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Das jüdische Echo · 1925-05-15 · 20 (15.5.1925) · p. Seite 371

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
20 (15.5.1925)
Date
1925-05-15
Page
Seite 371 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Kummer 20_15. Mai 12 Jahrgang Echo der Woche In Nr. 17 unseres Blattes haben wir anläßlich eines Berichles der ,,M ii nchner Neue s l e n N a c h r i c h l e n“ über die UniversitälserölTnung in Jerusalem unserer Verwunderung darüber Ausdruck gegeben, daß diese Zeilung sich diesen Bericht nicht etwa aus Palästina, sondern aus Rom schreiben ließ und daß in ihm ausschließlich der Standpunkt des Teiles der Vatikan-Geistlichkeit berücksichtigt war, der der Entwicklung des jüdischen Gemeinwesens in Palästina ungünstig gestimmt ist. Wir waren über die Grundeinstellung dieser Meldung deshalb so erstaunt, da doch sonst die „Neuesten“ nicht gerade Politik nach klerikalkatholischen Gesichtspunkten machen. Nun hat dieses selbe Blatt uns diesen Sonntag (Nr. 128) mit einem neuen Aufsatz über das werdende Palästina überrascht, der wenigstens den Vorzug hat, daß er aus der Feder eines Journalisten stammt, der sich das Land seihst angesehen hat und also aus eigener Erfahrung spricht. ,,D a s P a 1 ä s t i n a - E x p e r i m e n t“ betitelt Erich von Salzmann, der Sonderberichterstatter der „Neuesten“, seine Reiseeindrücke. Wir können es dem Mitarbeiter einer Zeitung von der politischen Richtung der „Münchner Neuesten“ natürlich nicht verübeln, daß er auf England und dessen Kolonialpolitik nicht gut zu sprechen ist. Im Gegenteil wundert es uns einigermaßen, daß der Verfasser, der die Palästinapolitik Englands doch so verfehlt und für England unglückselig hält, sich nicht noch mehr freut angesichts der für ihn fast feststehenden Tatsache, daß die britische Politik in Palästina kläglich Schiffbruch erleiden “werde. Oder sollte Salzmann seihst unbewußt gefühlt haben, daß bei seinen schwarzen Prophezeiungen der Wunsch mehr der Vater seiner Gedanken war als irgendeine greifbare Indizie? Wie dem auch sei: dem Geiste der deutschnationalistischen Zeitung entspricht es natürlich sehr, wenn in dem Artikel die Balfour-Erklärung vom November 1917 als „ein klarer geistiger Kriegsschlag gegen Deutschland“ bezeichnet wird, wobei der Verfasser allerdings vergißt, daß auch die deutsche kaiserliche Regierung durch eine ähnliche zionismusfreundliche Erklärung ihres Auswärtigen Amtes (durch den Mund des Herrn Freiherrn von dem Bussche) den gleichen „klaren geistigen Kriegsschlag“ gegen England führte. Im übrigen läßt sich natürlich nicht leugnen und wird auch von vernünftigen deutschen Politikern nicht in Abrede gestellt, daß durch den siegreichen Einzug Englands in Palästina die zionistische Sache mehr gefördert wurde, als vermutlich hei Verbleiben der türkischen Oberherrschaft durch die Vermittlung der Zentralmächte zugunsten einer jüdischen Siedlung in Palästina herausgekommen wäre. Als völlig abwegig, ja irreführend müssen wir es jedoch bezeichnen, wenn in dem Artikel das Motiv für die Balfour-Erklärung folgendermaßen formuliert wird: „Man wollte das treu zum deutschen Vaterlande stehende Judentum aus der Gemeinschaft lösen.“ Die hier zum Ausdruck gebrachte Meinung, daß England die bekannte Deklaration zu dem Zwecke abgegeben habe, um den deutschen Juden ihre patriotische Stimmung zu verderben und sie gewissermaßen ihrem Vaterlande zu entfremden, ist mehr als merkwürdig und wirft ein seltsames Licht auf das politische Verständnis dessen, der sie ausspricht. Wenn Englands Absicht in der Tat dahin gegangen wäre, so wäre ja nichts natürlicher gewesen, als wenn es nach Liquidierung des Weltkrieges auch seine Balfour-Erklärung in der Versenkung hätte verschwinden lassen. Nun ist Salzmann natürlich nicht so weltfremd, daß er nicht verstünde, daß es für England ganz andere Motive für seine Palästinapolilik und die 1917 abgegebene Deklaration gibt. Ja er kann sich sogar nicht dem Eindruck entziehen, daß die neue wirtschaftliche Entwicklung in Palästina unter Umständen für D e u t s e h la n d von Nutzen werden kann und bereits von Nutzen ist. Er sagt: „Da die Anlage der amerikanischen Kriegsgewinne in Palästinas Entwicklung liberal gehandhabt wird, und die deutsche Produktion, Handel und Schiffahrt Vorteile aus dieser ziehen, so können wir allem weiteren mit ruhiger Objektivität Zusehen, ich möchte sogar sagen, dem Ganzen eine gewisse Sympathie trotz aller Politik entgegenbringen.“ Diese Worte zeigen immerhin, daß der Verfasser nicht dem Englandhaß soweit verfallen ist, daß er nicht einmal die Möglichkeit zugibt, daß sich manchmal auch aus der Politik des „Feindes“ Konstellationen ergeben, die einem selbst zugute kommen. Und wir müssen bei dieser Gelegenheit feststellen, daß hier ein zweifellos dem Judentum fernstehender Mann — wie wäre er sonst Mitarbeiter der „Neuesten“? — seine politischen Bedenken gegen England als Mandatarmacht den rein wirtschaftlichen Vorteilen, die sich für Deutschland ergeben, unterordnet. (Wir betonen dies deshalb so sehr, weil ja, wie bekannt, gegen uns Juden gerade von deutschnationalistischer Seite oft der Vorwurf erhoben wird, daß wir um des „Geschäftes“ willen unsere politischen Meinungen zurückzustellen bereit wären.) Was nun den eigentlichen Bericht über die neuen Verhältnisse in Palästina anlangt, so sind die Eindrücke Salzmanns bezüglich der älteren jüdischen Kolonien, wie Rischon-le-Zion, von dem er ausführlich spricht, im allgemeinen richtig. Wir vermuten allerdings, daß sie deshalb so richtig sind, weil die Wahrheit über diese Kolonien in der Tat nicht sehr günstig für uns Juden als Kolonisationselement aussieht. Anders hingegen steht es mit der Beurteilung des viel wichtigeren Teiles des jüdischen Siedlungswerkes, den neuen landwirtschaftlichen Kolonien. Hier scheint Salzmann selbst im fernen Palästina seiner vielleicht für Deutschland nicht unangebrachten Furcht vor dem bolschewistischen Gespenst völlig erlegen zu sein. In den jüdisch-palästinensischen Arbeitern und ihrem zum großen Teil durch die besonderen Kolonisationsverhältnisse bedingten intensiven Gemeinschaftsleben wittert Salzmann lauter Bolschewisten oder wie er sie vorsichtig bezeichnet: „Sozial abirrende Elemente mit mehr fortgeschrittenen, ins Bolsche-

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