Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 23 (5.6.1925)
- Date
- 1925-06-05
- Page
- Seite 459 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Das Jüdische Echo 459 so wird unser Schiff ein großes Wort für den Aufbau von Palästina reden. Man kolportiert den Vorschlag, daß die Passagiere zum Andenken an die erste Reise des jüdischen Schiffes eine Stadt in Erez Israel erbauen sollen. Es werden zu diesem Zwecke Stiftungen und Beratungen abgehalten, genau so wie auf dem Festlande. Man plant für diese Stadt den Namen „Ir Sebulun“, welchen Namen das Schiff in seinem Magen David trägt. Nebenbei wird erzählt, daß Oberrabbiner Ivuk den Namen „Sebulun“ für das Schiff vorgeschlagen hatte, weil er Handel und insbesondere Seehandel andeutet. Die Direktoren konnten allerdings den früheren Namen des Schiffes „President Artur“ nicht ändern, haben aber das „Sebulun“ an der Flagge angebracht. Ob von diesen Sitzungen wirklich eine Stadt entstehen wird, wird man erst später wissen. Aber inzwischen geht es lebendig zu. Unter den wenigen Nichtjuden auf dem Schilfe zieht insbesondere die Person des Professor F e r r y von der Universität in Winnipeg die Aufmerksamkeit auf sich. Er ist der Delegierte seiner Universität zur Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem und hat es vorgezogen, auf dem jüdischen Schiff diese Reise nach Palästina zu tun. Er ist Professor für semitische Sprachen, kann Hebräisch und diskutiert mit den Passagieren nicht nur über Fragen des „starken Dagesch“, in denen er eine Autorität ist, ein Schüler von Delitzsch, sondern auch über andere jüdische Probleme. Er ist ganz begeistert von dein Publikum auf dem Schiffe und glaubt, daß die Hebräische Universität Gewaltiges für die Menschheit leisten wird. Er ist ein guter Diskutant und wenn er im Laufe des Gesprächs in eine heiße Debatte gerät und Bibelverse zu zitieren beginnt, geraten so manche von unseren Juden in Verlegenheit. Sie wissen nicht die Bedeutung der Zitate, schämen sich aber einem nichtjüdischen Professor dies zu gestehen. Aber alle sehen den Professor gerne, der bei uns fast schon assimiliert ist. G. B u b 1 i k. Literarisches Echo Jakob Loewenberg: Kämpfen und Bauen. Der Gedichte „Aus jüdischer Seele“ vierte vermehrte Auflage. Verlag von M. Glogau jr., Hamburg 1925. Leinenband Mk. 3.50. Wenn ein Gedichtband seine vierte Auflage erlebt, sollte man diese Tatsache als Beweis betrachten dürfen, daß Form wie Inhalt das gewohnte Maß des Gebotenen überschreiten. Leider ist dies aber bei der vorliegenden Sammlung des „jüdischen“ Dichters Loewenberg durchaus nicht der Fall. Sein Erfolg, der nicht verkannt werden soll, scheint vielmehr darauf zu basieren, daß „jüdische Dichter“ in deutscher Sprache so ungewöhnliche Erscheinungen sind. Dazu kommt, daß in der Abteilung „Lieder eines Semiten“, aber auch sonst, Töne angeschlagen werden, die der Grundstimmung des deutschen Durchschnittsjuden entsprechen: der „Judenschmerz“ über die Zurücksetzung, über den zu Tage tretenden Judenhaß kommt zum (manchmal formell recht mangelhaft gestalteten) Ausdruck. Tendenz ist alles an diesen meist glatten Reimen, denen sowohl jeder Hinweis auf die positiven Werte des Judentums, aber auch ergreifende und fesselnde Gestaltung abgeht. — Der Verlag hat sich mit Erfolg bemüht, durch äußere ansprechende Gestaltung dem Büchlein weiteste Verbreitung zu sichern. Theo Harburger. * Der große Künstler Max Liebermann, Präsident der Akademie der Künste, der sich erst in den letzten Jahren jüdischen und biblischen Motiven zugewandt hat, hat soeben von ihm geschaffene Lithographien zum „Buch Ruth“ erscheinen lassen. * Achad Haam übergab der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem das gesamte Archiv des Ordens „Bne Mosch e“, den er im Jahre 1889 gegründet und während seines siebenjährigen Bestandes geleitet hat. Dieser Orden vereinigte damals die besten Kräfte der nationalen Bewegung und war eine Art Schule für die künftigen Organisationen des Zionismus. Der Einfluß des Ordens war in den 90er Jahren in allen Kreisen der zionistischen Bewegung entscheidend. — Das nunmehr der Bibliothek einverleibte Archiv ergänzt die andern Archive aus der Geschichte der zionistischen Bewegung, welche der Bibliothek einverleibt wurden: Das Archiv von Smolenskin, Ussischkin, der Odessaer und der englischen „Chowewe Zio n“, Das Archiv der Bne Mosche enthält die Dokumente und den Briefwechsel der „Bne Mosche“. Es wurde vor seiner Übergabe durch Achad Haam selbst geordnet und der wissenschaftlichen Bearbeitung zugänglich gemacht. * Der Volkskommissar für Bildung in der Regierung der Ukraine verfügte die Gründung eines jiddischen Theaters aus Staatsmitteln, das den Titel Staatstheater tragen wird. Das Theater wird in der Hauptstadt der Ukraine, Charkow, seinen Hauptsitz haben. Gemelnden-u. Vereins-Echo München. Zionistische Ortsgruppe. Am Montag, den 25. Mai fand eine Fortsetzung der Aussprache über Palästina, die am 14. Mai mit einem Vortrage „Neue Eindrücke aus P a 1 ä s i n a“ begonnen hatte, statt. Herr Robert Beer versuchte, an der Hand von Lichtbildern einen kleinen Begriff von den landschaftlichen Schönheiten Palästinas zu geben. Er brachte Bilder von Haifa, vom Emek, vom Tiberiasee, von Metulla,, vom jüdischen Gebirge, von Jerusalem usw. Im Anschluß daran machte Herr Jakob Reich Ausführungen über die Kolonien und ihre Bedeutung für den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Aufbau des Landes. Eine größere Diskussion konnte nicht mehr stattfinden, da die Zeit schon zu weit vorgeschritten war. Das Interesse des Publikums war wiederum sehr rege, der Bibliotheksaal der Gemeinde war überfüllt. Der Palästinafilm, der am Donnerstag, den 4. und Sonntag, den 7. Juni in München läuft, wird die notwendigen Ergänzungen zu den beiden Abenden bringen.