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Das jüdische Echo · 1925-05-15 · 20 (15.5.1925) · p. Seite 386

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
20 (15.5.1925)
Date
1925-05-15
Page
Seite 386 (sequence 18)
Language
German
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386 Das Jüdische Echo Nr. 20 ponist sich merklich von den anderen abhebt und besondere Züge zeigt und es der Zukunft überlassen zu untersuchen, was davon auf seine Individualität, was auf sein Judentum zurückzuführen ist. Von Schalit kann man jedenfalls sagen, daß er Eigenes, Originelles bietet; nicht überall und nicht gleichmäßig, aber da wo es sich zeigt, stark und zwingend. Noch steht er in der Tonsprache seiner Lieder und besonders in der Begleitung stark unter dem Einfluß der modernen deutschen Liederkomponisten, besonders von Hugo Wolf und Richard Strauß, aber vor allem in seinen „Seele n 1 i e d e r n“ (Gedichte nach Jehuda ha-Levi) zumal in „Knechte der Zeit“ und „Jeder Morgenstern im Osten“ herrscht eigene Empfindung und eigene Gestaltung vor. Auch verschiedene der „F r ii h 1 i n g s 1 i e d e r“ (Texte von R. Schaukal und Dauthendey) wie „Mai“, wie „Immer Lust an Lust sich hängt“, zumal die beiden ersten Strophen des letzteren sind ausgezeichnet erfunden und von starker Selbständigkeit in der Formung, weniger läßt sich das von den vorgetragenen Klavierkompositionen sagen, einem Choralvorspiel und einem Intermezzo, die beide zwar feinsinnig durchgeführt, aber nicht sefir originell sind. Den Schluß des Konzertes bildete ein Cyklus von jüdischen Volksliedern, deren Texte der Komponist ins Deutsche übertragen und die er mit einer passenden Klavierbegleitung versehen hat. Man hat Beispiele, daß Bearbeitungen jüdischer Volkslieder diesen nicht zum Vorteil gereichen und es ist auch hier kein Zweifel, daß die Texte sich jiddisch besser ausnehmen als deutsch, wenn die Übertragung auch sehr geschmackvoll vorgenommen ist. Aber die musikalische Bearbeitung Schalits ist so fein und bringt das charakteristische der Lieder so gut zur Geltung, daß sie in ihrer jetzigen Gestalt doch ein großer Gewinn sind. Vor allem können sie jetzt einem viel größeren Vortragenden und genießenden Publikum zugänglich gemacht werden, als in ihrer bisherigen Form, wo eigentlich nur der sie richtig vortragen konnte, der sie an der Quelle kennen gelernt hat. Die „Seelenlieder“ wurden von Herrn Kammersänger Ziegler mit einer mächtigen, umfangreichen und klangschönen Stimme gesungen, die dem großen Ausdrucksgehalt dieser Lieder voll gerecht wurde. Frau B u s c h h o f f, welche die übrigen Lieder sang, gelangen diejenigen heiteren Inhalts am besten und ganz besonderen Beifall erwarb sie sich mit dem Vortrag der jiddischen Volkslieder, die sie ausgezeichnet zur Geltung brachte. Beim Komponisten, der seine Klavierkompositionen vortrug und die Lieder selbst begleitete, fiel besonders sein schöner und außerordentlich ausdrucksvoller Anschlag auf, und bei der Begleitung, die bei seinen Liedern eine große Rolle spielte, die Fähigkeit, sich hinter der Singstimme diskret zurückzuhalten und doch in der Begleitung den Stimmungsgehalt des Liedes klar und eindringlich darzustellen. Dr. L. M. Synagogenkonzert des Jüdischen Gesangvereins. Die M. N. N. schreiben:‘„Der Jüdische Gesangverein hatte neulich zu einem Synagogenkonzert eingeladen. Der Vortragsabend wurde von dem Chorkörper mit