Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 26 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 26 26. Juni 12. Jahrgang Erster Verbandstag des Preußischen Gemeindeverbandes Der erste Verbandstag. Berlin (J.T.A.). Am Sonntag, den 21. Juni 25 nachmittags trat der aus der Wahl vom 1. Febr. d. J. hervorgegangene erste Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden im ehemaligen Herrenhause zu einer ersten Session zusammen. Vorher hatten die einzelnen Parteifraktionen Sitzungen abgehalten, dann fand eine interfraktionelle Beratung statt, in der man sich über die Zusammensetzung des Präsidium einigte. Kurz vor 4 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde, Kammergerichtsrat Leo W o 1 f f , mit einer feierlichen Ansprache die Tagung. Im Namen des Berliner Gemeindevorstandes, der laut der Verfassung des Preußischen Landesverbandes vom 25. Juni 22 Art. 36 bis zum Zusammentritt des Rates die Geschäfte zu führen hat, begrüßte er die erschienenen Delegierten, sowie den Vertreter des Preußischen Kultusministeriums, Ministerialrat Paul, den Vertreter der Stadt Berlin, Stadtrat T r e i t e 1, den Vertreter des Jüdischen Gemeindebundes von Sachsen-Anhalt, S a 1 i nf g e r , und den Vertreter des Hessischen Jüdischen Gemeindebundes. Cohn. Er führte dann ungefähr aus: Wir haben uns hier zu gemeinschaftlicher Arbeit vereinigt; wo uns Meinungsverschiedenheiten trennen, wollen wir diese von einer höheren Warte aus zum Austrag bringen. Es ist hier Platz für jede Richtung. Wir wollen hier eine Stätte schaffen, in der für das Wohl des Judentums gearbeitet wird; nicht allein für das materielle Wohl, sondern für die Erhaltung und Förderung von Religion, Ethik, Wissenschaft und Geistesbildung; eingedenk der ehrenvollen Geschichte der deutschen Juden. Diese Versammlung verkörpert die preußische Judenheit; das ist aber noch lange nicht genug. Das Ziel ist der Zusammenschluß aller deutschen Juden in einer großen deutschen Organisation. Hierfür ist der Unterbau noch nicht vollendet, hoffen wir, daß dies bald der Fall sein wird, denn eine solche Zusammenfassung tut bitter Not. Der Redner erinnerte an seinen Besuch beim Reichspräsidenten v. H i n d e n b u r g vor wenigen Tagen, bei welcher Gelegenheit der Reichspräsident die Gleichberechtigung und gleiche Behandlung aller Bekenntnisse als Grundsatz aufstellte. (Bravorufe.) Das ist ja nur eine Selbstverständlichkeit, aber d a ß es ausgesprochen wurde und durch den ersten Beamten des Reiches, war gut. Man erfuhr, wie ein wahrhaft deutscher Mann über Juden und Judentum denkt. Wir werden darauf antworten, indem wir als ein Bestandteil der deutschen Volksgesamlheit zum Wohl des Ganzen arbeiten werden. Der Landesverband wird als eine öffentlich-rechtliche Körperschaft auch die Vertretung der preußischen Judenheit nach außen hin sein. Als wir den Landesverband vor drei Jahren gründeten, waren wir überzeugt, daß die erste Tagung bald zustande kommen würde. Zwei Gründe sind es, die eine so lange Hinausschiebung notwendig machten; erstens war die Fülle der vorbereitenden Arbeiten groß, zweitens warteten wir auf die öffentlichrechtliche Regelung. Darüber wird aber noch einige Zeit vergehen, deshalb entschlossen wir uns die Tagung einzuberufen. Die Organisationsarbeit nach innen ist bereits getan, hoffen wir, daß die Arbeit mit den Reichs- und Staatsbehörden bald zum Abschluß gebracht werden wird. — Der Redner hob die Verdienste des Herrn Dr. Ismar Freund hervor, dessen Können und unermüdlicher Eifer dem Werke dienstbar waren (Bravorufe.). Der Verbandstag ist die erste jüdische Repräsentanz in Deutschland, die aus allgemeinen, geheimen und direkten Wahlen hervorging. Wir werden nach parlamentarischer Gepflogenheit öffentlich tagen. Die Aufgabe des Vorstandes der Berliner Gemeinde ist beendet, wir geben sie in die Hände des Landesverbandes zurück. Wir wollen den Blick richten auf das, was uns eint, nicht auf das, was uns trennt. Dann wird unsere Arbeit Bahn schaffen für die Zukunft und eine Quelle des Segens sein für alle Zeiten (Lang anhaltender Beifall). Der Präsident des Deutschen Rabbinerverbandes, Dr. B a e c k , richtete in einer eindrucksvollen Ansprache die Aufforderung an die Versammelten, sich von Schlagworten fernzuhalten und den Geist der wahren Einigkeit zu pflegen. „Aristokratie“ und „Demokratie“ sind Worte, denen man erst einen Inhalt geben muß. Es gibt eine Aristokratie müder Erben und eine Demokratie der Plebejer. Es gibt aber auch eine Aristokratie des Geistes und Gewissens und eine Demokratie der Vornehmen. Auch die Einheit ist nicht zu wünschen als eine Einheit der Oberflächlichen, die die Mode zusammenbringt. Wir wollen eine höhere Einheit um Gottes Willen, eine Einheit aus Gewissen und Selbstlosigkeit. Möge diese Versammlung jüdischer Menschen zum Segen des Judentums sein. Im Namen des Bürgermeisters von Berlin, der seine Abwesenheit entschuldigen ließ, hieß Stadtral T r e i t e 1 die Tagung willkommen. Der Vertreter des Jüdischen Gemeindebundes von Sachsen- Anhalt und cjer Vertreter des Hessischen Jüdischen Gemeindebundes begrüßten die Tagung im Namen ihrer Verbände und brachten zum Ausdruck, daß die Judenheit ihrer Länder die Schaffung einer einheitlichen Organisation der gesamten deutschen Judenheit; aus tiefstem Herzen begrüßen würde. Der Vorsitzende verlas dann ein Begrüßungsschreiben des Verbandes Bayerischer Isra-