Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1925
- Issue
- 27 (13.11.1925)
- Date
- 1925-11-13
- Page
- Seite 65 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 Mitteilungen des Israel. Lehrervereins für Bayern 65 in Rücksicht auf die beabsichtigte Gründüng eines Reichsverban'des der Gemeindeorganisatiohen an. Als Voraussetzung sei die Gründung eines preußischen Lehrervereins durch Zusammenschluß der dortigen Provinzialvereine notwendig. Eine Kommission, bestehend aus Ehrenreich, Dr. Bamberger und L. Uhlfelder wird beauftragt, die näheren Modalitäten für den Zusammenschluß auszuarbeiten. Hierauf erstattet Hirnheimer (Höchberg) seinen Vortrag: Anwendung des Prinzips der Arbeitsschule auf den hebräischen Sprachunterricht. Da der Vortrag, dem die Versammlung mit größtem Interesse folgte und reichsten Beifall spendete, in unseren „Mitteilungen ' veröffentlicht werden soll, so können wir jetzt von einer Besprechung des Inhalts Absland nehmen. In Verfolg seines gestrigen Vortrags legt Kantor Müller zwei Anträge vor: 1. Der Lehrerverein beschließt die Bildung einer Kantorenkommission, die ihre Wünsche dem Vorstand und den Vertretern im Rate des Gemeindeverbandes zur Wahrnehmung der Kantoreninteressen unterbreitet. 2. Der Lehrerverein möge beim Verband die Gründung eines mit dem Würzburger Lehrerseminar in Verbindung stehenden und auf diesem sich aufbauenden Kantorenschule beantragen. Mit den diesbezüglichen Vorschlägen und der Formulierung des Antrages an den Verband wird die Kantorenkominission in Verbindung mit dem Vereinsvorstand und dem Seminaroberlehrer Stoll beauftragt. Beide Anträge werden angenommen. Ein Antrag Lübeck (Fürth) auf Gründung eines selbständigen Vcreinsblattes wird, weil zur Zeit undurchführbar, zurückgestellt. Der Schriftführer empfiehlt die „Jüdischen Gesänge von Emanuel Kirschner" zur Verbreitung in den Jugendvereinen und zur Verwendung in den Schulen. Er berichte! ferner über den Stand der Lesebuchfrage und übergibt der Bildungskommission ein von den Mitgliedern Einstädter und Ochsenmann (Frankfurt a. M.) im Hermon-Verlag herausgegebenes Sammelbuch. Nach Dankesworten an die Teilnehmer schließt um OK Ehr der Vorsitzende die 44. Mitgliederversammlung. 50 jähriges Ortsjubiläum Wie aus Tagespresse und jüdischen Wochenschriften zu ersehen war, beging der Nestor der aktiven jüdischen Lehrerschaft Bayerns, Kollege Moses Hofmann in Rothenburg, sein 50jähriges Ortsjubiläum, in Verbindung mit der 50jährigen Gründungsfeier der im Jahre 1875 neuerstandenen Kultusgemeinde dortselbsl. Jubilar und Jubilarin wurden aus diesem Anlaß große Ehrungen von Behörden, Korporalionen und Einzelpersonen zuteil, insbesondere dem ersteren auch durch "Überreichung wertvoller Geschenke seitens seiner dankbaren Gemeinde und ehemaliger Schüler. Die Ansbacher Bezirkskonferenz erfreute ihren Senior mit wertvollen Büchern. Der aus Anlaß der Jubelfeier veranstaltete festliche Abend zeigte augenfällig, wie der greise Jubilar, der noch in wunderbarer Rüstigkeit des Körpers und des Geistes seines hohen Amtes waltet, es in halbhundertjähriger Amtszeit verstanden hat, sich die Herzen seiner ganzen Gemeinde und weit über deren Kreis hinaus zu erobern. Unser lieber Kollege hatte das Glück, schon vor vier Jahren