a capella-Chören und Werken mit Orgelbegleitung ausgefüllt. Zur Einleitung intonierte Robert Osenbrunner in klangschönen und packenden Farben eine Fantasie in gmoll für Orgel über Kol Nidre'f von Jos. Zieg- 1 e r. Die beiden a capella-Chöre von Salomon R o s s i ließen diesen als Meister quellender Melodik zu uns sprechen, ein Beweis, in welchem Ausmaße sich die hebräische Sprache musikalisch formen läßt. Auch die übrigen Programmnummern zeigten Klangsätze, worin sich der Jubel über den Ewigen mit elementarer Gewalt in die Höhe schwingt, die aber auch andererseits das Bild des Menschlich-Sündhaften in abgeklärten Tonfarben bezaubernd malten. Das Solostück von Prof. E. Kirschner wies eine einfache Schönheit auf und zeigte in dem begleitenden Orgelsatz das tiefe musikalische Können des Komponisten. Der Jüdische Gesangverein hat unter Leitung seines tüchtigen Dirigenten nicht nur stimmlich, sondern auch musikalisch hervorragende Leistungen vollbracht besonders in dynamischer und rhythmischer Hinsicht.“ Zu diesem Konzert hatte der Verein etwa 3000 Einladungen hinausgehen lassen mit dem Erfolg, daß kaum 300 Karten gelöst wurden. Es ist bedauerlich, daß das geistige jüdische München so wenig Interesse an seiner gesanglichen Literatur nimmt, bedauerlich vor allem, daß die jüdische Jugend vollständig fehlte. Wenn man berücksichtigt, daß bei allen möglichen und unmöglichen Konzerten gerade die jüdische Bevölkerung Münchens ein großes Kontingent der Besucherzahl stellt, so ist der schwache Besuch unseres Konzertes ein Beweis für den Mangel an Interesse an jüdischen Angelegenheiten. Emil C a h n. Theater-Abend des Jüdischen Kulturvereins. Der Verein lud uns am Montag, dem 11. Mai zu einem Theaterabend, der, verbunden mit Tanz, ein heiterer blieb, trotz des ergreifenden Einakters „GLik sf a r g essjiene“ deis jüdischen Arbeiterdichters David P i n s k i. Die Szene war auf der winzigen Bühne wirkungsvoll und stilecht. Josef Löwys Regiekunst ist uns bekannt und in bester Erinnerung. — Bruno Kluger spielte den armen Hindes mit Maß und Hingebung. Er füllte und ergänzte die unendlich traurige beängstigende Atmosphäre dieses ostjüdischen Naturalisten. Dagegen verblaßten die weiblichen Rollen. — S. Eisen las mit sprühender Lebendigkeit die beschauliche Betrachtung „Dos Tepp e 1“ von S c h o 1 e m A1 e j c h e m. Er ist ein guter Sprecher und kommt aus bester Schule. — Herr Goldberg und Fräulein Zuckerb erg gaben auf Klavier und Violine Proben ihrer Kunst. — Man blieb beisammen, trank, aß und tanzte —■ bis tief in die Nacht hinein. -nn. * * Soeben ist im Verlage Eschkol, Berlin, ein neues Werk von Dr. Jakob Klatzkin unter dem Namen „Sutot“ erschienen. Das Buch, das 256 Seiten umfaßt und besonders schön ausgestattet ist, enthält vornehmlich eine Reihe philosophischer Miniaturen, die ein neues Gebiet für die hebräische Literatur erschließen. Preis gebunden M. 7.15, Luxusausgabe (auf Büttenpapier in Pergament, numeriert) M. 25.—. Weitere drei größere Werke von Klatzkin werden demnächst erscheinen. Vom Jüdischen Verlag. Herr Dr. Martin Bub er (Heppenheim) ist in freundschaftlichem Einvernehmen aus der Leitung des Jüdischen Verlages ausgeschieden. Zuschriften und Sendungen in Verlagsangelegenheiten sind daher fortab nur mehr an die Adresse des Jüdischen Verlages, Berlin NW. 7, Dorotheenstraße 35, zu richten.

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