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Das jüdische Echo · 1925-05-01 · 18 (1.5.1925) · p. Seite 333

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
18 (1.5.1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 333 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 335 Der Husfall der Reichspräsidentenwahl (J.Z.) Der Kampf um den Posten des Reichs* Präsidenten ist in Deutschland mit der ungeheuersten Schärte unter der leidenschaftlichsten Anspannung aller Kräfte bis zuletzt geführt worden. Die Rechtspresse hat im allgemeinen unabhängig von sonstiger antisemitischer Einstellung die Judenfrage teilweise weniger behandelt. (Hierbei sind selbstverständlich speziell deulschvölkischc Blätter nicht berücksichtigt.) Bezeichnenderweise hat das „Deutsche T a g eb 1 a t I“ in seiner Nummer 96 vom Sonnabend, den 25. April, also 24 Stunden vor der Wahl, geglaubt, am besten die schwere Artillerie aufzurichten, indem es Marx nachsagte, er habe eine Besprechung mit maßgebenden jüdischen Kreisen gehabt und sich im Falle seiner Wahl verpflichtet, sich dafür einzusetzen, daß ein Gesetz geschaffen wird, das jede antisemitische Bewegung verbietet und unter Strafe stellt. Der offizielle Reichsblock und die „bedeutenden“ Agitatoren für die Hindenburg-Wahl haben diesmal im Gegensatz zur Wahl Dr. Jarres sich bei der Agitation zum großen Teil auf allgemeine Redensarten beschränkt und auf die Lobpreisung der alten s c h w a rz weiß roten Fahne. Der Kampf hat sich in den letzten Tagen immer mehr hauptsächlich zu einem Flaggenkampfe entwickelt — hier schwarz-weiß-rot — hier sehwarzrot-gold. Was die offizielle Propaganda hierbei an Antisemitismus vermissen ließ, wurde bei der stillen Propaganda von Mund zu Mund seitens der Schwarz- Weiß-Roten mit umso mehr Fleiß und Energie naehgeholl. „M a r x , de r Iv a n d i d a t de r J u d e n!“ mit diesem Schlagworte wurde gegen den ehemaligen Reichskanzler gearbeitet. Am Wahltage seihst trat auch die Hakenkreuzfahne mehr in den Vordergrund. Die Agitation des „Reichsblocks“ wurde am Wahltage in erster Linie außer von Schulkindern und Backfischen von den berüchtigten vaterländischen Verbänden getrieben. Der Ausgang der Wahlen wird, was zu begreifen ist, in den Kreisen der rechtsradikalen und antisemitischen Verbände sicher mit großer Begeisterung gefeiert werden. Es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß man sich allerlei Illusionen über die Größe des Sieges hingibt. Fs ist auch mit Bestimmtheit zu rechnen, daß die antisemitische Propaganda in Versammlungen und auf den Straßen sich wieder etwas bemerkbar machen wird. Fs muß auch mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß die Hakenkreuz-Verbände sich gewisser Beziehungen zu dem neuen Staatsoberhaupt rühmen können und ihre Tätigkeit von den Generalfeldmarschall llindenburg nahestehenden Kreisen unterstützt wird. Deswegen haben aber die völkischen Herrschaften noch lange keine Aussicht auf Erreichung ihrer völkischen Ziele und der Einführung einer Judenordnung in Deutschland. Der neue Reichspräsident H i n d e n - b u r g, der sich bis jetzt in jüdischen Dingen v o 11 k o m m e n neut r a 1 gezeigt hat, kann von sich aus ebensowenig ein Gesetz durchsetzen wie sein Vorgänger. Er muß mit den gesetzlichen Faktoren rechnen und das ist in erster Linie der deutsche Reichstag. Bei der ganzen Wahlagitation ist auch außer Acht gelassen worden, wie begrenzt auf Grund der Reichsverfassung die Befugnisse des Reichspräsidenten sind. Der „V o r w ä r t s“ erinnert in seiner heutigen Abendausgabe jedoch daran, daß der Reichspräsident keine Regierung nach seinem Geschmack oder nach dem Geschmack seiner persönlichen Freunde einen Tag im Amt halten könne, wenn der Reichstag es nicht will. „Ohne und gegen die Regierung“, schreibt der „Vorwärts“, „kann der Reichspräsident nichts tun, er kann daher auch n i c h t s g egen den Rei c h st a g tun, wenn der Reichstag einen festen Willen hat. Die Rechte hat im Reichstag nicht die Mehrheit. Ihre Macht beruht einzig und allein auf der Stütze, die sie im Negativen bei den Kommunisten findet. Sie ist nicht zimperlich, die Mitte des Reichstags darf es auch nicht sein. Einem ernsten Angriff kann der Rechtsblock nicht standhalten. Die absolute Mehrheit hat er selbst bei der Hindenburg-Wahl nicht erreicht, die relative, die er gewonnen hat, setzt sich aus den verschiedenartigsten Elementen zusammen. Rabiate Nationalsozialisten auf der einen Seite, Deutsche und Bayerische Volkspartei auf der anderen können nicht miteinander regieren. Hindenburg war der Kandidat, den die Rechtsradikalen den widerstrebenden Elementen der Volkspartei aufgezwungen hatten. Der doppelte Erfolg, den sie hatten, da sie erst diese Kandidatur durchsetzten, dann sie zum Siege führten, hat ihnen den Kamm mächtig schwellen lassen. Noch ist nicht abzusehen, zu welchen Tollheiten sie sich dadurch werden verleiten lassen. Aber diese Tollheiten müssen zu einer Krise des Rechtsblocks führen — wenn diese Krise nicht schon früher ein tritt. Dies muß, will man das Wahlergebnis vom jüdischen Standpunkt aus, betrachten, zweifellos mit berücksichtigt werden. Man braucht die antisemitische Welle, die wahrscheinlich in den nächsten Wochen sich etwas lebhafter bemerkbar machen wird, absolut nicht zu unterschätzen, sie zu übertreiben liegt jedoch ebenso wenig Anlaß vor. Die echt Ph,iippo^2^rrr^','iJ3fschus ^Omc^ Vor minderwertigen Nachahmungen wird gewarnt. enthalten nur feinste Mischungen der edelsten bulgaritchen Qualit&tstabake

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