Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 35 (28.8.1925)
- Date
- 1925-08-28
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 55_ 28. August 12 Jahrgang Der 14. Zionistenkongreß in Wien Wien, den 21: August 1925 Noch ist der Wiener Zionistenkongreh nicht zu Ende, und darum kann man noch nicht ein abschließendes Urteil über seine Ergebnisse fällen. Aber soviel schon heute f eststelit, ist er vornehmlich ein Arbeiter - kongreß gewesen, der weniger Aufmerksamkeit der Ideologie unserer Bewegung als den realen Bedürfnissen der Stunde gewidmet hat. Der Kongreß stand unter dem Eindruck der Tatsache, daß Palästina gegenwärtig allmonatlich anstatt der Hunderte Einwanderer in den ersten Nachkriegs jahren Tausende Immigranten aufnimmt. Diese Masseneinwanderung — Palästina ist heute das wichtigste Emigrationsland der Welt für die Massen des Ostjudentums — stellt natürlich die Organisation der Zionisten vor schwierige Aufgaben, die dringend einer Lösung bedürfen. Die vierte ,,A 1 i j a h“, wie dieser neue Wanderstrom genannt wird, zwingt der Aufbauarbeit ein Tempo auf, das man sich noch vor einem halben Jahre nicht hat träumen lassen. Es werden die verschiedensten Bedenken laut: vom nationalen und vom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, birgt die vierte Alijah Gefahren und Probleme schwerwiegender Art in sich. Trotzdem muß jeder Zionist und Jude dieses Zurückströmen der verstreuten Glieder seines Volkes in die uralte Heimat begrüßen, denn jeder Jude mehr im Lande erhöht das Gewicht der jüdischen Geltung. Die Bedenken richten sich also nicht gegen die Tatsache, daß so viele Juden ins Land kommen, sondern dagegen, daß diese Einwanderer nicht zu gleicher Zeit mit ihrem Eintritt ins Land auch produktiviert werden. Wir treiben ja in Palästina keine Kolonisation schlechthin, sondern einen nationalen Aufbau des Landes und in nicht geringerem Maße auch des Volkes. Darum genügt es uns nicht, Juden nach Palästina hinüberzuführen; diese Juden müssen auch mit derartigen unlösbaren Banden mit dem Lande verknüpft werden, daß nicht nur eine neue jüdische Gemeinschaft entsteht, sondern auch eine gesunde und gerechte. Diese Auffassung, man kann es ruhig sagen, ist Gemeingut des gesamten Kongresses. In voller Erkenntnis, daß die Pioniere und die landwirtschaftliche Siedlung das Kernstück unserer Aufbauarbeit bilden, verschloß sich keine Gruppe der Einsicht, daß die vierte Alijah ein begrüßenswertes Faktum ist, das unsere Stellung innerhalb der Welt, innerhalb der Gesamtjudenheit und im Lande seihst erhöht und stärkt. Wenn auch nicht in starkem Maße im Plenum, so mehr in den Kommissionen überlegte man angestrengt, wie man die Aufgabe meistern könne, die Einströmenden einzuordnen und Bedingungen zu schaffen, daß kein Rückschlag erfolge, der Strom der Kommenden nicht gestaut werden muß. Zu dieser Kriegführung mit der gekennzeichneten Riesenaufgabe gehört jedoch wie zu jedem Kriege dreierlei: Geld, Geld und noch einmal Geld. Man ist sich darüber klar, daß die bisher aufgewendeten Mittel nicht ausreichen, um das Aufbauwerk in der Form, wie es sich heute präsentiert, fortzuführen. Das Budget wurde erhöht, und in den betreffenden Kommissionen beriet man über die Mittel und Wege, um den erhöhten Bedarf decken zu können. Aus dem Knäuel der Vorschläge und Meinungen kristallisierte sich die Erkenntnis heraus, daß die Hauptquelle der erforderlichen Mittel nur die jüdische Gesamtheit, das ganze jüdische Volk und insbesondere sein zionistischer und palästinafreundlicher Teil sein kann. Um das jüdische Volk für die Aufgabe des Aufbaues zu erfassen, muß man es organisieren und für den Zionismus gewinnen. Das aber kann nur im Wege einer konsolidierten, und gekräftigten Zionistischen Organisation geschehen. Ungeachtet der Versuche, durch die Erweiterung der Jewish Agency neue Kreise des Weltjudentums heranzuziehen, soll fortan mit verdoppelter Kraft der Ausbau der Zionistischen Organisation betrieben werden, denn sie soll der „rocher de bronce“ sein, um den sich alle gruppieren und an dem alle Halt