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Das jüdische Echo · 1925-04-03 · 14 (3.4.1925) · p. Seite 239

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
14 (3.4.1925)
Date
1925-04-03
Page
Seite 239 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 14 Das Jüdische Echo 239 weh tat! Wie schmerzlich der erste Teil meines Lebens war! Von einer Hand gingich zur anderen. Von Babylon nach Assyrien und nach Kanaan. Ich war überall. Ich diente allen Göttern, Sonne, Mond und Sternen, dem Gotte Baal und dem Gotte Dagon, dem Moloch und der Astarte — Götter und Könige wurden in mich eingebrannt und eingezeichnet. Bis ich in die Hand Abrahams fiel, des alten Abraham, des Sohnes von Terach aus Ur-Kasdim. Als Abraham vierhundert Schekel an Efron Ben Zohar bezahlte, fiel ich beinahe unter die vierhundert. Nur mein Aussehen ■— ich war bereits alt und verschlissen — rettete mich aus den Händen des Sohnes Heths. Er sah mich an und sagte zu Abraham, er war ein gütiger alter Mann: „Die Männer Kanaans werden diesen Schekel nicht annehmen.“ So blieb ich bei Abraham, und er schmückte mich mit einem Mann und einem Weib auf einer Seite und einem Knaben und einem Mädchen auf der anderen. Und ich blieb in der Erbschaft von Generation zu Generation, von Sohn zu Sohn — Teil und Teilchen ihres Lebens. Als David kam, David der Sänger, David der König, und mich aus dem Kasten nahm und befahl, ich solle umgeprägt werden und auf der einen Seite „Jerusalem die Heilige“ eingeschrieben tragen und „David der König“ auf der anderen, war ich glücklich. Wieder jung, wieder neu, meine alten Leiden fast vergessen. Dagon und Moloch und Babylon fast vergessen. Mehr Zeit ging vorüber, wiederum Babylon. Wiederum fiel ich beinahe in die babylonische Münze, um mit einem neuen Namen und dem Gesicht von Nebukadnezar gezeichnet zu werden. Aber meine Herren waren weiser geworden. Sie bewahrten mich wie ihren Augapfel und ließen mich nicht gehen. Mit ihnen kam ich wieder heim. Ich wurde alt und müde bis auf den Tod, müde wie das ganze Volk. Neue Münzen kamen auf; die Dareike, die Münze Persiens — wir Alten nannten sie Adrachmon »— verbreitete sich unter uns, und die Griechen kamen mit ihren Drachmen und Minen und Talenten — ich war fast vergessen. Es gab eine Zeit, wo die Jasons und Aristobuls und die anderen Halbgriechen mich gänzlich zu zerstören wünschten, meinen Namen auszurotten und mein Geschlecht zu vernichten. Aber neue kamen, und ich wurde wiederum aus einem Versteck genommen und umgeschmolzen und auf meine Rückseite wurde ein Topf mit einer Mohnblume eingraviert, des armen Mannes Topf, und meine Stirnseite wurde mit einem hübschen Band geschmückt: „Jonathan der König“. Weiter und weiter — wie hart ist es, so viel Schmerzen und Gram zurückzurufen! — bis eines schönen Tages ein Römer mit scharfem Schwert kam. Er zerbrach das Kästchen und schleppte mich aus meinem Ruheplatz. Er warf mich in einen Schmelzofen, schmolz mich wieder und prägte auf mich ein Brandmal der Schmach. Mit harten viereckigen römischen Buchstaben grub er ein: „Judäa Devicta“, besiegtes Judäa. Und in die Mitte ein hartes grausames Gesicht, das Antlitz des Kaisers Vespasian. Mit all den Gefangenen und Flüchtlingen wurde ich nach Rom getrieben, ich und alle meine Freunde, — das Adrachmon, die Perutaalle, alle. Rom nahm und streute uns aus über alle Meere