Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 31 (31.7.1925)
- Date
- 1925-07-31
- Page
- Seite 611 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 Das Jüdische Echo 611 Von jüdischen Typen begegnet man neben dem Kaftanträger mit dem chassidischen Gürtel um den Lenden, den flotten Jungjuden aus dem Osten, der eleganten Jüdin aus der Metropole Deutschlands neben dem echten Stutzer aus der Hauptstadt Donau-Österreichs und last not least der altjüdischen Frau mit dem einfachen Haarnetz neben einer anderen jüdischen Frau (eine Neuheit) den Bubikopf mit einem Scheitel geziert! So sieht man die alte Tradition in Verbindung mit der Neuzeit und kann sich eine kleine Vorstellung davon machen, wie sich die Menschen der verschiedensten Art im neuen Palästina zeigen werden. Aber auch für gemeinschaftliche Aussprachen ist der Brunnen der geeignete Platz. Der Jude ist bekanntlich größtenteils recht gesprächig und findet immer Gelegenheit zur Anknüpfung einer Unterhaltung. So wurde ich öfter plötzlich auf dem Spaziergang mit der Frage angehalten: „Wie geht es Ihnen, Herr X. X.“? Auf meine Entgegnung, daß ich nicht der betreffende Herr sei, kam eine Entschuldigung über das Versehen und im Anschluß hieran einmal eine Vorstellung, aus welcher ich ersah, daß meine neue Bekanntschaft ein Herr Lurie aus Kowno sei, der eine Wollfabrik habe usw., worauf ich, um weitere Fragen abzuschneiden meine Personalien mit allen dazu gehörigen Andeutungen meinem vis-ä-vis zur Kenntnis gab. Nachdem ich ausgefunden hatte, wie sehr man auf diese Weise belästigt wird, suchte ich mehr einsame Wege auf; leider entging ich auch hier zuweilen nicht meinem Schicksal. Das Gesprächsthema im Hotel und auch sonst mit Glaubens-, oder (im nationalen Idiom ausgedrückt) mit Volksgenossen entwickelt sich auf den verschiedensten Gebieten; bald sind es jüdischpolitische Themata, bald handelt es sich um religiöse Fragen; Aguda und Achduth, Zionismus und Literarisches Echo Die Gesellschaft für jüdische Familienforschung hat soeben das zweite Heft ihrer Mitteilungen herausgebracht. Das Heft enthält zunächst die Fortsetzung der von Dr. K 1 i b a n s k y .aufgefundenen Frankfurter Stättigkeitsliste von 1802, d. h. eine lückenlose Aufzählung aller damals in Frankfurt a. M. ansässigen Juden nebst ihren Ehefrauen, sowie genaue Angaben ihrer Behausung. Sodann bringt der Berliner Studienrat Prof. Dr. Wölbe, der im Mannesstamm von christlichen Theologen abstammt, sehr interessante Angaben aus der Lebensgeschichte seines Großvaters. — Der Leiter des Gesamtarchivs der deutschen Juden, Archivar Dr. Jacobsohn, schreibt eine archivalisch belegte Darstellung der Namensannahme der Württemberger Juden. Anknüpfend an die Abhandlung des Oberbibliothekars Dr. Stern über die Berliner Familie Ephraim- Ebers in der vorigen Nummer werden weitere interessante Tatsachen über die Familie Ebers mitgeteilt. Erwin D r e y f u ß steuert als Auszug aus seiner Monographie: „Über die Familiennamen der Juden in Baden“ bei, in der über 800 jüdische Familien erwähnt bezw. ethymologi'siert sind. — Dr. C z e 11 i t z e r bringt seinen Vortrag: „Methoden der jüdischen Familienforschung“, den er in der Märzversammlung gehalten hat, und stellt hieran in programmatischer Form leitende Gesichtspunkte für die Arbeit