Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1925
- Issue
- 25 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- Seite 738 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Mitteilungen des Israel. Lehrervereins für Bayern 61 Stimmungsbericht zur 44. Jahresversammlung Die pädag. Woche (14.—19. Juli) in Nürnberg hat hat uns diesmal einen Streich gespielt. Unsere Versammlung, ursprünglich auf den 11. und 12. Juli angesetzt, mußte wegen des in Aussicht genommenen Saales im Lehrerheim auf den 30. und 31. August verschoben werden, wodurch die Frequenz etwas beeinträchtigt wurde, da mancher Kollege an diesen Tagen bereits seinen Berufspflichten zu obliegen hatte. Immerhin war wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung eine ganz erkleckliche Teilnehmerzahl festzustellen. (Einschließlich der Gäste war die Versammlung von 135 Teilnehmern besucht. Schriftleitung.) Kein Wunder auch! Unsere diesmalige Tagung stand ja im Zeichen des Beamtenrechtes. Frau „Sorge" war durch die bisherigen segensreichen Wirkungen des Gemeindeverbandes gezwungen, die dunklen Fenster ihres Bereiches zu lüften; heller, warmer Sonnenstrahl beginnt bis in die entlegenen Winkel der Lehrerhäuser hineinzufluten, weitet das Herz und den Blick, verscheucht das beängstigende Alpdrücken und erweckt neue Lebenshoffnungen. — Der Mittler dieser eingetretenen Gesundung in den bayer. Lehrerfamilien und der bayer. Judenheit, der Inspirator bei der Tagung und dem Rate des Gemeindeverbandes hält ständigen Ausblick auf hoher Warte, ihm zur Seite wacht sein getreuer Adlatus Rosenfeld, während Kassier Hellmann für die finanzielle Tragfähigkeit des Vereins Sorge trägt. Der Saal ist gefüllt; zahlreiche Damen und Herren aus der Noris sind voller Erwartung, Vertreter der Rabbinate, der Adas Jsroel, der Hauptgemeinde und des bayer. Gemeindeverbandes haben sich eingefunden. (Die Begrüßung des uns wohlbekannten vom Verbände abgeordneten Herrn Aufsesser berührte uns besonders angenehm.) Der Raum ist historischer: die Geburtsstätte des bayer. Gemeindeverbandes. Ein Glockenzeichen ertönt. Unser Dingfelder läßt seinen Blick wohlgefällig über die illustre Gesellschaft gleiten. Sein frisches Aussehen befriedigt seine Gemeinde. Mit einem altjüdischen Gruße hebt er bedächtig an. Aller Augen und Seelen werden durch den Meister der Rede in Bann gehalten. Kein Strich zu wenig, keiner zu viel. Das ist die Gabe des begnadeten Künstlers. Er versteht es, zu packen, weil er mit der ganzen Skala seines Herzens spricht, weil seine Seele harmonisch mit dem Verstände sich vermählt. Ein spontan rauschender Beifall löst sich als Echo der Rede aus. So ist unser Dingfelder mit der Macht seiner warmen Persönlichkeit. Das müssen wir hier aussprechen, und jeder fühle, daß es fern von Personenkult liegt. Er ist es" ja, der Frau Sorge das Szepter entreißen hilft, der Bayerns jüdische Lehrer der Morgenröte einer besseren Zeit entgegenführt. 