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Das jüdische Echo · 1925-08-21 · 34 (21.8.1925) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
34 (21.8.1925)
Date
1925-08-21
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 54 21. August ~ 12. Jahrgang Die Eröffnung des 14 Wien, 19. August 1925. Der vierzehnte Zionistenkongreß ist zusammengetreten. Die in ihrer Würde und Feierlichkeit imposante Eröffnungssitzung zeigte in jeder Einzelheit ihres Verlaufes den weltpolitischen Inhalt der zionistischen Idee. Das ganze jüdische Volk war in diesem prachtvollen Saal anwesend, Delegierte aus allen Teilen der Welt fanden sich mit den Führern dieser großen, vom Lebensimpuls eines befreienden Ideals erfüllten Bewegung zusammen. Dieser erste Abend war geweiht durch die Freude des Wiedersehens, die in diesen Stunden die Vertreter der verschiedensten politischen und sozialen Richtungen verband. Die untrennbare Einheit des jüdischen Volkes tritt in der Stimmung des Kongresses in der stärksten Klarheit ans Licht und in dieser ersten und ursprünglichsten Wirkung liegt die unüberwindliche Kraft des Zionismus, der sich durch keinerlei Hindernis von seinem Ziel trennen läßt. Dies mußte jedem bewußt werden, der diesen Abend miterlebt hat und das schöne Bild des Raumes in sich aufnahm, in welchem mehr als zweitausend jüdische Männer und Frauen den Worten der Führer lauschten. Und mit ihnen hörten die Vertreter der Völker diese Reden, die eine öffentliche Rechnunglegung darstellten. Die Gesandten und Minister der Staaten, die durch die Tatsache ihres Erscheinens den Kongreß ehrten, mußten den Eindruck gewinnen, daß unsere Sache sich auf das stärkste Fundament gründet, das die Welt und ihre Geschichte kennt: auf die Idee. Wir haben keinen Staat, den wir doch erst bauen wollen, wir habeu kein Heer und keine Marine, wir führen keinen Krieg. Wir stehen mit reinen Händen vor der Welt, die wir zu Richtern über unser Werk aufrufen und deren Urteil wir mit Zuversicht erwarten können. Wir können frei und offen vor der Tribüne des Kongresses sagen, was wir wollen und erstreben, wir können, was noch viel mehr ist, an unserer Arbeit selbst Kritik üben. Es gibt nichts, was wir verschweigen und das Gespinst aus Lüge und Unkenntnis, das urrt uns gewoben wird, zerflattert in nichts vor der Tatsache, daß wir selbst ungescheut alles aussprechen. Was wollen wir denn, das ein anderes Volk 'nicht auch besäße? Land und Freiheit. Festen, sicheren Boden, auf dem wir unsere Zukunft ungestört durch die Enge des Hasses neu aufrichten können. Daran kann und darf niemand Anstoß nehmen, der sein eigenes Volk liebt und der da weiß, daß nur die engste Zusammenarbeit aller Völker das Elend aus der Welt; bannen kann, das die Zwietracht und di'e Verleumdung erzeugt haben. Die Völker wissen nichts voneinander, sie spinnen sich in ihren Grenzen ein und fallen deshalb, weil die Wahrheit niemals sichtbar wird, ins Unglück. Wir haben dies erlebt und weil wir dieses Schicksal gesehen und miterlitten haben, stehen wir um so entschlossener bei unserem Programm des Friedens und der Völkerversöhnung. Wir dienen die- . Zionistenkongresses sem Zweck durch unsere Arbeit und wir lassen uns nicht durch Rückschläge verwirren, noch durch bewußt geschaffene Mißstände beeinflussen. Wir können stolz sagen, daß es einen Kongreß wie den unseren gar nicht gibt. In dieser Eröffnungssitzung wurde kein Wort gesprochen, das irgend ein anderes Volk, eine Idee verletzen konnte. Wir hätten sicherlich ein gewisses Recht darauf gehabt, über die widerlichen Vorkommnisse der letzten Tage ein Wort zu sagen. Aber wir wissen, wie leicht die Verhetzung in den durch Krieg und Kriegselend verbitterten Massen Verbreitung findet und wir stehen auch diesen Ereignissen mit kühler Reserve gegenüber. Es sind Erscheinungen einer Krankheit, die die Seele des Kontinentes zerrissen hat. Wir stehen ebenso wie alle anderen Völker unter diesem Druck und wir wollen nach Kräften an der Heilung mitwirken. Aber wir empfinden es trotzdem als eine starke Demonstration der Solidarität des guten Willens aller Kulturvölker, daß die Wiener Diplomatie vollzählig zu dem festlichen Abend sich eingefunden hatte. Wir erkennen daraus, daß die Völker trotz aller Verleumdung bestrebt sind, uns zu verstehen, und wir nehmen dies als ein gutes Zeichen für die Zukunft. Rede Weizmanns Meine geehrten Damen und Herren! Meine zionistischen Freunde! In dieser Stunde ernster Sammlung, vor neuer Arbeit an dem uns teuren Werke, heiße ich alle, Delegierte und Gäste, auf das Herzlichste willkommen. Es ist mir eine Ehre, als Präsident der Zionistischen Organisation die Regierung der Republik Österreich zu begrüßen. Wir danken Ihnen, Herr Bundesminister, aufrichtig für die Gastfreundschaft, die ihre Regierung unserer Weltorganisation in dieser schönen Stadt gewährt, mit der sich für uns eine große unvergängliche Erinnerung verbindet. Von hier hat Theodor HerzI seinen Ruf an das jüdische Volk ergehen lassen. Von hier zog die prophetische Botschaft seines „Judenstaats“ zu den versprengten Stämmen, hier wirkte er, schaffend und leidend zugleich, in der rastlosen Eile gedrängter Jahre, und es ist hier, wo ein schlichter Stein, aber umweht von Unsterblichkeit, Kunde gibt von einer einzigartigen Sendung und viel zu frühen Vollendung . . . „Eine Sache des Friedens und der menschlichen Gesittung“ liebte Theodor Herzl unser Werk zu nennen, und so empfand er es. In diesem Geiste sind wir hierher gekommen, und wir sind sicher, daß die Bevölkerung und Regierung dieses Landes, das ja die Bedeutung friedvoller und freundlicher internationaler Bande kennt, diesen Geist und, was aus ihm an Streben und Leistung entspringt, zu würdigen wissen wird.

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