sein goldenes Dienstjubiläum zu begehen. Damals würdigten wir seinen Lebens- und Werdegang und erübrigt es sich heule nochmals darauf einzugeben. Seine Verdienste um unseren Verein fanden in der Adresse Ausdruck, die die Vorstandschaft durch den Kollegen Strauß aus Uffenheim mit einem blumengeschmückten Fruchtkorb dem Jubilar überreichen ließ und die nachstehend im Wortlaut folgt: Heute ist es Dir beschieden, in Frische des Geistes und des Köpers, im Ehrenschmuck der weißen Haare, doch jung am Herzen, den Tag zu begehen, der vor 50 Jahren auf historischem Boden Deine Gemeinde neu entstand. Wir dürfen wohl sagen: Deiner Gemeinde. Du warst mit unter den Begründern, von denen wohl nur wenige mehr dies Fest erlebten, ihr Baumeister, ihr Bezalel-Bezel El, im Schalten Gottes, hast Du das Gotteshaus mitgeschaffen, Generationen in der Lehre Moses, dessen Namen Du trägst, zu guten Menschen und treuen Juden erzogen und in vorbildlicher Weise alle die Pflichten geübt, die im Aufgabenkreise Deines Amtes liegen. Eine Gemeinde, in der wohl die Mehrzahl Deiner Schüler sind, weiß Dir innigen Dank dafür. Aber auch wir im israelitischen Lehrerverein wissen Dir Dank für die Liebe und Treue, in der Du an unsrem Bruderbund mitgebaut hast. Du standest 1880, ein junger Lehrer, unter den Gründern, durflest in der Kraft der Mannesjahre 1896 bis 1916 als arbeilsfrohes Mitglied der Verwaltung an der Verwirklichung unserer Ziele mitarbeiten und alljährlich grüßen wir den lieben Freund bei unseren Tagungen. Wir wissen, wie Du keine Gelegenheit vorübergehen läßt, den Aufbau unsrer Kasse für Witwen und Waisen zu fördern. Wir grüßen in Dir einen der treuesten, den Mann, der still in Taten der Liebe an unsrem Werke baut. Wir haben, da Berufspflichten uns die Teilnahme am Feste verbieten, Deinen ältesten liebsten Freund gebeten, in unserem Namen zu Dir und Deiner Gemeinde zu sprechen. Unsre herzlichsten Glückwünsche zum goldenen Jubiläum und innige Freundesgrüße. In Treue Verwaltung des Israelitischen Lehrervereins für Bayern. Ein Begrüßungstelegramm der Würzburger Lehrerbildungsanstalt möge gleichfalls im Wortlaut folgen: Die israel. Lehrerbildungsanstalt Würzburg sendet ihrem einstigen Jünger, der nach Zahl der Austrittsjahre zu ihren ältesten, nach Frische des Geistes und nach Lebendigkeit des Interesses zu den Jugendlichsten zählt, und dessen erfolgreiches Wirken die Alma mater mit Stolz erfüllt, zu seinem Amtsjubiläum die herzlichsten Massel towr-Wünsche. Zelach urchav ad meo weesrim schono. In Freundschaft und Verehrung Der Schulleiter: J a k o 1) S I o 11. Referat des 1.Vorsitzenden Das Referat Dingt"eiders auf unserer diesjährigen Mitgliederversammlung ist unter dem Titel „Arbeit und Aufgaben des Israelitischen Lehrervereins in Bayern, Rückblick und Ausblick 5685—86" in mehreren hundert Exemplaren vervielfältigt worden und bitten wir die Kollegen, den Vortrag in Interessenkreisen zu verbreiten. Bezugspreis 30 Pfg. zugunsten unserer Unterstützungskasse. Bestellungen an die Vereinsleitung. Personalien Unser in Frankfurt a. M. im Ruhestande lebende Kollege A. Eschwege, früher Volksschullehrer in Thüngen, feierte vor kurzem seinen 75. Geburtstag. In Rülzheim (Pfalz) verstarb am 2. November die Witwe unseres früheren Kollegen Kahn.