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Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1925-09-18 · 25 (18.9.1925) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1925
Issue
25 (18.9.1925)
Date
1925-09-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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MITTE ILUN G E N des Israelitischen Lehrervereins für Bayern _ SchrHtleitung: M. Rosenfeld, München Nr. 25 München, 18. September 1925 Unser Ziel Eine Roschhaschonoh-Betrachtung von M. A. „Wenn des Schofars Klang in der Stadt ertönt, sollte da das Volk nicht erschrecken?" Die Schofartöne sollen den Menschen aufrütteln, sollen ihn veranlassen, zurückzublicken, sollen ihn zur Selbstbesinnung führen. Fürwahr! Jeder Mensch hat es nötig, von Zeit zu Zeit einmal Rast zu machen auf dem Wanderwege durchs Leben und sich zu fragen: Bin ich auf dem richtigen Wege, bin ich meinem Ziele näher gekommen? Erst recht haben wir Lehrer Veranlassung zu solcher Umschau, die das Ziel prüfend überblickt und den Weg zu ihm zeigt. So wichtig indes auch der Weg, höher steht das Ziel. Ein festes Ziel im Auge zu haben und stolz und begeistert diesem Ziele zuzustreben, dazu soll der Rück- und Ausblick zur Jahreswende mit neuer Kraft uns rüsten. Aber wie stehts mit diesem Ziele? Ein schöner Midrasch zu dem Thoraabschnitt, der am Roschhaschanah vorgelesen wird, sagt es uns. In dem Thoraabschnitt heißt es: „Und Abraham sah den Ort von ferne. Da sagte er zu seinen Dienern: Bleibet ihr hier bei dem Esel, und ich und der Knabe wollen dorthin gehen und wollen uns bücken und dann zu euch zurückkehren." Darauf sagt der Midrasch: „Und Abraham sah den Ort von ferne. Da fragte er seinen Sohn Isaak: Was siehst du? Isaak antwortete: Ich sehe einen schönen, herrlichen Berg, aber er ist von Wolken bedeckt. Nun fragte Abraham seine Knechte: Seht ihr auch etwas? Diese sagten: Wir sehen weiter nichts als eine Wüstenfläche. Darauf kam die Antwort Abrahams: Bleibt ihr hier bei dem Esel. Da e r nichts sieht und ihr nichts seht, ihr ihm also gleichet, bleibt hier; denn ihr seid wie er." Es gibt verschiedene Arten von Menschen! Die einen, kluge und erfahrene Menschen, haben ein festes Ziel im Auge, dem sie in aller Konsequenz nachstreben, zu dessen Erreichung ihnen kein Weg zu weit und zu beschwerlich ist. D i e gleichen Abraham. Die anderen, meistens junge Menschen, sehen ein „herrliches Ziel". Mit Enthusiasmus stürmen sie darauf los; aber sie erblicken plötzlich „Wolken" am Ziel, sie merken, daß es gar nicht so leicht ist, das Ziel zu erreichen und bleiben enttäuscht zurück. Die dritten, Knechtesseelen, die haben überhaupt kein Ziel. Wozu Mühe und Plage? Was brauchen wir höher steigen? Wir bleiben unten! Diese drei Menschenklassen sind auch in der Lehrerschaft vertreten. Soll ich das weiter ausführen? Jeder prüfe sich selbst! Welches ist nun das Ziel, das jedem jüdischen Lehrer vorschweben soll? Nirgends hat das Wort, das wir im vergangenen Jahr so oft in der „Bayerische« Lehrerzeitung"' und bei Beratung des Kultusetats im Bayerischen Landtag gelesen und gehört haben, der Lehrer sei ein „Vo lkslehre r" eine tiefere Bedeutung als wie beim jüdischen Lehrer. Der jüdische Lehrer muß, will er seine Aufgabe voll erfüllen, ein „Volkslehrer" im besten Sinne des Wortes sein. Er hat nicht nur die Aufgabe, an der Erziehung von Kindern zu arbeiten, sondern er muß, heute mehr denn je, der Lehrer der schulentwachsenen Jugend, der Lehrer der Gemeinde sein. Es sollte keine allgemein-jüdische Aufgabe geben, an der nicht Lehrer teilnehmen. Es sollte keinen Ort geben, in dem nicht wöchentlich der Lehrer die schulentlassene Jugend zu jüdischer Geistesarbeit zusammenruft. Bisher konnten nicht alle Lehrer diese Aufgabe erfüllen, weil die Kämpfe um gerechte Entlohnung alle Kräfte der jüdischen Beamten absorbiert haben. Aber es ist in dieser Hinsicht, Dank des Verbandes, besser geworden. Warum soll man das nicht offen bekennen? Jawohl, es ist besser geworden! Es ist noch lange nicht gut; aber wir sind materiell genau so schlecht daran, wie die Beamten anderer Konfessionen, nicht schlechter, und das genügt uns.* Wir brauchen Kämpfe um materielle Besserstellung nicht mehr in dem Maße zu führen wie früher. Dadurch haben wir Kräfte freibekommen, die wir für uns ausnützen müssen. Arbeiten wir täglich, stündlich an uns selbst, vertiefen wir uns in jüdische Geistesarbeit! Arbeiten wir gemeinsam in Forlbildungskonferenzen. Nur der ist ein richtiger jüdischer Lehrer, der sein Judentum genau kennt! Das seien Ziele, die sich jeder jüdische Lehrer stecken muß, wenn er ein wirklicher Volkslehrer sein will. Gewiß! Wer für die Gemeinschaft, für den Klal jisroel arbeitet, muß Opfer bringen. Aber seien wir Lehrer doch glücklich, daß wir Opfer (in ideellem Sinn!) bringen können. Es gibt doch nichts Schöneres als das Geben! Undank werden wir genug finden; aber lassen wir uns durch Undank nicht zurückschrecken! Unser Ziel ist also, Volkslehrer zu sein, Führer der Jugend, Mitarbeiter und Mitgestalter am gesamten jüdischen Leben. Mittel zu diesem Ziele ist Arbeit! Arbeit an uns selbst; Arbeit i n und m i I der Gemeinschaft! Wir sind für das Judentum verantwortlich. Das Judentum steht und fällt mit einem arbeitsfähigen und arbeitswilligen Lehrersland. Möchte diese Erkenntnis unserer eigenen Arbeit immer größere Vertiefung gieben! Möchte sie, als Allgemeingut anerkannt, unseren Bestrebungen die Förderung und Unterstützung verschaffen, die das weilgesteckte Ziel mit Recht erwarten darf! * Anmerkung der Schriftleitung. In diesem Punkte können wir dem g. Einsender nicht voll beistimmen. Wie allgemein zugestanden wird, erfordert der rituelle Haushalt besondere Aufwendungen. (Siehe auch die Ausführungen von Dr. Neumeyer auf der Würzburger Tagung; „Bayerische Israel. Genieindezeitung" Seile 119.)

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