Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 27 (3.7.1925)
- Date
- 1925-07-03
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 27_ 3. Juli 12 Jahrgang Der erste Verbandstag preuß. Gemeinden Die abgelaufene Session des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden Preußens bot alles in allem ein erfreuliches Bild. Die einheitliche Organisation der preußischen Judenheit ist eine vollzogene Tatsache, und die Zusammenfassung der Juden soll nicht nur auf Preußen beschränkt bleiben, sondern auch in naher Zukunft alle Juden Deutschlands umfassen. Mit Befriedigung, muß man feststellen, daß alle im preußischen Landesverband vertretenen Richtungen mit starker innerer Anteilnahme positiv mitgearbeitet haben, um der neugeschaffenen Organisation Leben und Inhalt zu geben. Wiewohl die Mehrheit des Landesverbandes, die liberale Fraktion, ängstlich bemüht ist, die Funktionen des Landesverbandes nur auf das Gebiet der konfessionellen Bedürfnisse der preußischen Judenheit zu beschränken, konnte sie sich doch nicht der Notwendigkeit entziehen, bei Beschlüssen mltzuwirken, die über den Rahmen von religiösen Interessen hinausgehen. Ein Beispiel hierfür ist die Annahme der Ausländer-Resolution durch den Verbandstag. Diese von der Jüdischen Volkspartei eingebrachte Entschließung legt Verwahrung dagegen ein, daß die Verwaltungspraxis gegenüber ausländischen Juden besonders hart ist. Einstimmig billigte der Landesverband diesen Antrag und bekundete damit, daß ihm der Schutz all derer, die wegen ihres Judentums leiden, am Herzen liegt. Auch die Beratungen über die Erziehungsfrage ließen erkennen, daß der Landesverband unter jüdischer Erziehung nicht lediglich jüdischen Religionsunterricht begreift, sondern vielmehr als ihr Ziel die Heranbildung von jüdischen Menschen erblickt. Der Klal-Standpunkt und die Verbundenheit mit dem Gesamtjudentum kam zum Ausdruck in der Auffassung des Landesverbandes bezüglich der der preußischen Judenheit obliegenden sozialen Aufgaben, wie allgemeine Hilfstätigkeit und Wandererfürsorge. Als erfreulich ist ferner festzustellen, daß die Ausführungen der Mitglieder der Volkspartei’, die auf die Verpflichtung aller Juden der ganzen Welt hinweisen, an dem Aufbau der jüdischen Heimstätte in Palästina mitzuwirken, allgemeine, wenn auch bei einigen Rednern reservierte Zustimmung fand. Zieht man das Fazit dieser Tagung, so ist sie ein erfreuliches Ereignis im Leben der deutschen Juden gewesen. Allmählich findet die deutsche Judenheit den Anschluß an die Gesamtaufgaben des jüdischen Volkes in der ganzen Welt und stellt sich in würdiger und sachlicher Weise auf den Boden der Arbeit für allgemein jüdische Interessen. M. W. Schluß des Berichtes Entschlüsse über die Revision des preußischen Judenrechts, Austrittsgesetzgebung und Staatsbeihilfe. — Einsetzung eines ständigen Ausschusses. Berlin (J.T.A.). In der Vormittagssitzung am 23. Juni wurde noch eine Reihe Resolutionen angenommen, so eine Resolution: der Landesverband möge dahin tätig sein, daß ein Reichsverband aller deutschen Juden bald geschaffen werde. Einige Entschlüsse über Lehrerbildung usw. wurden teils dem Unterrichtsausschuß, teils dem Rat überwiesen. Die letzte Sitzung war ausschließlich der Frage der Revision des preußischen Judenrechts gewidmet. Die Debatte leitete Herr Justizrat Dr. Wertheim (liberal) ein. Er bekämpfte die Vorlage und trat1 für die Annahme der Thesen der liberalen Fraktion ein, die liberalen Anschauungen durchaus gemäß sind. Der Redner polemisierte scharf gegen die Ausführungen Dr. Badts in der Vormiittagssitzung. Dr. Freund gab ergänzende Aufklärungen über die Notwendigkeit; einer Änderung der Austrittsgesetzgebung, betreffend den Austritt von Personen aus der Gemeinde und von Gemeinden aus dem Verband. Die Möglichkeit des Austritts müsse bestehen bleiben, sofern Gewissensgründe vorhanden sind. Der Redner polemisierte gegen die Haltung des Verbandes gesetzestreuer Judengemeinden (Halberstaedter Verband), empfahl aber, in Einigungsverhandlungen mit diesem Verband einzugehen. Herr Dr. Kollenscher sprach gegen die Thesen der Liberalen Vereinigung, insbesondere gegen den Passus, daß die durch Art. 137 gewährleisteten Rechte nicht stärker eingeschränkt werden dürfen, als dies bezüglich der christlichen Religionsgesellschaften geschehen ist. Er meinte, man darf sich überhaupt keine Einschränkungen gefallen lassen, auch wenn solche gegen christliche Religionsgesellschaften bestehen. Keineswegs darf sich der Staat irgendwie in innere Angelegenheiten der Gemeinden, wie Beamtenetat, Verleihung von Ämtern usw. einmischen. Jedes Gesetz ist: unannehmbar, welches nicht die Gleichberechtigung für alle Juden, auch Ausländer, vorsieht. Kein Landesgesetz darf Schranken aufstellen, die dem § 137 des Reichsgesetzes widersprechen. Hirschberg (konservativ) lehnte im Namen seiner Fraktion Eingriffe der Staatsverwaltung ab, ebenso trat er für die Gleichberechtigung der Ausländer ein. Justizrat L i 1 i e n t h a 1 (liberal) bittet die Herren der Jüdischen Volkspartei, sich nicht durch ihren Äntrag auf Ablehnung jeder staatlichen gesetzgeberischen Tätigkeit festzulegen und tritt für die liberalen Thesen ein, nach denen eine gesetzgeberische Beeinflussung offen steht. Rabbiner Dr. Rosenthal -Köln (konservativ) fordert in temperamentvollen Ausführungen eine Stärkung der Position des Rabbiners in der Gemeinde, da nur dann der Rabbiner die nötige Autorität haben könne, die junge Generation in jüdischem Geiste zu erziehen. Es wird sodann über die liberalen Anträge abgestimmt.