Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1925
- Issue
- 24 (21.8.1925)
- Date
- 1925-08-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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MITTE ILUN GEN des Israelitischen Lehrervereins für Bayern S chrütleitung: M. Rosenfeld, München Nr, 24_ München, 21. Äugust 1925 Zur Mitgliederversammlung in Nürnberg Wie wir bereits in der vorigen Nummer mitgeteilt haben, findet unsere diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung am 30. und 31. August in Nürnberg statt. Im Hinblick auf die Wichtigkeit der zu behandelnden Gegenstände bitten wir die Kollegen wiederholt dringendst um möglichst vollzähliges Erscheinen. Bezüglich der Tagesordnung wird auf die früheren Mitteilungen verwiesen. Nachstehend geben wir die von Kollegen Dr. J. Bamberger - Nürnberg aufgestellten Leitsätze zu seinem Vortrage: „Die Anwendung des Prinzips der Arbeitsschule auf den hebr. Sprachunterricht" bekannt. I. Der Begriff der „Arbeitsschule" (im Sinne von Gandig, Deuchel u. a.) als formales Prinzip aufgefaßt, bedeutet: „Von der Selbsttätigkeit zur Selbständigkeit" (1.) Dieser Begriff kann auf die sogen, geisteswissenschaftlichen Fächer —• so lange diese bestehen und nicht im Begriffe eines „Gesamtunterrichtes" aufgehen —■ nur in Verbindung mit anderen Prinzipien der rezeptiven Aufnahme seine Anwendung finden, im Sinne eines gemischten Systems. IL „Von der Selbsttätigkeit zur Selbständigkeit im HebräDsche n." (N i c h t Religionsunterricht!) A. Auf der Unterstufe. 1. Die hebräische Fibel (als Wand- und Buchfibel) ist eine Bilderfibel; die hebr. Buchstaben (die Druck- oder Quadratschrift) sind Bilder. 2. Die Einprägung erfolgt neben mündlicher Einprägung ausnahmslos in Begleitung eines malenden Zeichnens der Buchstaben als Bilder (n i c h t der sogen. Kursivschrift). 3. Die einzelnen Wörter werden von dem Kinde selbständig 'zusammengesetzt und ebenso niedergeschrieben. 4. Wir wählen von allem Anfang an Vokabeln eines geschlossenen Sachkreises. (Schule, Haus, Gotteshaus usw., die mündlich und schriftlich eingeprägt werden. 5. Ihre Anwendung in Wort und Schrift im Gespräch und in der Erzählung erfordert Kenntnis der Veränderlichkeit: Endung, Ein- und Mehrzahl, Geschlecht (Knaben und Mädchen reden sich gegenseitig an, stellen Fragen). 6. Kleine Sätze führen zur Kenntnis der einfachen Satzlehre usw. Ohr, Auge, Hand (Seinig, die redende Hand!) arbeiten zusammen. Akustische, visuelle und manuelle Arbeit gehören zusammen als psychologische Grundlagen der Sprachaneignung in selbständigem Tun, das gefördert wird durch die Freude am Fortschritt usw. Dazu kommen im Hebräischen noch andere Momente der Steigerung und Verstärkung, die mit einem a n - deren Gedanken der „Arbeitsschule" zusammenhängen : „Erziehung des kommenden Geschlechtes zur freudigen Hingabe an die Aufgaben der Gemeinschaft — unserer Gerdeinschaf t." (2.) B. Auf der Mittelstufe. a) Selbständiges Erschließen zusammenhängender Stücke aus den behandelten Sachgebieten (Schule, Haus, Gotteshaus, Feld, Wald u. ä., siehe oben!) b) Parallel: Leichte Stücke erzählenden Inhaltes aus der Genesis usw. c) Niederschreiben aus dem Gedächtnis, freies Nacherzählen (mündlich und schriftlich), Diktat! d) Mündliche und schriftliche systematische Ordnung des Sprachstoffes. (Selbständige Arbeit!) C. Auf der Oberstufe. a) Anleitung in der Benutzung eines Vokabulariums und einer systematischen Grammatik. b) Lektüre der Bibel in selbständiger Erarbeitung: mündlich dann schriftlich, keine Übersetzung benutzen c) Freie mündliche und schriftliche Nacherzählung, Veränderung von Person und Zahl, der Situation usw. d) In den Gesetzes Partien und bei Besch r e i b u n gen usw. treten selbstredend W^ort- und Sacherklärungen des Lehrers und Darstellungen (Zeichnungen, Modelle usw.) durch die S c h ü 1 e r h a n d im Sinne eines technischen Arbeitsunterrichtes hinzu. e) Steigerung bis, zur selbständigen Lektüre prosaischer und poetischer Stücke. f) Auf allen Stufen präge man kleinere und größere Gedichte u. a. ein aus sachlichen und moralischen Gründen. III. Literatur zu unserem Thema: Abgesehen von den aligemeinen wissenschaftlichen Abhandlungen: Halberstadt, Die Arbeitsschule (Schriften des B. .I.A.). J. B. Levy-May, Schaare Chajim