40 Jahre lang gilt sein unablässiges Stieben Bayerns jüdischer Lehrerschaft, und heule fühlt er selbst mit Genugtuung, daß er nicht vergeblich als Kämpe in den vordersten Reihen gestanden. Er fühlt, daß eine neue rein- und feingestimmte Ressonnanz in den bayer. Lehrerherzen entstanden ist, wieder fähig, die idealen Güter eines wahrhaften Jehudi und Menschen auf sich einwirken zu lassen. So war es zu versieben und zu begrüßen, daß Dingfelder der Behandlung des kantoralen Kunstgesanges gleich zu Beginn des Vorabends einen gebührenden Platz zuwies und die Vorbildung des Lehrer-Kantors — ein Stiefkind der bisherigen Lehrerbildung — dem Aufgabenkreis der jüdischen Lehrertagung zu erörtern gab, welcher Aufgabe sich Herr Kantor Müller-München mit Geschick und Sachlichkeit entledigte. Die hierauf folgende Illustrierung durch reichhaltige künstlerische Darbietung jüdischer Meister der Komposition, besonders von Lewandowski, Naumbourg und Kirschner durch die Herren Kantoren Müller-München, Heimann- Augsburg, Fränkel-Nürnberg und Bambergcr-Kitzingen fand allgemeine Begeisterung, und die anwesenden zahlreichen Damen und Herren geizten nicht mit ihrem Beifall. Herr Sanitätsrat Dr. Steinhardt, Nürnberg, zeigte sich als feinsinniger, verständnisvoller Begleiter der musikalischen Darbietungen. Möge dieser gelungene Versuch an dem Begrüßungsabend auch fernerhin zu einer ständigen Einrichtung unserer Versammlungen sich einbürgern. Der andertagigen Beratung gab die Anwesenheit des Vorsitzenden der isr. Kultusgemeinde Nürnberg — zugleich Vertreter des bayer. Gemeindeverbandes — des\ Herrn Geheimrats Dr.- Held eine besondere Note. Seinen vermittelnden Darlegungen war es zu danken, daß die Debatten nicht zwecklos in die Breite gingen und der Paragraphenkomplex der Beamlenordnung schnellstens und befriedigend erledigt werden konnte, wofür Herrn Geheimrat Dr. Held auch an dieser Stelle noch unser besonderer Dank gezollt sei. — Damit wird eine Aera für Bayerns jüdische Lehrerschaft anbrechen, in welcher der jüdische Lehrer als öffentlicher Beamter angesprochen und jedem persönlichen Ubergriff von Seiten rigoroser Vorstände oder Aufsichtsorgane die Spitze abgebrochen wird. Wie vorzüglich unsere adäquate Verwaltung zusammengesetzt ist, zeigt der Umstand, daß diese bei der stattgefundenen Neuwahl auf Wunsch der Versammlung — zum ersten Male — im Modus der Zurufswahl en block für die nächste Periode wiedergewählt wurde, was ungeteilte Befriedigung ausgelöst hatte. — Herr Präparanden-Lehrerl Hirnheimer-Höchberg — als Korreferent — verbreitete sich nachmittags über das Thema „Anwendung des Prinzips der Arbeitsschule auf den hebräischen Sprachunterricht". Seine tief schürfigen, wissenschaftlichen Studien und Untersuchungen über diese neue Materie hielten die Zuhörer bis zum Ende gefangen, so daß ihm wohlverdiente Anerkennung für seine wertvollen Ausführungen zuteil wurde. In Anbetracht der Wichtigkeit dieses neuen Unterrichtsprinzipes, von dessen Anwendung für die Wiederbelebung und Verinnerlichung des hebräischen Sprachunterrichts ungeahnte Auswirkungen erhofft werden können, soll Hirnheimers Arbeit in Verbindung mit der wegen Zeitmangels „ungesprochenen" Arbeit unseres Hauptreferenten Dr. Bamberger-Nürnberg in unseren „Mitteilungen" baldigst veröffentlicht werden, so daß sich die Bezirkskonferenzen nutzbringend damit beschäftigen können. Nach Erledigung mancher innerer Standesangelegenheiten, bei welchem sich unser Seminar-Oberlehrer Stoll-Würzburg durch seine sachlichen Vorschläge verdient machte, schloß der Vereinsvorsitzende die arbeitsreiche und denkwürdige Tagung. Möge in Verfolg der Realisierung der während der Versammlung gefaßten Beschlüsse und gegebenen Anregungen der bayer. Lehrer- und Judenschaft eine Quelle des Heils und Segens ersprießen! "|ÖK. Godlewsky, Amberg. Glückwunschablösungen beim Spendenauswei im Jüdischen Echo, sowie ein Nachtrag unter Persoualia.