Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 21 (22.5.1925)
- Date
- 1925-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 21 22. Mai 12 Jahrgang Produkt! vierung Die neuesten Berichte aus Rußland erzählen von einer Kolonisationsbewegung unter den russischen Juden, die seitens der Regierung der Sowjet-Union weitgehende Förderung erfährt. Auch ausländische jüdische Organisationen nehmen an den Bestrebungen der russischen Judenheit, zur Bodenarbeit zurückzukehren, lebhaftes Interesse. Wie an den meisten, die notleidenden Juden des Ostens betreffenden Hilfsaktionen beteiligt sich auch in diesem Fälle die amerikanische Judenheit in sehr starker Weise an der Durchführung des Kolonisationsplanes der russischen Juden und der Sowjet-Regierung. Nach Berichten von Vertretern dieser amerikanisch-jüdischen Hilfsorganisation sind im abgelaufenen Jahre in der Ukraine und auf der Krim 4000 jüdische Familien, die 20 000 Seelen umschließen, auf dem Lande angesiedelt worden. 400 000 Morgen Bodenfläche werden bereits von jüdischen Händen in Rußland bearbeitet. Die ungeheuren Kosten, die dieses großzügige Siedlungswerk verursacht, werden von den Siedlern selbst, den auswärtigen jüdischen Hilfsorganisationen und der Sowjet-Regierung getragen. Nach den bisherigen Erfahrungen kann angenommen werden, daß die Verwurzelung der angesiedelten Juden in der Landwirtschaft gelingt. Allerdings bedeutet die Kolonisierung von Hunderttausenden von Familien, die im weiten Gebiete der Sowjet-Union aus ihren bisherigen Berufen herausgerissen und schrecklicher Not ausgesetzt sind, eine derartige Ausgabe, die weder von der Sowjetregierung noch von den hilfsbereiten amerikanischen Juden, noch von den betroffenen notleidenden jüdischen Familien selbst bewältigt werden kann. Es wird im allerbesten Falle gelingen, nur einen ganz geringen Bruchteil der aus dem Kleinhandel und dem Kleingewerbe durch die Wirtschaftspolitik der Sowjet-Regierung verdrängten Juden dem landwirtschaftlichen Berufe zuzuführen. Der überwiegende Teil der russischen Judenheit ist zu weiterem Hungern und Vegetieren verurteilt. Trotzdem ist die Kolonisation der Juden in der Sowjet-Union auf das lebhafteste zu begrüßen, auch seitens derjenigen, die die endgültige Lösung der Judentums- und Judenfrage in dem Aufbau eines jüdischen Nationalheims in Palästina erblicken. Eine der Hauptforderungen der zionistischen Renaissance-Bewegung ist die Produktivierung der jüdischen Massen, die Hinüberleitung der zahllosen jüdischen Luftexistenzen zu einem Leben der Arbeit, zu einem Dasein schöpferischer Betätigung in der Urproduktion. Der Zionismus errichtet seine Hoffnungen nicht auf der Verelendung der jüdischen Massen im Galuth. Vielmehr ist er der Überzeugung, daß in je höherem Maße das Leben des Galuth-Judentums normalisiert werden wird, dieses Judentum der Diaspora um so intensiver seine Anstrengungen zum Aufbau Palästinas gestalten kann. Die Richtigkeit dieser Anschauung wird gerade durch die Erfahrungen, die man in der Kolonisation in der Ukraine und auf der Krim bei den dortigen jüdischen Kolonisten machen konnte, bestätigt. Es ist auffallend, daß die meisten der neu errichteten jüdischen Siedlungen in Rußland hebräische Namen tragen. Ein groß Teil der in Rußland kolonisierten Juden hängt in inniger Begeisterung an dem Gedanken des Pioniertums für Palästina. In den letzten Tagen konnte die außerhalb Rußlands lebende Judenheit aus dem Munde unparteiischer Zeugen, der Vertreter neutraler amerikanischer Hilfsorganisationen erfahren, daß in den jüdischen Kolonien Rußlands die meisten jüngeren Elemente die Arbeit in Feld und Wald als eine Vorbereitung auf ein Leben als palästinensische Bauern betrachten. Diese russischen Chaluzim erklären, daß sie nach gründlicher Vorbereitung in den russisch-jüdischen Kolonien sich bemühen werden, nach Palästina zu kommen, und daß sie ihre Arbeitsplätze in Rußland den zahlreichen nachdrängenden jungen Leuten überlassen werden, damit diese die Vorbereitungsschule für das endgültige freie Leben im jüdischen Nationalheim durchmachen können. Die Zahl der in Rußland so denkenden und fühlenden Anwärter auf Ansiedlung auf dem Boden beträgt viele Tausende. Die Sehnsucht nach produktiver Arbeit hat heute die gesamte russische Judenheit ergriffen. Es ist bester jüdisch-zionistischer Geist, der sich in dieser Erscheinung ausdrückt. Darum ist die Rückkehr Tausender jüdischer Familien in Rußland zur Landwirtschaft auf das freudigste zu begrüßen. M. W. Eröffnung des Palästina-Pavillons in Wembley Ansprache des Kolonialministers Amery London (J.T.A.). Aus Anlaß der Eröffnung des neuen Palästina-Pavillons auf der britischen Reichsausstellung zu Wembleb am 12. Mai veranstaltete das Komitee des Pavillons ein Festessen, zu welchem eine Reihe britischer Persönlichkeiten geladen waren. Der Hauptredner war der britische Kolonialminister L. S. Amery, der einleitend feststellte, der gegenwärtige Palästina-Pavillon sei reicher und schöner ausgestattet als der vorjährige, und die Palästina-Regierung sei in diesem Jahre viel besser repräsentiert. Sodann kam Mr. Amery auf seinen jüngsten Besuch in Palästina zu sprechen und erklärte, die Schönheit des Landes, die historisch bedeutsamen Ortschaften, die großen wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes und die wundervolle Arbeit, die die britischen Beamten unter sehr schweren Bedingungen vollbracht haben, hätten in ihm den Glauben an die Zukunft Palästinas befestigt. Mr. Amery setzte fort: Palästina braucht jetzt mehr Kapital und mehr Bevölkerung. Es kann schon heute ein Anwachsen sowohl der jüdischen als auch der arabischen Bevölkerung gut vertragen. Er sei überzeugt, daß Araber und Juden harmonisch Zusammenleben und Zusammenarbeiten können, Jüdische Arbeit und jüdische Intelligenz