Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 47 (20.11.1925)
- Date
- 1925-11-20
- Page
- Seite 881 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Das Jüdische Echo 881 die jüdische Bevölkerung ohne Interessenvertretung geblieben, so hätte die jüdische Bürgerschaft noch viel schwerer dafür büßen müssen, als es dann wirklich geschah, daß sie solange deutsche Staatsbürger gewesen waren. Um einer völligen Ratlosigkeit und Desorganisation vorzubeugen, sprang damals ein klüger und tüchtiger Mann in die Bresche, Dr. Max Kollenscher, und er wandte die Sache zum Guten, solange es überhaupt etwas zu zu wenden gab, d. h. bevor die Massenauswanderung der Posener Juden erfolgte. Sein und seiner Mitarbeiter politisches Programm war das des Nationaljuden. Er forderte nationale Minderheitsrechte für die polnischen Juden und er setzte sie trotz der ungeklärten Verhältnisse im allgemein grundsätzlich und im besonderen hinsichtlich der ins Leben tretenden jüdischen Schule auch tatsächlich durch. Die 14 Punkte Wilsons und die Friedenskonferenz propagierten ja ebenfalls den nationalen Minderheitsschutz. Die Polen waren klug genug,, solange sie nicht fest im Sattel saßen, alles zu versprechen. Gehalten haben sie später bekanntlich nichts. Man mag zu diesem politischen Programm stehen wie man mag; selbst ein besonnener Antizionist wird zugeben müssen, daß es damals in Posen keine andere Möglichkeit gab, als die, eine jüdische nationale Minderheitsgruppe zu organisieren. Denn was hätte sonst geschehen können? Sollten sich die Juden in dem Lande, dessen endgültiger Übergang in polnische Macht so gut wie sicher war, als Religionsgemeinschaft deutscher Nationalität hinstellen? Das hätte sich politisch nicht vertreten lassen. Oder sollten sie sich etwa als Religionsgemeinschaft polnischer Nationalität erklären? Wer hätte ihnen den über Nacht erwachsenen polnischen Nationalismus geglaubt? So waren diese beiden Wege verbaut. Gab es nun vielleicht noch einen dritten Weg, der hieß: Abwarten und Zusehen? Hinsichtlich der allgemeinen politischen Entwicklung wäre dieser Weg möglich gewesen, nicht aber hinsichtlich der tatsächlichen Ereignisse. Es erfolgten Massenverhafiungen jüdischer Bürger; es wurde der Boykott gegen die jüdischen Kaufleute erklärt — Schikane von hinten und von vorne, und der polnische Teufelsfuß zeigte sich um so deutlicher, je gesicherter die polnische Herrschaft wurde. Hier die Dinge einfach laufen lassen, hieße den einzelnen schutzlos machen, und das Verdienst Kollenschers und seiner Mitarbeiter ist gar nicht hoch genug einzuschätzen, daß sie an allen Stellen tätig eingegriffen haben und oft genug mit Erfolg. D a ß er eingegriffen hat, ist sein Verdienst, noch mehr aber das Wie. Die anspruchslose Schilderung, die das vorliegende Buch gibt, trägt den Stempel der Echtheit an der Stirn, und sie zeugt von beträchtlicher Umsicht und Vorsicht, von Mut und Intelligenz. Man kann ganz getrost dieses Büchlein, obwohl es diesen Zweck nicht verfolgt, als einen kleinen Lehrkurs der Politik bezeichnen. Wer sich davon überzeugen will, dem sei es angelegentlichst zur Lektüre empfohlen. Dr. R. Straus. Hebräische Sprachkurse München 3. Semester. Die Kurse der Hebräischen Sprachschule München erfreuen sich wie im Vorjahr eines sehr regen Besuchs. Der folgende kurze überblick g,ibt über den gegenwärtigen Stand der Schule ein anschauliches zahlenmäßiges Bild. Kurs | In welchem Semester? Zahl der Wochen- | stunden 1 Zahl der Teilnehmer] männlich weiblich insgesamt davon Besucher der vorjährigen Kurse in diesem Schuljahr neu Eingetretene I 1. 2 13 4 17 — 17 II 2. 3 5 12 17 12 5 III 3. 4 10 10 20 14 6 IV 5. 3 6 9 15 13 2 V 7. 1 5 2 7 3 4 Gram.1 1. 1 12 13 25 13 12 — 14 5! | 50 101 55 | 46 Aus dieser Statistik geht hervor, daß die Zahl der Schüler gegen den gleichen Zeitpunkt im Vorjahre (November 1924) sich um rund 60, d. h. um rund 150 Prozent vermehrt hat. Gegenüber dem Sommersemester 1925 hat sich die Zahl! der Besucher trotz Abfallens vieler auf ungefähr gleicher Höhe gehalten. Wie stark das Bedürfnis nach hebräischem Sprach- und Literaturunterricht ist, erhellt aus der Tatsache, daß mit Beginn des neuen Schuljahres 4 6 neue Schüler in die Kurse eingetreten sind. Daß von den alten Schülern der POBZELL4N-N1EDEBLAGE MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 23 - r gegenüber der Feldherrnhalle 6BÖ8STE AUSWAHL IN GEBRA UCHSPORZELLAN cs« TÄGLICHE LAGEKEBGÄNZUNG