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Das jüdische Echo · 1925-11-13 · 46 (13.11.1925) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
46 (13.11.1925)
Date
1925-11-13
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 46 13. November 12> Jahrgang Die Sünde, zu der der Z.-V. nichts hinzuzufügen hat Geblendet starren die Zentral-Verein-Leute in den Riesenbrand des Antisemitismus, und sie rücken ernst und würdig mit Kinderfeuerspritzen aus. Das ist nicht die kind- und heldenhafte Kühnheit, die den Phantasten Ungeheuern entgegenführt; das ist nur Versuch mit untauglichen Mitteln und daher lächerlich. Es ist fast entwaffnend und rührend, wenn es nicht so wdirdelos wäre, wie sich am 6. November ein Dr. Feist in der Z.-V.-Zeitung über das Verhältnis zwischen Germanen und Deutschen unterhält — mit aller Gründlichkeit des Z.-V.-Wissenschaftlers. Er weist darauf hin, wie gering der Anteil rein germanischen Volkstums bei den heutigen Deutschen sei1. Je nach der mehr oder minder scharfen Umgrenzung germanischer Merkmale werde er auf zwei bis zehn Prozent geschätzt. Es sei nicht anders als beim semitischen Einschlag bei den deutschen Juden. Dieser sei natürlich auch vorhanden, oder sagen wir besser, ein orientalischer Einschlag sei da. Aber er sei zahlmäßig wohl nicht viel größer als der rein germanische Einschlag bei den Deutschen und geistig und kulturell ganz bedeutungslos. Aus diesen Feststellungen wird nun gefolgert, daß nichts in der körperlichen wie in der geistigen Struktur „arische“ und jüdische Deutsche hindere, sich zu verstehen und zu vertragen. Man muß sich immer wieder an den Kopf greifen und darüber wundern, daß es möglich ist, derartig groteske Dinge auszusprechen, um unter den Staatsbürgern anderer Konfession Freunde zu werben. Immer wieder kann man beobachten, wie Nichtjuden, die bisher nichts vom zionistischen Gedanken gewußt haben, in freudig erstaunte Begeisterung geraten, wenn man ihnen von Palästina erzählt, von der langen Unterdrückung des jüdischen Volks und dessen trotzdem noch ungebrochener Kraft, ein Ziel der Hoffnung bewahrt zu haben und es zäh und treu und erfolgreich zu verwirklichen. Kein Mensch will sich mit Rassentheorien beschäftigen, wenn er die Bilder jüdischer Hirten und Wächter sieht; wenn er dem frischen Marsch junger Chaluziin folgt, die sich froh und neugierig durch das trübe Gewühl greiser Beter und Bettler an der Klagemauer drängen. Jeder ist bezwungen und begeistert. Diese einfache Schlichtheit gibt es also, diesen zionistischen Gedanken, das eigene Schicksal einmal seihst in die Hand zu nehmen! Das ist doch schön und mutig, und jeder Nicht jude versteht das. Er — und auf ihn legt doch der Z.-V. solchen Wert; ihm verdankt er doch sein Dasein —, er wird nicht verstehen, daß vernünftige Menschen im Kernpunkt ihres Fiihlens das Bedürfnis haben können, sich selbst zu definieren. Niemals ist ein natürlich empfindender Deutscher, Franzose oder Engländer auf den Einfall gekommen, ein Jude sei etwas anderes als der Angehörige eines bestimmten Volks; nie wird er verstehen, daß Definitionen des eigenen Wesens gesucht werden, um Neutralität zu begründen, nur um nicht zuzugeben, man sei Glied einer aus dem Dunkel der Geschichte heraufreichenden Kette. Die ist aher doch so fest, daß nur Sklaven an ihr rütteln können, — die Freien tragen sie gern und aufrecht. Er wird die Außenpolitiknicht verstehen, die alten Haß gegen Wahnbilder, gegen Shylock- und Ritualmordvorstellungen, durch Vernünftigkeiten mildern und zum Schweigen bringen will; Gefühle, die im Aberglauben dunkler Jahrhunderte gewachsen und immer anders und immer wieder rationalisierend begründet worden sind. Diese Außenpolitik wird er nicht verstehen, die durch Plädoyer und Statistik in einer Welt wirken will, die mit den Augen des Feindes kritisiert; in der nur die unangreifbare, unverneinbare Leistung gilt, die Leistung, die der Zionimus binstellen will und hinstellt, — normales, starkes, nationales Leben. Wie aber wird der Nichtjude die Innenpolitik des Z.-V. beurteilen? Er, der mehr im Bereich scharfen, willensgerichteten absoluten Wertensiebt als der um alle mögliche Relativität wissende Zentral-Verein-Mann, wird hier vielleicht sogar ein Wort wie Hochverrat nicht ganz unangebracht finden. Ein Volk kämpft um ein Ziel, kämpft den Kampf gegen Tausende und aber Tausende von Gegnern, gegen die ehrliche Feindschaft und gegen die unehrliche Freundschaft skeptischer Lauheit, den Kampf des Neuen, mit dem das Recht ist, die Zukunft, die Anerkennung der Welt, der äußere Erfolg. Abseits kann man nicht gut bleiben, und Dr. Fuchs schreibt am 25. Dezember 1918 im Namen des Zentral-Vereins, mit seinen Kollegen im Vorstand erstrebe auch er die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Und am 16. Oktober 1925 steht in der Zentral-Verein-Zeitung unter dem Titel „Neues aus der Zionistischen Bewegung“: „Die zahlreichen Keren-Hajessod-Zeichner in Deutschland wird es interessieren, einmal ein amerikanisches Urteil über ihren Eifer“ — ihren Eifer! — „für diese Institution zu hören.“ Dann folgt das amerikanische ,,Urteil!“: In dem „American Israelite“, einer den Zionisten nahestehenden (?) Zeitung, stand vor einiger Zeit ein kurzer Aufsatz über die Fortschritte des Keren Hajessod. Darin wurden die Gesamteingänge der Hauptgeschäftsstelle bis zum 31. Januar 1925 auf 1 668 888.45 englische Pfund angegeben. Allein im Januar 1925 seien annähernd 15 000 Pfund Sterling aus Rumänien, 3708 Pfund Sterling aus Polen, 4641 Pfund Sterling aus Amerika, 5258 Pfund Sterling aus Deutschland in den Keren Hajessod geflossen. In dem Artikel heißt es dann wörtlich weiter — (das folgende sperrt die Z.-V.-Zeitung) —: „Es ist überraschend, daß Deutschland, Rumänien und Polen, wo so viel Not und Armut herrschen, und besonders Polen, wo die Juden angeblich vollständig ruiniert sind, Spenden in solcher Höhe sollten aufbringen können. Wenn diese Berichte richtig sind, so ist es eine S ü n d e von den Juden dieser Länder, so viel

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