des jüdischen Familienforschers zusammen. Den Schluß macht auch dieses Mal ein Suchblatt mit einer größeren Zahl von Anfragen aus dem Leserkreise, die sich auf Centralverein bieten ja immer Stoff zu ruhigen Und lebhaften Diskussionen. Während mir ein wackerer Frankfurter, der sich mit Stolz zur „Kehilla“ zähR\ in eingehender Weise seine Einwürfe gegen den „Eruv“ in Frankfurt zum Besten gab, wußte sein Antipode nicht genug Lobessprüche für die Gemeindeorthodoxie zu finden. Kuk und Soiinenfeld, die verschiedenen „Keranoth“, ja sogar die Zionistische Leitung und ihre Gegner um Jabotinsky gaben Stoff zu Auseinandersetzungen und sorgten gar oft für Unterhaltung in den Verdauungsstunden. Auch außerhalb der Besprechung solcher Fragen gah es Stoff zur Beobachtung merkwürdiger Erscheinungen. So erfährt man, daß es Austrittsgemeinden gibt, von denen eine große Anzahl ihrer Mitglieder dem Gebot nur so lange gerecht werden, als sie am Sabbathvormittag im Gotteshause weilen und ähnliche erbauliche Dinge. Doch ich will hier solche Vorkommnisse nur als Erzähler streifen und auch so auf so Widersinniges aufmerksam machen. Erfreulich war mir die Wahrnehmung, welche ich in Beobachtungen sowohl wie aus Gesprächen machen konnte, daß sich die Verhältnisse unsrer jüdischen Beamten im allgemeinen auf dem Wege der Besserung befinden. Dank des Einflusses der Verbände befinden sich die Lebensbedingungen der Gemeindebeamten im Aufstieg und wenn auch noch manches verbesserungsbedürftig, so ist doch viel Gutes geschehen. Auch in bezug' auf die antisemitische Bewegung kann man sagen, daß die Auswüchse derselben nicht mehr so kraß wie in den letzten Jahren in Erscheinung treten, und so kann man, in die Heimat zurückkehrend, nur wünschen, daß diese Besserung auch zu Hause immer fühlbarer werde. I v r i. ihre eigene Familiengeschichte beziehen, sowie eine Reihe von Antworten auf die in der vorigen Nummer enthaltenen Fragen. Enzyklopädie des Judentums „Eschkol“. Das Büro der Enzyklopädie des Judentums „Eschkol“ teilt mit* Nach Abschluß der Vorarbeiten an der großangelegten alphabetischen Kartothek der Artikel ist nunmehr mit der eigentlichen redaktionellen Arbeit der Enzyklopädie begonnen worden. Zunächst wurde folgendes Redaktions-Kollegium von 5 Mitgliedern eingesetzt: Dr. Jacob Klatzkin- Chefredakteur; Professor J. E 1 b o g e n , Redakteur für alte Geschichte und Lithurgie; Dr. Simon B e r n f e 1 d , Redakteur für neuere Geschichte, Literatur und Bibel Wissenschaft; Dr. M. Soloweitsc h»i k, Generalsekretär und Redakteur für Bibelwi'ssenschaft; Dr. J. N. Simchoni, Redakteur für mittelalterliche Geschichte und hebräische Poesie. Allgemeine Leitung: Dr. Nahum Gold mann und Dr. J. Klatzkin. Für verschiedene Abteilungen werden noch weitere Redakteure ernannt werden. Die Adresse des Büros lautet: Verlag „Eschkol“, A.-G., Berlin W 62, •Kleiststraße 20. Der kleine Brockhaus. Die vorliegende erste Lieferung umfaßt eine Fülle von Stichwörtern aller Art und ist geschmückt mit vielen wertvollen und lehrreichen Bildertafeln und Karten, in und außer dem Text; auch prächtige bunte Bilder sind dabei. Außerdem enthalten die 80 Seiten der ersten Lieferung nicht weniger als 443 klar ausgeführte Textabbildungen. Der Kleine Brockhaus befleißigt sich erstmalig einer neuen Aus-