Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 39 (25.9.1925)
- Date
- 1925-09-25
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 39 25. September 12 Jahrgang Die Botschaft aus Philadelphia In hirnverbrannten Äußerungen der Rassenantisemiten ist manchmal zu lesen, daß der große Krieg von 1914—1918 von Juden angezettelt worden wäre, um in dem allgemeinen Brande, der die Welt umlohte, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Leute ä In. Fritsch nennen den großen Krieg schlankweg einen jüdischen Krieg und wissen nicht, in welchem Maße sie recht haben, denn hinsichtlich seiner zerstörenden Wirkung hat dieser Krieg am stärksten von allen Völkern gerade die Juden betroffen. Er ist ein „jüdischer Krieg“ vor allem darum gewesen, weil er sich, besonders an der Ostfront, auf einem Territorium mit stärkster jüdischer Besiedlung abspielte und die Grundfesten des Bestandes des jüdischen Hauptkerns, des ehemaligen russischen Judentums, erschütterte. Der Ausgang des Weltkrieges hat den Schwerpunkt der wirtschaftlichen und politischen Macht von Europa nach Amerika verschoben. Das gilt auch bezüglich des jüdischen Volkes. Vor einem Jahrhundert lag der geistige Schwerpunkt des Judentums im deutschen Judentum, dann verschob er sich und allmählich gewannen die russischen Juden an Einfluß und Bedeutung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, und vor dem Kriege bildeten sie unumstritten den Kern des jüdischen Volkes. Nach dem Kriege aber erlangte der in Amerika lebende Teil der Judenlieit im Galuth immer größere Bedeutung, und zwar nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in geistiger Beziehung. Gegenwärtig ist die Sachlage derart, daß man, ungeachtet der starken Konzentrierung von jüdischen Massen in Polen, behaupten kann, daß der repräsentative Teil des Galuthjudentums in Amerika konzentriert ist. Darum muß man Äußerung und Stellungnahme der amerikanischen Judenheit als maßgebend und vorbildlich für alle in den verschiedensten Ländern zerstreuten Teile des jüdischen Volkes betrachten. Unser amerikanischer Bruder ist nämlich nicht nur der Goldonkel, der lediglich als Geber in Frage kommt, sondern in immer mehr steigendem Maße der Wortführer der allwelllichen jüdischen Interessen. Unter diesem Gesichtspunkte muß die große Konferenz beurteilt werden, die das amerikanische Judentum vor zwölf Tagen in Philadelphia vereinigte. Gegenstand der Tagung war die geplante 15-Millionen-Dollar-Kampagne des amerikanischen Joint, um mit diesem Gelde sowohl die Hilfstätigkeit für die notleiden Juden in der ganzen Welt, besonders in Osteuropa, fortzusetzen und die projektierte Kolonisation von russischen Juden in Südrußland durchzuführen. Auf dieser Tagung, die von den bedeutendsten Männern der amerikanischen Judenheit besucht war, beschäftigte man sich auch mit der Frage des Aufbaus von P a 1 ä s t i n a. Daß davon die Rede war, ist weder Zufall noch lediglich die Folge des Eingreifens der amerikanischen Zionisten gewesen. Es ist nur eine Selbstverständlichkeit, daß überall, wo Juden Zusammenkommen, um über jüdische Dinge zu beraten, sich naturnotwendig das gewaltigste Erlebnis der zeitgenössischen Judenheit, der Aufbau der jüdischen Gemeinschaft im all - neuen Erez - Israel, in den Vordergrund drängt. Es ist eben in der Gegenwart unmöglich, positive jüdische Arbeit leisten zu wollen, ohne auf die Tatsache des werdenden jüdischen Palästina Rücksicht zu nehmen und ihr Rechnung zu tragen. Die zentrale Aufgabe des jüdischen Volkes ist durch das Walten der Geschichte der Aufhau ihrer nationalen Heimstätte geworden. Diese Erkenntnis kommt in dem Text der von der Versammlung in Philadelphia gefaßten Entschließung klar zum Ausdruck. Es heißt darin: „Die Konferenz betrachtet es als s e 1 b s t v e r s t ä n d 1 i c h , daß die amerikanische Judenheit das Werk der jüdischen Siedlung in Palästina freigebig unterstützt und ist überzeugt, daß die Juden Amerikas durch die Jewish Agency und andere Institutionen zu der Erreichung dieser großen und historischen Aufgabe ihre Kraft und Unterstützung in vollem Maße leihen werden.“ Wohlgemerkt! Das amerikanische Judentum erklärt es als s e 1 b s t v e r s t ä n d 1 i c h , daß Juden den Aufbau Palästinas unterstützen. Diese Botschaft des amerikanischen Judentums spricht mit ehernen Zungen zu allen Teilen des jüdischen Volkes in der ganzen Welt. Wie kläglich und jämmerlich nehmen sich im Vergleich zu dieser Manifestation des , reichsten, freiesten und gesündesten Teiles des jüdischen Volkes die Unkenrufe der jüdischen Assimilanten in Europa aus! Wie lächerlich erscheinen einem Ausführungen eines Max N a u m a n n in der deutsch-nationalen antisemitischen Presse über das angebliche Ende des Zionismus angesichts dieser Kundgebung der besten Männer einer vier Millionen Köpfe zählenden jüdischen Bevölkerung in dem mächtigsten Lande der Welt! Die Botschaft der amerikanischen Judenheit ist ein Beweis, daß es keinen Juden mehr geben kann, der sich, unbeschadet seiner sonstigen parteimäßigen Einstellung und seiner besonderen menschlichen und jüdischen Interessen, abseits stellen und sagen könnte, der Aufbau Palästinas gehe ihn nichts an. Die Tatsachen sprechen eine deutliche Sprache! Die Kundgebung in Philadelphia ist geeignet, in jedem Anhänger des zionistischen Ideals Genugtuung zu erwecken und auf die palästinensische Bewegung der Nichtzionisten belebend zu wirken. M. W. * * * Am 12. und 13. September fand in P hi lade 1p h i a die Konferenz des Joint Distribution C o m i t t e e statt, die die Durchführung einer Kampagne zur Aufbringung von 15 Millionen Dollar zwecks Wiederaufnahme und Ausdehnung der Aufbau- und Hilfstätigkeit des Joint zu behandeln hatte. Die Von 750 Vertretern aus allen Teilen der Vereinigten Staaten beschickte Konferenz hat die Durchführung der 15-Millionen-Dollar-Kampagne beschlossen. Gegen das Kolonisationsprojekt in der K r i m wandte sich der Präsident des amerikanischjüdischen Kongresses, Dr. Stephen W i s e , wie auch Mr. Jacob de Haas, der noch sorgfältige Prüfung dieses Projektes forderte; Louis M a r s h a 11 erklärte u. a„ es sei keineswegs zu befürchten, daß die neue Ivompagne die amerikanische Judenheit von ihrer Pflicht gegenüber dem Palästina-Aufbau ablenken werde und schloß mit den Worten: Wir werden