Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1925-05-01 · 18 (1.5.1925) · p. Seite 335

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
18 (1.5.1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 335 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103075-9153807--06709-9079424
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 18 Das Jüdische Echo 335 Der Vorsitzende der jüdischen Welthilfskonferenz Herr Leo M o t z k i n wurde eingeladen, über die Lage der Juden in Rußland und in den anderen osteuropäischen Staaten zu berichten. Herr Motzkin, der jetzt als Führer der Abordnung der jüdischen Welthilfskonferenz in Amerika weilt, gab eine ausführliche Schilderung der Notlage der osteuropäischen Judenheit und erklärte, die Not sei noch lange nicht gemildert und rasche Hilfe sei nötig. In Anbetracht der Einstellung der Hilfsarbeit in Rußland seitens des Joint Distribution Committee müssen die anderen amerikanischen Organisationen alle Anstrengungen machen, um die Not der russischen Judenheit zu lindern. Herr Motzkin richtete die Aufmerksamkeit der Konferenz auf die gegenwärtige Entwicklung in Polen, wo infolge der Wirtschaftskrisis und der öffentlichen Maßnahmen die jüdische Bevölkerung immer mehr verarmt und heute wieder auf ausländische Hilfe angewiesen ist. Insbesondere sei es notwendig, eine Hilfsaktion zugunsten der Kinder der Intellektuellen in die Wege zu leiten. Auch die anderen Mitglieder der Abordnung der jüdischen Welthilfskonferenz, der frühere Oberrabbiner von Leningrad Dr. E i s e n s t a d t und der Abgeordnete des preußischen Landtags Dr. Oskar Cohen, ergriffen das Wort und appellierten an die Mitglieder der Bne Brith, den jüdischen Massen Rußlands und in den anderen Ländern Osteuropas in ihrer Not zu helfen. Der Vorsitzende der Internationalen Konferenz des Ordens Bne Brith, Herr Adolph Kraus, versicherte der Abordnung der jüdischen Welthilfskonferenz, daß die Mitglieder der Bne Brith sich ihrer Pflicht gegenüber ihren notleidenden Brüdern in Osteuropa stets bewußt sein werden. Es wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in welcher das jetzt in den Vereinigten Staaten geltende Einwanderungs-E i n Schränkung s ge setz, welches insbesondere die Einwanderung aus den Ländern Osteuropas fast vollständig unterbindet, scharf verurteilt wird. Es sei nicht zu leugnen, heißt es in der Resolution, daß das Gesetz zwischen Rassen und Ländern Unterschiede macht und so die allgemein menschlichen Beziehungen vergiftet. Die Theorie der Superioritä! der nordischen Rassen, die gegenwärtig in den Vereinigten Staaten im Schwange ist, sei entschieden zu verurteilen, der Unabhängige Orden Bne Brith verurteilt sowohl das Gesetz selbst, als auch dessen harte und oft ungerechte Anwendung; all dies steht im Widerspruch zu dem wahren Geiste der amerikanischen Verfassung. Der Orden erklärt, daß er bestehende Gesetze wohl achten werde, aber auf eine schnelle Aufhebung oder Verbesserung des Einwanderungsgesetzes im Interesse der Menschlichkeit hofft. Die Anregung des bisherigen Präsidenten Adolph Kraus, nunmehr Frauen als Mitglieder des Ordens Bne Brith aufzunehmen, bildete den Gegenstand einer eingehenden Diskussion. Es wurde ein Ausschuß eingesetzt, der über die Frage Bericht erstatten sollte. Der Ausschuß sprach sich gegen die Anregung des Herrn Kraus aus und empfahl, den Distrikten die Bildung von Frauen -Hi lfssekt i o n e n anheim zu stellen. Für die verschiedenen Tätigkeitsgebiete in den nächsten 5 Jahren wurde ein Budget von 450 000 Dollar aufgestellt und von der Konferenz angenommen. — Nach den vorgenommenen Wahlen wurde die Konferenz mit einer feierlichen Ansprache des neuen Präsidenten geschlossen. Vom Board of Deputies L o n d o n. (J.T.A.) Am 19. April hielt der Deputierlenrat (Board of Deputies) d e r englischen Juden eine Sitzung ab, in welcher eine Reihe internationaler jüdischer Fragen erörtert wurde. Oberst Waley Cohen erstattete den Bericht des juridischen und parlamentarischen Komitees. Dieses Komitee hat sich mit Erfolg dagegen eingesetzt, daß die Kinder der ,,F remden“ von der Verteilung von Schulstipendien ausgeschlossen würden. Der Berichterstatter versicherte, daß keinem jüdischen Kinde Unrecht geschah. Mil Bezug auf Wohnungszuweisung wurden die jüdischen Fremden nicht direkt benachteiligt, allein der Wohnungsmangel dauert an und der demnächst zu wählende neue Deputiertenrat werde sich mit der Angelegenheit beschäftigen müssen. Hierauf wurde der Bericht des K o in i t e e s f ü r auswärtige Angelegenheiten (Joint Foreign Committee) erstattet, aus dem hervorgeht, daß gemäß den von der letzten Versammlung gefaßten Beschlüssen mit der britischen Regierung, sowie mit den diplomatischen Vertretungen R u ß 1 a n d s und R u m änie n s in London in Verhandlungen getreten worden ist. Mit der britischen Regierung wurde die Frage der K a 1 e n d e rr e f o r m , mit dem russischen Botschafter die Angelegenheit der Verfolgung der Juden seitens gewisser Sowjet-Behörden, mit dem rumänischen Minister die Angelegenheit der staatsbürgerlichen Entrechtung der Juden in der Bukowina, in B e s s a r a b i e n und in T r a n s s y I v a n i e n auf Grund des neuen rumänischen Bürgerschaftsgesetzes, welches mit den internationalen Verträgen in Widerspruch steht. Die Korrespondenz wird fortgesetzt: es sei zu hoffen, daß der nächsten Sitzung konkrete Mitteilungen vorgelegt werden können. Seit der Veröffentlichung der Korrespondenz mit dem Gesandten Litauens in London sind in der Angelegenheit der Z w a n g s s o n n t a g s r u h e (vgl. den Artikel „Um die Sabbathruhe“ in Nr. 13 des ,,Jiid. Echo“) in Litauen keine weiteren Sehritte unternommen worden. Es wurde ein Zusammengehen mit den anderen Minderheiten in Litauen, die sich ebenfalls über Verletzung der Minderheitsrechte beklagen, angebahnt. Inzwischen hat das litauische Parlament ein neues minderheitsfeindliches Gesetz in Beratung gezogen, welches darauf hinausgeht, die litauische S p r a c h e als einzige U n t e r r i c h t s s p r a ch e in allen Staatsschulen zu erklären. Das Komitee wird auch gegen diese Verletzung der vertragsgesicherten Minderheitsrechte Schritte unternehmen und sich bestreben, die Existenz des jüdischen Volksschulwesens zu sichern. Die ungarische Regierung hat auf den Vorschlag des Joint Foreign Committee die Frage der Berechtigung des n u m erus c 1 a u s u s dem ständigen internationalen Gerichtshof vorzulegen, bisher keine Antwort erteilt. Das Komitee wird sich genötigt sehen, die erforderlichen Schritte beim Völkerbund zu unternehmen, damit eine rasche TeNtilhandelsgesellschaft zum „Weberhau s"R.-<5. München /Frankfurt^' / Leipzig Zentrale München, Hesstrasse 74/76 Hauptgeschäft Dachauerstr. 9. Illustr. Katalog gratis u.franko

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.