freitagabend-Feiern im Restaurant „Ceres“ ein. Die Vorstandschaft. Israelitischer Lehrerverein für Bayern. Die im Ruhestand befindlichen Mitglieder unseres Vereins, die Anspruch auf ihren Pensionsanteil für 1925 erheben, wollen sich unter Vorlage eines Familienstandszeugnisses möglichst sofort bei unserem Kassier, Hauptlehrer Hellmann, Würzburg, Ludwigstraße 31, melden. Rosenfeld, Schriftführer. Lehrkurse der Kultusgemeinde München: Samstag, den 28. Nov., 8 Uhr: Dr. Max Mayer, Die Poesie in der historischen Darstellung (III). Montag, den 30. Nov., 8)4 Uhr: Dr. Max Elk, Nationalismus Universalismus (IV). Mittwoch, den 2. Dez., 8% Uhr: Dr. Ernst Ehrentreu, Die Stellung des Jugendlichen in der Schule (IV). Donnerstag, den 3. Dez,, 8% Uhr: Dr. Erich Fromm, Die Bejahung der alten Form CS. R. Hirsch, Bamberger) (IV). Samstag, den 5. Dez., 8 Uhr: Dr. Max Mayer, Der Stil der Propheten (IV). Gesellschaft für jüdische Familienforschung. Am 12. November wurde die Ortsgruppe München der Gesellschaft für jüdische Familienforschung gegründet. Die Famiienforschung bei den Juden ist als notwendig, anerkannt, weshalb auch bekannte Persönlichkeiten bereits Mitglieder der Ortsgruppe München geworden sind. Vorläufig können auch außerhalb München wohnende Interessenten der Ortsgruppe mit den gleichen Rechten beitreten; bei genügender Beteiligung wird eine Landesgruppe Bayern gegründet. Alle Mitglieder erhalten die von der Gesellschaft herausgegebenen, sehr lehrreichen Aufsätze enthaltenden Mitteilungen kostenlos. Anmeldungen erbeten an Herrn Eduard Schöpflich, München, Perusastraße 2.