und die ganze Welt voll Stolz und Verachtung. Von Hand zu Hand ging ich, von Europa nach Afrika und zurück nach Asien — aber niemals kehrte ich nach Erez Israel zurück. Nun bin ich viele Jahre hier. Zuerst wußte ich nicht, was aus denen geworden war, die mir nahe und teuer waren. Ich lag irgendwo in einem fernen, fernen Grabe, in einem kalten Land, unter Eis und. Schnee, und ich sehnte mich sehr nach ein wenig Sonne, nach dem Klang meiner Heimatsprache und nach den Farben meines Heimatlandes. Und die Jahre vergingen. Regen, Kälte und Feuchtigkeit zerstörten mich fast ganz. Ich hatte nur eine Hoffnung, einen Trost: eines Tages würde die Feuchtigkeit der Erde die Marke der Schande austilgen, Inschrift und Gesicht des Römers, und würde mich nackt meiner alten Erde wiedergeben, bereit zu sterben. Aber ich wurde gefunden und gewaschen und gereinigt, und wieder sahen die Worte der Schande: „Judäa devicta“ das Licht, und ohne Hoffnung und Trost lag ich und wartete. Tragt ihr, ihr Kleinen, auch diese Worte? Lebt Rom noch? Ist Judäa noch erobert?“ Und die jungen Münzen antworteten mit lustigem Lachen: „Nein, Großvater, Rom starb vor langer Zeit und Judäa ist nicht mehr erobert.“ „Nicht mehr?“ seufzte der Alte wieder. „Wie oft habe ich dies gehört, und wie oft kam ein neues Heer? Ein neuer Eroberer mit seinem Schmelztopf?“ „Wir lassen es nicht mehr zu, Großvater. Wir wollen uns nicht umschmelzen lassen. Wir wollen entweder sein wie wir sind oder gar nicht sein.“ „Hallelujah,“ seufzte der alte Mann, „Hallelujah!“ Stille fiel wiederum auf die Münzensammlung. Der Professor fuhr auf und rieb sich die Augen. Es war d'unkel. Nur die neuen Münzen aus Jerusalem schimmerten im Glaskästchen. Und der alte Professor lächelte. Dr. A. C o r a 1 n i k. Hebräische Kurse Hebräische Sprachschule Chowewe-Iwrith, Nürnberg. Den Lesern des „Jüd. Echo“ wird erinnerlich sein, daß im vorigen Sommer unter Leitung einer bewährten hebräischen Lehrkraft Kurse für Nürnberg und Umgebung eingerichtet wurden. Die Zahl der Kursteilnehmer ist schon bald darauf eine so große geworden, daß eine zweite gleichfalls erprobte Lehrkraft eingestellt wurde. Wie bekannt, setzt sich die Zahl der Teilnehmer durchaus nicht nur aus Zionisten zusammen, sondern in wohl der gleichen Anzahl auch aus anderen jüdischen Kreisen. Die Zahl der Teilnehmer in Nürnberg, Fürth und Bamberg ist eine sehr große und stets zunehmende. Es findet sowohl Einzelwie Kursunterricht statt. Wir machen Interessenten ausdrücklich darauf aufmerksam, daß im Monat April neue Kurse beginnen, und daß Anmeldungen hierzu erfolgen können in der: Zionistischen Ortsgruppe, Fürtherstraße 87, Tel. 9226. Jugendliche können auf Wunsch bedeutende Ermäßigung erhalten. Hebräische Kurse, München. Die bestehenden hebräischen Kurse finden von Montag, 20. April an ihren regelmäßigen Fortgang. Zum Zweck einer Besprechung über die Unterrichtszeiten und den Unterrichtsstoff werden alle bisherigen Teilnehmer gebeten, sich Samstag, 11. April abends halb 7 Uhr im Klubzimmer, Ottostr. 2, einzufinden. Es ist beabsichtigt, einen neuen Anfängerkurs zu eröffnen. Neuanmeldungen im Unterrichtslokal, Ottostraße 2, täglich 9—12 und 3—6 Uhr. Leiter der Kurse: Dr. Max Mayer. Der Kurs der historischen hebräischen Grammatik von Dr. Mayer findet Sonntag, 5. April,

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