Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 40 (2.10.1925)
- Date
- 1925-10-02
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 40_ 2. Oktober 12. Jahrgang Kommerzienrat Sigmund Fraenkel 7'S! 'n ept? ws nsiB'n ns iro’ irn bi „Das ganze Haus Israel soll beweinen den Brand, welchen der Herr angezündet.“ Nur schwer finden sich die Worte, welche den Nachruf einleiten sollen für einen Mann, der wie kein zweiter berufen war, seine Gemeinschaft zu vertreten, und der auch dieser Obliegenheit in einer Weise gerecht wurde, wie sie nicht würdiger und erfolgreicher sich gestalten konnte. In dem Augenblicke, in welchem sich noch nicht die Gruft über die sterbliche Hülle unseres im 65. Lehensjahre verstorbenen Sigmund Fraenkel geschlossen hat, wird es schwer, schon die richtigen Worte zu finden, welche uns den Verlust vor Augen führen sollen, den die Judenheit unserer Stadt, unsres engeren und weiteren Vaterlandes, wie die Gesamlbürgerschaft erlitten hat. Der Heimgegangene gehörte zu den Männern, welcher alle Eigenschaften, die ein Führer in sich vereinigen soll, in reichstem Maße besaß. Klug und energisch, war er wie kein zweiter befähigt für die Leitung öffentlicher Angelegenheiten. Dabei war er ausgestattet mit einem reichen Wissen, das sich auf die verschiedensten Gebiete erstreckte, und mit einer schriftstellerischen und rednerischen Begabung, die es ihm ermöglichte, seine Anschauungen auf das Wirksamste zum Ausdruck zu bringen. Einer edlen, wahrhaft jüdischen Familie entstammend, wuchs er, ein hoffnungsvolles Reis, heran; früh zeigte sich sein scharfer Blick für alle Vorkommnisse im öffentlichen Lehen und schon in jungen Jahren war sich seine Umgebung bewußt, was von ihm zu erwarten war. Die Sachlichkeit und die Klarheit seiner Denkungsweise erwarb ihm bald das Vertrauen seiner jüdischen und nichtjüdischen Mitbürger, welches er auch im reichsten Maße durch seine Leistungen zu rechtfertigen suchte. Nahezu drei Dezennien war er im Vorstand der orthodoxen Religionsgesellschaft Ohel Jakob, über 20 Jahre erster Vorsitzender der Vereinigung, die er zu einer der ersten orthodoxen Gemeinde- Organisationen Deutschlands mitgestalten half. Die friedliche Einigung mit der Großgemeinde und die Erringung der Gleichberechtigung für die orthodoxe Richtung zählte mit zu seinen schönsten Erfolgen auf diesem Gebiete. Jahrzehnte gehörte der Verklärte zu der Vertretung der Israelitischen Kultusgemeinde und seit der Verfassungsänderung im Jahre 1921 zu deren Vorstandskollegium. Im „Verbände der Israelitischen Gemeinden Bayerns“ wurde er bei der Begründung mit Recht in den Rat berufen; war er doch Jahre hindurch für die Schaffung des Verbandes in Wort und Schrift auf das wirksamste tätig gewesen. In den verschiedensten jüdischen Vereinen war seine Mitarbeit stets willkommen und besonders in der B‘ne BTith Loge unserer Stadt war er in hervorragender Weise tätig. Seine geistsprühenden, von reichem jüdischem und literarischem Wissen zeugenden Vorträge, die er hier, in den Schwesternlogen und Literaturvereinen hielt, fanden stets ein großes Auditorium, was bei der glänzenden Rhetorik, die ihm eigen war, nicht zu verwundern ist. Die verschiedensten jüdischen Organisationen Bayerns und Deutschlands zählten ihn zu ihrem Verwallungsmitglied und besonders das Rabbinerseminar zu Berlin erfreute sich seiner eifrigsten Unterstützung. Aber neben diesem Wirken in der jüdischen Öffentlichkeit hatte er auch das große Vertrauen seiner nichtjüdischen Mitbürger — fünfundzwanzig Jahre war er in der Münchner Handelskammer tätig, längere Zeit als einer der Vizepräsidenten; hier waren ihm die wichtigsten Referate über das Eisenbahnwesen und Steuerfragen zugeteilt; im bayerischen bezw. deutschen Eisenbahnrat war er eines der arbeitsamsten und fruchtbarsten Mitglieder und auch von der bayerischen und der Reichsregierung wurde in Steuer- und Wirtschaftsfragen sein Rat gerne gehört. Sein öffentliches Wirken fand in verschiedenen Auszeichnungen die verdiente Anerkennung. Seine Vielseitigkeit im öffentlichen Wirken war um so anerkennenswerter, als er ja selbst als Chef einer großen und angesehenen Handelsfirma in seiner Zeit stark in Anspruch genommen war. Für ihn gab es keine beschränkte Arbeitszeit; wie viele Nächte hat er durchgearbeitet und gar manche Stunden des Schlafes im Interesse der Allgemeinheit geopfert! Seine Erholung bildete für ihn das innige Familienleben, das er an der Seite seiner mit allen Vorzügen ausgestatteten Frau im Kreise seiner Kinder führte. Er war aber nicht nur ein besorgter Gatte und Vater; seinem ganzen weiteren Familienkreis war er ein treuer, in Freud und Leid hilfsbereiter Verwandter. Gerne half er auch seinen einzelnen Mitmenschen durch Rat und Tat und gar viele beweinen in ihm den wohlmeinenden Berater. Auch unserer Zeitschrift hat er ein reges Interesse enlgegengebracht. Bei verschiedenen Gelegenheiten sind wertvolle Beiträge seiner Feder in unserem Blatte erschienen, dessen Leitung ihm dankbares Andenken bewahrt. Ein großer Sohn Israels ist von uns gegangen; suchen wir Trost in einem der tiefsinnigsten Werke unserer heiligen Schrift. Wir lesen im Koheletlr. Rm Bwn mn ,,I)ie Sonne geht auf, die Sonne geht unter“, die alten Weisen erklären dies dahin, daß Gott in seiner Weisheit und Güte dafür sorgt, daß, bevor noch die Sonne eines hervorragenden Mannes untergeht, die Sonne eines andern schon im Aufgehen ist. Hoffen wir, daß unserem zu früh Dahingegangenen ein gleichwertiger Nachfolger ersteht. Jacob F r ä n k e 1.