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Das jüdische Echo · 1925-04-03 · 14 (3.4.1925) · p. Seite 242

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
14 (3.4.1925)
Date
1925-04-03
Page
Seite 242 (sequence 18)
Language
German
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242 Das Jüdische Echo Nr. 14 vorhandenen Talmud-Thoralehranstalten bereit zu Stellen, die ein über den bisherigen Rahmen der öffentlichen Schulen hinausgehendes Maß jüdischen Wissens vermitteln. Das Seminar hofft damit einem vorhandenen Notstand abzuhelfen. Haßfurt. Der Bund gesetzestreuer jüdischer Kultusgemeinden Bayerns versendet nächster Tage an seine Mitgliedsgemeinden und an seine Einzelmitglieder die schriftliche Bitte um Einzahlung des Mitgliedsbeitrages. Seit dem Jahre 1922 sind Beiträge nicht erhoben worden. Die Ziele, welche sich der Bund in Bayern gesteckt hat und deren Erreichung den kleineren und mittleren Kultusgemeinden unmittelbar zugute kommen soll, bringen der jüdischen Allgemeinheit mittelbar Segen, da die Hebung des jüdischen Niveaus gerade auf kleinen Plätzen, was einer näheren Auseinandersetzung und Begründung nicht bedarf, mehr wie je Aufgabe der jüdischen Gesamtheit ist. Jeder Jude kann dem Bunde als Mitglied beitreten. Je größer die Anzahl der Mitglieder ist, je größer die Beiträge und je rascher sie bezahlt werden, desto ausgiebiger können die Leistungen des Bundes sein. Kassier ist Herr Max Neuberger, Haßfurt. Zahlungen werden am besten an die Bezirkssparkasse Haßfurt zugunsten des Kontos des Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Bayerns gerichtet. (Postscheckkonto Nr. 7168 Nürnberg.) Berlin. Arbeitsgemeinschaft für W a n d e r f ü r s o r g e und Arbeitsnachweis. Zur Neuregelung dieser durch den Krieg und die folgenden Jahre in ihrer Grundlage veränderten sozialen Fragen haben sich in der letzten Zeit neue Arbeitsgemeinschaften gebildet. Die Wanderfürsorge wurde in die Hände eines Ausschusses gelegt, dem die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, das Jüdische Arbeiterfürsorgeamt und die auch bereits vor dem Krieg tätige Zentrale für Wander-Armenfürsorge angehören. — Die neue Arbeitsgemeinschaft hat ihre Tätigkeit bereits aufgenommen und wird bemüht sein, die Wanderfürsorge im ganzen Reich den Anforderungen neuzeitlicher sozialer Fürsorge entsprechend zu regeln. Zur Vereinheitlichung des jüdischen Arbeitsnachweiswesens wurde gleichfalls eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, zu der die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, das Arbeitsfürsorgeamt, der Jüdische Frauenbund und die Großloge für Deutschland Vertreter entsenden werden. Berlin. Kursus für Heilpädagogik. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden veranstaltet mit dem Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde Berlin und der Jüdischen Hilfe für das jüdische Kind vom 15. Mai: bis 19. Juni d. J. einen Kursus für Heilpädagogik. Folgender Lehrplan ist vorgesehen: 1. Einführung in die allgemeine Kinderpsychopathologie im Zusammenhang mit den Grundlagen der Kinderpsychologie mit praktischen Vorführungen. 2. Untersuchungs- und Beobachtungsmethoden normaler und anormaler Kinder mit praktischen Übungen im Zusammenhang (mit praktischen Aufgaben der Kinderauslese). 3. Grundlagen der Heilpädagogik (für zurückgebliebene Kinder) und Psychopathenfürsorge. 4. Unterricht und Erziehung an zurückgebliebenen Kindern. 5. Besondere Erziehung der sittlich und sozial Gefährdeten. 6. Hilfsschulwesen. 7. Gemeinschaftsleben und Spiele normaler und anormaler Kinder. 8. Grundzüge der Individualpsychologie. 9. Die neuen Strömungen der Pädagogik in ihrem Zusammenhang mit der Heilpädagogik. Leitung Prof. Dr. med. F. Schneerson. Der Kursus wird verbunden sein mit praktischer Arbeit und Besichtigung entsprechender Anstalten und Einrichtungen. Die Teilnahme ist für Persönlichkeiten bestimmt, die schon Erfahrungen auf erzieherischem oder fürsorgerischem Gebiete besitzen und sich zur Teilnahme an dem ganzen Kurs verpflichten. Die Teilnehmergebühr beträgt 10 Mark. Gegen Einsendung dieses Betrages erfolgt die Ausgabe der Teilnehmerkarten. Die Anmeldungen sind an die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin C. 2, Rosenstr. 2—4, zu richten. Personalia Anfangs März d. J. verstarb in Wien die Witwe des Großkaufmanns David Weber, Frau Blume Weber, im Alter von 86 Jahren. Die Verblichene war in den weitesten Kreisen als Philanthropin bekannt. Sie entstammte einer alten Patrizierfamilie sowie dem Hause des bekannten Gelehrten L e w u s c h , dessen Werke noch heute für die rituellen Gebräuche zum_ Vorbild dienen; ihr Großvater war der durch die Einberufung zum Rabbiner-Kongreß in Europa bekannte Rabbi Jehuda von Biala, der ein Alter von 125 Jahren erreichte. Die Verstorbene, Mutter von 7 Kindern, 26 Enkeln und 15 Urenkeln, widmete sich in größtem Maße der Wohltätigkeit, besuchte regelmäßig jede Woche verschiedene Krankenhäuser, stattete arme Bräute aus usw. Frau Blume Weber verband strenge Religiosität mit inniger Zionsliebe. Ihre sämtlichen Nachkommen mußten sich nach ihrem Wunsche der Bewegung des Palästina-Aufbaus anschließen. Sjfe war der Meinung, daß alle Richtungen des Judentums zum Aufbau Palästinas Zusammenwirken müßten und daß es gerade den Thora-Treuen nicht schwer fallen dürfte, sich mit den Zionisten auf friedlichem Wege zu verbinden. In diesem Sinne suchte sie noch in den letzten Tagen ihres Lebens (bei Zirkelveranstaltungen) zu wirken. Sie starb in voller geistiger Frische und traf noch bis zu ihrem letzten Augenblick Anordnungen für die strenge Durchführung aller Riten bei ihrem Dahinscheiden. * Nach langem schweren Leiden verschied am 27. März in München Herr Großhändler Louis Mayer. Der Verblichene, welcher 45 Jahre im Geschäftsleben stand, erfreute sich in weitesten Kreisen größter Hochschätzung; seine solide und reelle Handlungsweise hatte ihm einen ehrenvollen Namen in der Kaufmannswelt erworben. Lange Jahre widmete er auch der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde seine Kräfte und zählte hier, wie in allen Korporationen, welchen er angehörte, zu den arbeitsfreudigsten Mitgliedern. Mit der Gattin und zwei Töchtern betrauert der einzige Sohn, unser Freund Dr. Max Mayer, den Vater. Wir sprechen ihm und der Familie das innigste Beileid aus. — Zur Beerdigung hatte sich eine zahlreiche Gemeinde eingefunden und Herr Rabbiner Dr. Baerwald sowie Herr Cahnmann seitens der München-Loge und ein Vertreter der Firma gaben der Trauer um den Verlebten beredten Ausdruck. Jakob F r ä n k e 1.

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