Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 31 (31.7.1925)
- Date
- 1925-07-31
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 31 51. Juli 12 Jahrgang Das Krimprojekt Wir konnten mehrmals berichten, daß die großen jüdischen Hilfsgesellschaften, in erster Reihe der amerikanische Joint, der nach dem Kriege in allen vom Kriege und seinen Folgen heimgesuchlen Ländern mit größerer jüdischer Bevölkerung eine so opferfreudige Tätigkeit entfaltet hatte, gegenwärtig' Beratungen abhalten, um das unterbrochene Hilfswerk fortzusetzen. Im Mittelpunkt der neuen Hilfstätigkeil stehen die Juden in Sowjet-Rußland und das Hauptgebiet der Betätigung der großen jüdischen Wohlfahrtsorganisationen ist die Kolonisierung der russischen und ukrainischen Juden in der Südukraine und auf der Krim. Es ist auffallend, daß sowohl der Hilfsverein der deutschen J u d en mit seinem Führer Paul N a - t h a n an der Spitze, wie auch ICA und Joint gleicherweise für die Kolonisation der Juden in Rußland ein außergewöhnliches Maß von Begeisterung aufbringen. Die Kolönisationsbewegung in der Sowjet-Union, kurz das Krimprojekt genannt, findet uneingeschränkten Beifall bei den geldmächtigen Juden Amerikas, Englands und auch' "in Deutschland. Sicherlich haben all diese Kreise, die sich auf jüdisch-philanthropischem Gebiete betätigen, ein mitfühlendem jüdisches Herz für die ungeheure Notlage, in der sich das Judentum in Rußland befindet. Besondere Herzlichkeit erlangt jedoch dieses Mitgefühl durch den Umstand, daß den russischen Juden an Ort und Stelle geholfen werden soll und daß sie darum nicht eine Vermehrung der Auswanderer bilden werden, die mit allen Mitteln bestrebt sind, trotz der Einwanderungsbestimmungen in den Westländern, besonders in den Vereinigten Staaten, die Hölle ihres elenden Daseins in der Sowjet-Union .zu verlassen. Es soll kein Tadel gegen die erprobte jüdische Philanthropie sein, wenn festgestellt wird, daß ein Hauptreiz für die Aufnahme des Krimpröjektes darin liegt, daß durch dieses die Not der russischen Juden sozusagen lokalisiert wird. Es muß nicht erst hervorgehoben werden, daß das Bestreben, den Juden in der Sowjet-Union zu helfen und sie zu produktivieren, den ungeteilten Beifall aller Juden der verschiedensten Parteirichtungen finden muß. Allerdings wird diese Zustimmung durch einige Momente schwer gemacht. Erstens bedeutet diese Hilfsaktion nur' einen Tropfen auf einen heißen Stein. In Rußland und in der •Sowjet-Ukriaine leben ungefähr drei Millionen Juden. Nach den Plänen der' inf „Agro-Joiilt“ vereinigten Hilfsgesellschaften sollen im Laufü der nächsten drei Jahre 10 000 : Fätnilien angesiedelt werden. Angesichts der ungeheueren Notlage der russischen Judenheit bedeutet diese Zahl nicht viel. Zweitens werden die Juden von der Sowjet-Regierung auf Gütern angesiedelt, die ihren früheren Eigentümern ohne Entschädigung von der Sowjet- Regierung weggenommen wurden. Abgesehen von der Möglichkeit einer Restauration in Rußland, betrachten die Bauern in der Umgegend der enleigneten Güter die Acker der ehemaligen Herren als für sie bestimmtes Eigentum und erblicken in den Juden Eindringlinge, die durch den Willen der bei den Bauern nur geringe Sympathien genießenden „Judenregierungen“ von Moskau und Charkow verpflanzt wurden. Im Bewußtsein des russischen Bauern ist dieser Boden, der den Juden gegeben wird, von diesen weder durch Arbeit noch durch Kauf erworben, sondern ihnen auf Kosten der einheimischen Bauernbevölkerung gegeben. Diese Tatsache birgt in sich folgenschwere Möglichkeiten. Allerdings meinte ein hoher Sowjet- Beamter, sei ein Pogrom in 10 Jahren einem sofortig en Hungertode vorzuziehen (!). Drittens beabsichtigt die Sowjet-Regierung durch ihre Bereitwilligkeit, den Juden Boden zu geben, sich bei dem Westjudentum einen Stein ins Brett zu setzen und die jüdischen Sympathien, die England heute in der ganzen Welt genießt, für sich zu kaptivieren. Ob diese Absicht gelingen wird, ist mehr als zweifelhaft. Immerhin ist sie bei der Bereitwilligkeit der Bolschewiken mit „verruchten“ jüdischen Kapitalisten aus Amerika zusammenzuwirken, maßgebend gewesen. Was jedoch die reichen amerikanischen Juden veranlaßt, die sonst schon vor dem Worte, Sozialismus Grauen empfinden, mit „verfluchten“ Kommunisten zu kooperieren, ist vorläufig noch nicht durchsichtig . . . Alles in allem: die jüdische Öffentlichkeit wird gut daran tun, dieses Krimprojekt mit besonderer Aufmerksamkeit zu verfolgen. Man darf nicht durch Passivität und Gutgläubigkeit einer Sache im Bewußtsein der jüdischen Öffentlichkeit zu einer Bedeutung verhelfen, die sie vorläufig noch nicht hat und menschlicher Voraussetzung nach niemals erlangen kann. Bisher fehlen genaue Angaben über Größe, Art und Durchführung der jüdischen Kolonisation in Rußland. Da aber diese Kolonisation um die öffentlichen jüdischen Sympathien wirbt, ist sie auch verpflichtet, in breitester Öffentlichkeit alle Daten über ihr Werk der Öffentlichkeit bekannt zu geben. Bis das nicht geschehen ist, wird es sich empfehlen, trotz der prinzipiellen Zustimmung zu diesem Zweige, des Hilfswerkes der reichen westlichen Judenheit eine gewisse Reserve in der Beurteilung der ganzen Frage zu beobachten, und mit dem Segen solange zurückzuhalten, bisr es nicht genau entschieden ist, daß man diesem ganzen Planenicht fluchen muß. M. W. Schekel-Zahler! Oie Höhe der Wahlbeteiligung ist ein Gradmesser für die Lebendigkeit der Ortsgruppe! Sorgt für grosse Wahlbeteiligung zum Kongress!